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Der Quasi-Bürgermeister – Teil 2

Der Quasi-Bürgermeister – Teil 2

An die 1930er-Jahre dachte Hannes Hundegger nicht gerne zurück. Für ihn war es „keine schöne Zeit.“ Aus einer streng katholischen, österreichischgesinnten Familie stammend, engagierte er sich bei der Heimatwehr bzw. der sogenannten Frontmiliz des autoritären „Ständestaates“. Mit dem „Anschluss“ im März 1938 brach für ihn eine Welt zusammen (es war dies für ihn nach dem November 1918 die zweite einschneidende politische Zäsur). Die neuen Machthaber verfolgten bzw. schikanierten mehrere seiner Geschwister aufgrund ihrer antinationalsozialistischen Gesinnung. Hannes selbst wurde im November 1939 gemustert, im Feber 1940 zur Polizeireserve in Innsbruck eingezogen und im Mai 1940 als Polizei-Reserve-Wachtmeister vereidigt.

Noch vor seiner Vereidigung war er zur sogenannten „Gauwache“ eingeteilt worden. Während dieses Dienstes soll er sich gegenüber einem Kollegen wiederholt kritisch über den Umgang des NS-Regimes mit der katholischen Kirche (Zerstörungen in der Landhauskapelle, Vertreibung von Klosterschwestern, Klosterschließungen) geäußert und gemeint haben: „So kann es nicht weitergehen.“ Obwohl ihn der ‚Kollege‘ daraufin beim Kommando der Schutzpolizei anzeigte, hatten diese regimekritischen Äußerungen offenbar keine Konsequenzen für Hannes Hundegger. Seine Vorgesetzten beurteilten seine „dienstlichen Leistungen“ als „recht zufriedenstellend. Seine gute Dienstauffassung u. sein soldatisches Auftreten verdienen besondere Erwähnung“, hieß es etwa im Feber 1942.

Mit September 1940 wurde Hundegger der Brennerbahn-Sicherungswache ‚Sonnenburgtunnel-Nord‘ zugeteilt, wo sich infolge der langen Dienste im Freien bei strenger Witterung und einer angeborenen Herzschwäche bald ernste gesundheitliche Probleme bemerkbar machten.

Ende Feber 1942 erfolgte die Versetzung zur Polizeiverwaltung Graz. Sieben Wochen später erlitt er jedoch einen schweren gesundheitlichen Zusammenbruch, der mehrmonatige Krankenhausaufenthalte in Graz und Innsbruck erforderte. Obwohl ihn die Ärzte zwischenzeitlich schon aufgegeben hatten, erholte er sich schließlich soweit, dass er Anfang März 1943 der Polizei-Revier-Zweigstelle in Igls zugeteilt wurde; zunächst nur für den Innendienst. Sein neuer Vorgesetzter gab ihn Mitte April 1943 zur Beförderung zum Oberwachtmeister ein und beurteilte ihn dabei wie folgt:

„Die bisher gezeigten Leistungen sind recht zufriedenstellend. H. gibt sich Mühe seine Kenntnisse insbesondere auf pol.-Gebieten zu erweitern. Ihm aufgetragene Aufträge erledigt er gewissenhaft. Er ist geistig rege. Im Auftreten etwas gewandt, besitzt gute Umgangsformen. H. ist ordnungsliebend u. legt besonderen Wert auf den Dienstanzug.“

Nach wie vor kämpfte Hannes Hundegger jedoch mit gesundheitlichen Problemen; so musste er sich 1944 infolge einer schweren Lungenentzündung für mehrere Wochen in Spitalsbehandlung begeben.

Das Kriegsende erlebte Oberwachtmeister Hundegger in Igls. Obwohl er nach dem Urteil des Untersuchungsausschusses für Personalangelegenheiten des Polizeipräsidiums Innsbruck im Polizeidienst verbleiben hätte können, entschied er sich für die Rückkehr ins Zivilleben.

Mit 12. Juli 1945 wurde Hannes Hundegger „zum Leiter der Aussenstellen Igls und Vill des Stadtmagistrats Innsbruck“ ernannt. Er hatte fortan „im Gebiete Igls und Vill die Interessen der Landeshauptstadt Innsbruck zu vertreten“. Für 23 Jahre sollte er dieses Amt ausüben. Mehr darüber lesen Sie hier in Kürze …

Titelfoto: Hannes Hundegger (1. Reihe, 1. v. l.) im Familienkreis, aufgenommen um 1929, Privatbesitz.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Ich lernte Hannes Hundegger Mitte der 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts als Jungschützenbetreuer kennen. Rückblickend betrachtet muss das für ihn eine undankbare Aufgabe gewesen sein. Sah er doch vermutlich das Schützenwesen aus anderer Perspektive als seine Schützlinge. Ich – und ich nehme an viele meiner Kollegen – waren doch primär dabei, um unter gleichaltrigen Kindern zu sein und im Sommer an vielen Sonntagen mit dem Bus (Autoreisen Wieser, Igls) gemeinsam einen Ausflug zu machen.

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