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Die Spreng

Die Spreng

„Eingebettet zwischen dem Südgrat des Spitzbichls, welcher vor mehr als 12 Jahren der Schottergewinnung zum Opfer fiel, im Osten und dem steilen Ölberg- oder Sprengbichl, dessen Spitze vor 6 Jahren um 10 m gekürzt wurde, im Westen, liegt von deren Steilhängen flankiert, verschont vom Lärm der Stadt und doch nahe derselben ein kleines, breitsohliges Tälchen, das in flacher Neigung und zuletzt in einer Wiesenmulde, dem Sprengbödele, ca. 100 m hoch jäh über dem Felsabsturz der Bruigufl ins Inntal mündet. Inmitten darin liegt, in idyllischer Einsamkeit und Ruhe, breitspurig ein Hof mit Stall und Stadel unter einem Dach, die Spreng genannt.“

Mit diesen eindrucksvollen Worten beschreibt Hans Katschthaler im Jahr 1966 die Spreng bzw. den Sprenger Hof, Höhenstraße Nr. 58, in seinem Werk Beiträge zur Geschichte von Hötting. Das Maximilian-Venusbad am Fallbach und die Höfe im Höttinger Ried. Der „Spreng“ widmete er dabei ein besonders ausführliches Kapitel, wohl aus dem Grund, weil seine Frau Anna, geb. Mayr, eine gebürtige „Sprengerin“ war.

Die erste Erwähnung der „Spreng“ als Flurbezeichnung findet sich in einem Weistum aus dem 15. Jahrhundert. Im Jahr 1485 ließ der damalige Bürgermeister von Innsbruck, Hans Kern, aus dem „Kesselbrunnen“, einer in der Spreng liegenden Quelle, Wasser in die Stadt herunter leiten, da die Innsbrucker Bevölkerung durch das Grundwasser aus den Ziehbrunnen immer wieder unter Krankheitsbefall zu leiden hatte. Das Wasser von der Spreng soll das erste in der Stadt Innsbruck genutzte Fließwasser gewesen sein. Eine Variante dieser Erzählung findet sich auch auf einer Tafel am Sprengerkreuz, dessen früheste Ausführung eben aus dem Grund, um die dort gefasste Quelle zu segnen, errichtet worden sein soll.

Der Hof in der Spreng wurde mündlichen Überlieferungen nach von Jägern errichtet. Dies fand Hans Katschthaler auch bestätigt, als er im Jahr 1917 am Dachboden des Hofes Urkunden aus der Mitte des 17. Jahrhunderts entdeckte und das aus diesen gewonnen Wissen mit Urkunden aus dem heutigen Landesarchiv ergänzte. In den Jahren 1646-1649 erwarb ein gewisser Mattheus Strickner, Jägerknecht, die Gründe um die Spreng, wenig später konnte er dort auch ein Heim für sich und seine Familie errichten. Er galt als „Gründer“ der Spreng. Dessen Familie bewirtschaftete den Hof über die Linie seiner Tochter Ursula, verh. Mayr, drei Generationen lang weiter. Im Jahr 1785 war der auf dem Sprengerhof lastende Schuldenstand jedoch so hoch, dass der Hof zwangsweise verkauft werden musste. Die Spreng erging an den Hauptgläubiger Simon Niederkicher, ehemals Bürgermeister von Innsbruck und Wirt im Goldenen Adler. Der Hof blieb nur kurz im Besitz der Familie Niederkircher. Bereits 1795 wurde der Hof erneut verkauft, an Johann Mayr. Diese zweite Mayr’sche Dynastie hatte mit der ersten offenbar keine Verwandtschaftsverhältnisse, der „Begründer“ auf der Spreng, Johann Mayr, stammte ursprünglich aus Aldrans. Nach zwei Jahren auf dem Hof starb Johann Mayr, dessen Sohn Josef übernahm die Landwirtschaft. Josef war im Übrigen an den Kämpfen des Jahres 1809 beteiligt, wo er beinahe ums Leben kam, wie Katschthaler ausführlich schildert. Er starb im Jahr 1845 in hohem Alter, dessen jüngster Sohn Michael übernahm den Hof, der mittlerweile wiederum stark mit Schulden belastet war. Es folgten weitere Generationen der Mayrs, Martin, Josef und Hans. Die Familie ist noch heute in Besitz des Hofes. Ab den 1920er und -30er Jahren ging es aus finanzieller Hinsicht bergauf und der Hof war, wohl zum ersten Mal seit seinem Bestand, wie Katschthaler schreibt, schuldenfrei. Katschthaler selbst baute sich mit seiner Frau ein Haus ganz in der Nähe, oberhalb der Höhenstraße ehemals Nr. 35c, an dessen Stelle heute eine Wohnanlage steht.

(Foto: Günter Sommer, November 1999; Stadtarchiv Innsbruck, Ph-G-25180)

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