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Doppelhochzeit

Doppelhochzeit

Im Stadtarchiv findet sich zahlreiche Briefsammlungen, darunter auch jene von Ludwig Mehrle. Mehrle war zunächst Kaufmann und dann Kassier der Gemeinde Wilten. In den Jahren 1902 und 1904 schrieben er und seine zukünftige Frau Anna Plattner sich zahlreiche Briefe, die von der jungen Liebe zeugen. Er lebte und arbeitete damals in Wilten, sie in Steinach am Brenner. Hoffen und Bangen, Liebeserklärungen und Eifersucht, Alltagssorgen und Zukunftspläne wechseln sich immer wieder ab in den Briefen.

Neben Beziehungsthemen finden sich indes auch Einblicke in die Alltagsgeschichte der Stadt, so auch im vorliegenden Brief. Auch hier geht es im weitesten Sinn um Beziehungsfragen, nämlich die anstehende „Heirat“ der beiden Gemeinden Innsbruck und Wilten. Mehrle war damals, wie erwähnt, Buchhalter der Gemeinde Wilten und für die anstehende Eingemeindung Wiltens musste er, wie er schreibt, „mit Volldampf an den Rechnungsschlüssen“ arbeiten, um die „Mitgift“ der Braut (Wilten) bestimmen zu können.

Die Hochzeit fand schließlich im Jahr 1904 statt, nachdem schon im Herbst des vorangegangenen Jahres die beiden Gemeinden, nach – wie wir nun wissen – erfolgtem Rechnungsabschluss durch Ludwig Mehrle, eine Vereinigung beschlossen hatten. Auch Anna und Ludwig heirateten im Übrigen in diesem Jahr. Für Ludwig brachte der Zusammenschluss auch das erhoffte „Avancement“: er wechselte in die städtische Magistrats-Rechnungs-Kanzlei, wo er es schließlich bis zum Oberrechnungs-Rat der Stadt brachte.

Hier noch der gesamte Brief, o. D. (wohl Frühjahr 1903) in Abschrift:

Meine Liebe Anna.

In aller Windeseil kriegst heute nur ganz a kleins kurzes Briefl. Arbeit mit Volldampf an den Rechnungsschlüssen. Die Gemeinde Wilten ist nämlich Braut, Bräutigam ist die Stadt Innsbruck und da muß nämlich auch gesagt werden, wie viel die Braut Mitgift mitbringt und das kann man wieder nur aus den Rechnungsabschlüssen ersehen. In 14 Tagen bis 3 Wochen hoffe ich fertig zu sein. Falls die Vereinigung stattfindet, woran eigentlich kein Zweifel ist, ist ein nicht unbedeutendes Avancement in Aussicht. Neues weiß ich sonst heute nichts, nur tat i morgen wieder gern einifahren – aber. Kommst nit bald außer – i sag Dir dann a kloane Neuigkeit – mir ist’s nämlich neu. Vielleicht schreib i Dir morgen oder übermorgen a längeres Briefl.

A langs Bussl derweil

Dein Ludwig

(Briefsammlung L. Mehrle)

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