Die „Warzenschweine“ landen
Im letzten Jahr feierte der Innsbrucker Flughafen seinen 100. Geburtstag. Aus diesem Anlass gestaltete die Innsbrucker Luftfahrthistorikerin Dr. Tanja Chraust eine Ausstellung und einen äußerst ansprechenden Bildband (der bei uns im Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck erhältlich ist). Die Recherchen brachten viele interessante Geschichten aus der Innsbrucker Luftfahrtgeschichte zu Tage. In loser Folge stellt Ihnen Tanja Chraust einige besondere Episoden an dieser Stelle vor.
Am 30. November 1979 kam es kurz nach Betriebsschluss am Flughafen Innsbruck (19.00 Uhr) nicht nur zu einem unerwarteten und gewaltigen Fluglärm über dem Stadtgebiet, sondern auch zu einer überraschenden Hektik an dem damals eher beschaulichen Flughafenbetrieb als um 19.10 Uhr vier NATO-Maschinen wegen Spritmangel auf dem Flughafen Innsbruck landeten. Ein Flugzeug erreichte nicht mehr das Vorfeld und musste daher wegen Treibstoffmangel dorthin geschleppt werden. Wegen des Neutralitätsstatus Österreichs wurden auch die zuständigen Behörden in Wien aktiv, um möglichst rasch die Piloten mit den vier bewaffneten NATO-Maschinen der Type Fairchild A 10 „Thunderbolt“, welche wegen ihres Erscheinungsbildes auch als „Warzenschweine“ gerne bezeichnet werden, außer Land zu bringen. Nach dem Eintreffen der Starterlaubnis von den amtlichen Stellen aus Wien am 2. Dezember 1979 gegen 8.00 Uhr hoben die Piloten mit ihren Militärmaschinen um 8.47 Uhr vom Innsbrucker Flughafen in Richtung der amerikanischen Luftwaffenbasis Ramstein (Bundesrepublik Deutschland) ab.
Autorin: Tanja Chraust
(Foto: Slg. Tanja Chraust)
Ich war damals gerade 10 Jahre alt aber das mit dem „Spritmangel“ haben wir damals auch schon nicht mehr geglaubt… wurde ja noch mehrfach nachgereicht diese Ausrede in späteren NATO-Anflügen, oder?
Ich habe eigentlich nie an das zeitungsgerechte NATO Gerücht geglaubt. Bitte, was soll man da ausspionieren? Wozu gibt es auch damals schon haarscharfe Satellitenbilder? Warum, wenn jedes NATO Land höflich um Überflugsgenehmigung für ein entsprechend ausgerüstetes Flugzeug bitten kann, was dann auch gewährt wird? Dabei wieder die Frage, was es denn in diesem herrlich rückständigen Bergland so Verdächtiges zu spionieren gibt was die Satelliten aus Ost und West nicht schon zum Abwinken fotografiert haben?
Die haben sich m.M. tatsächlich mit dem Sprit verzettelt, ursprünglich hätte es bis Ramstein reichen sollen, irgendwo hab ich aber einmal gelesen (natürlich verbrecherische fake news), dass sie über Italien ich glaub, zu einer Zwischenlandung umgeleitet worden wären, was dann mit aufkommender Nordströmung die Spritkalkulation würfelte.
Die A-10 war dann offiziell vielbestaunter Gast bei einem der damaligen Flughafenfeste. Wir haben natürlich alle Geheimwaffen vorher verschwinden lassen :-).
Nebenbei ein wenig off-thread: Auch zivile Piloten harmloser Fluggesellschaften melden der Air Traffic Control immer wieder einmal „short of fuel“ und bekommen dann Priorität für die Landung. Krankhafte Effizienzrechnerei führt dazu. Diese Rechnerei kann recht kompliziert sein: Man fliegt von A nach B, von dort nach C und weiter nach D, von dort wieder nach A. Am Flughafen von B ist der Sprit am billigsten. Also in B volltanken? Aber dann braucht der schwer gewordene Jet wieder mehr Sprit beim Starten, auch noch in C, also sich bis D durchschwindeln, wo der Sprit am zweitbilligsten ist. Die dortige Tankmenge richtet sich wieder daran, ob nach der Rückkehr nach A nicht das sündteure X angeflogen wird…Auch wenn das der Computer erledigt, manchmal langt es dann doch nicht, wie vor Jahren im Juli 2000 in Schwechat bei einem Airbus der Hapag-Lloyd, der 600 Meter vor der Landebahn antriebslos über die Wiese rutschte. Man hätte ja in Budapest zum Auftanken landen können, aber man hat halt gemeint, dass….und was sagt sonst der Chef…also lieber den ganzen Airbus zu Schrott fahren, fahren, geflogen ist er ja nicht mehr.