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Die Geschichte Des „Ziegelstadl“ IV: Der Wandel Zur Justizanstalt

Die Geschichte des „Ziegelstadl“ IV: der Wandel zur Justizanstalt

Unser nächstes Foto der Norer’schen Ziegelei dürfte vermutlich in den späten 1950er-Jahren entstanden sein. Das Foto ist betitelt als „Luftaufnahme des Geländes, auf dem der Neubau der Gefangenenunterkunft entstehen soll“ – daher auch der Datierungsansatz (mit den Bauarbeiten wurde 1960 begonnen). Doch wie kam es überhaupt dazu, dass die ehemalige Ziegelei Norer zum Gefängnis umgewandelt wurde? Bereits zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden Gefangene der „Schmerlingeralm“ zum Arbeitseinsatz in die Ziegelei überstellt, da die früher beschäftigten Saisonarbeiter aus Italien ausblieben. Die Ziegelei wurde der Reichsjustizverwaltung im Jahr 1943 zum Kauf angeboten und ging 1945 in den Besitz der österreichischen Justizverwaltung über. Zwischen 1945 und der Jahreswende 1974/75, an der das 100-jährige Bestehen der Ziegelei gefeiert wurde, wurden von Häftlingen 150 Millionen Ziegeleinheiten erzeugt, die in etwa für den Bau von 55.000 Einfamilienhäusern nach damaligen Maßstäben gereicht hätten.

Die Einrichtung einer Gefangenenunterkunft auf dem Ziegeleigelände wurde erst im Jahr 1960 nach einigen Vorarbeiten in Angriff genommen. Damals war das Ziegelwerk noch fixer Bestandteil der Justizanstalt, wie folgendes Modell zeigt:

Modell des geplanten Neubaus damals noch mit Ziegelwerk. Straßenseitig entsteht die neue Gefangenen Unterkunft (Foto vermutlich vor 1960).

Aber auch andere Tätigkeiten konnten von den Häftlingen ausgeführt werden: es gab z.B. einen landwirtschaftlichen Betrieb und für soziale Einrichtungen wie etwa das SOS Kinderdorf wurden Spielzeuge aus Holz produziert – vermutlich eben nicht viel anders als heute. Im Jahr 1968 konnten erstmals auch Frauen in einem eigenen Trakt auf dem Gelände untergebracht werden. Diese durften oder mussten, den damaligen Erwartungen gemäß, hauptsächlich textile Arbeiten durchführen.

(Stadtarchiv Innsbruck, Ph-A-24742-1,-3)

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