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Der Notsteg

Der Notsteg

Massenhaft Personen queren den Inn über einen Steg. Was ist passiert? Es ist Zweiter Weltkrieg und wieder einmal gibt es einen Fliegeralarm. Die Menschen machen sich auf den Weg, um sich in den Luftschutzstollen in Sicherheit zu bringen. Trotz der drohenden Gefahr einer Bombardierung geht es auf der Brücke geordnet zu – kein Gedrängel, keine Hast.

Im Gau Tirol-Vorarlberg wurde erst spät, in den letzten Monaten des Jahres 1943, eine Reihe von Luftschutz-Bauvorhaben geplant. Für die konkrete Umsetzung fehlte es zunächst an Material, Transportmitteln und Arbeitskräften. Beim ersten Bombenangriff auf Innsbruck am 15. Dezember 1943 kamen 269 Menschen ums Leben. Die ausgebauten Keller und einige Deckungsgräben hatten kaum Schutz geboten. Deswegen wurde im Jänner 1944 eine Bauoffensive für bombensichere Luftschutzstollen gestartet. Innerhalb weniger Monate entstanden in der Stadt mehrere Kilometer Stollen. Der rasche Baufortschritt war nur möglich, da Fremdarbeiter, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene sowie Häftlinge des Arbeitserziehungslager Reichenau für den Bau eingesetzt wurden.   

Die 21 Stollen mit 8907 Metern befanden sich an den Talflanken am Nord- und Südrand der Stadt. Die größte Fassungskapazität hatte der Stollen „Guggenbichl“ am Hohen Weg, der für ca. 3200 Personen aus den Bereichen St. Nikolaus und Saggen gedacht war. Ein Drittel der in Innsbruck verbliebenen Bevölkerung fand gegen Ende des Krieges dort Schutz. In der Nähe befand sich der Stollen „Mühlau – Hoher Weg“, der 940 Menschen beherbergen konnte. Die geplante Verbindung der beiden Anlagen wurde nicht mehr realisiert.

Über einen Notsteg über den Inn gelangte die Bevölkerung zu den Bunkern. Nicht nur die Menschen aus dem Saggen suchten hier Schutz, sondern auch aus Dreiheiligen und Pradl.

Aus dem Notsteg wurde später der Weiherburgsteg und 1997 der Hans-Psenner-Steg.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-A-24488-2-94)

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare
  1. Auch ich ‚durfte‘ diesen neuen Notsteg (bei uns die Stollenbrücke genannt) noch im Krieg benützen!
    Interessanterweise gehörte ich zu den wenigen Schulkindern die damals noch in der Stadt blieben, die meisten verbrachten ja zusammen mit ihren Müttern oder über die KLV diese schlimmen Tage am Land. Auch ich flüchtete nach den ersten beiden Bombenangriffen vor Weihnachten 1943 mit meiner Mutter (der Vater war ‚im Krieg‘) nach Vorarlberg, wir kamen aber im Juni 1944 wieder zurück nach Innsbruck – also gerade rechtzeitig, um den zweiten Teil der Bomberei miterleben zu können (im ersten Halbjahr 1944 fand ja nur ein Angriff statt).
    Meine Tanten waren inzwischen von unserem ‚Horror-Luftschutzkeller“ (ich habe davon in https://innsbruck-erinnert.at/in-unseren-bestaenden/ erzählt) in den Keller unseres Stöcklgebäudes Egerdachstraße 6 übersiedelt. Hier verbrachten wir dann einen großen Teil der Fliegeralarme.
    Da die Schulen im Stadtgebiet gesperrt bzw. anderweitig verwendet wurden, teilweise, wie z.B. die benachbarte Pradler Volksschule (die heutige Leitgebschule) zerstört waren, wurden wir Altpradler in die alte Amraser Volksschule geschickt. Somit hieß es früh aufstehen und zu Dritt (mehr Drittklassler waren wir nicht) täglich zu Fuß nach Amras hinaus zu marschieren! Um 8 Uhr begann der Unterricht, um 10 Uhr wurden wir entlassen – wir sollten ja rechtzeitig zu den meist um die Mittagszeit stattfindenden Fliegeralarmen daheim sein. Immer ging sich das aber nicht aus, so mussten wir einige Male die Amraser Stollen benützen.
    Irgendwann wurde meiner Mutter der Luftschutzkeller zu unsicher, zudem wurde von wem auch immer ein Buszubringerdienst zu den Luftschutzstollen übern Inn drüben für Mütter mit Kindern und für betagte Leute organisiert. Unser Nachbar war das ehemalige Busunternehmen des Leo Bayr, das ja früher den Verkehr ins Stubaital betrieb. Einer der grünen Busse, ich glaube es war der letzte, die anderen wurden von der Wehrmacht eingezogen, brachte uns bis zur evangelischen Kirche hinunter, von hier mussten wir über diese neuerbaute Stollenbrücke hinüber zum Heimgartl. Eine unheimliche Zeit, die Spuren hinterlassen hat (Aufenthalt in den Stollen – Angst!!)!

    Irgendwann im März 1945 war es dann überhaupt aus mit der Schule, wir mussten / durften daheimbleiben – natürlich ohne „home schooling“ jeglicher Art – meine Mutter wurde inzwischen in eine Schneiderei kriegsverpflichtet! Ich hatte nun Zeit, viel Zeit! So marschierte ich meist alleine schon um neun Uhr herum zu Fuß durch den Saggen hinunter, verbrachte die Zeit im Bereich der Villa Blanca, um dann beim Voralarm wieder zu den Stollen hinunterzugehen.

    Dazu vielleicht noch etwas Lustiges aus dieser traurigen Zeit: Von einem Onkel, der fanatischer Briefmarkensammler war, bekam ich ein kleines Steckalbum mit einigen gestempelten Briefmarken aus aller Welt und mit den eh fast wertlosen postfrischen Sondermarken des Großdeutschen Reiches drin. Das war mein Besitz und den nahm ich tagtäglich mit in den Stollen!!

    1. Sehr interessant, wie präsent und prägend diese Erinnerungen auch heute noch sind!

      Erfahrungen wie diese stehen bestimmt exemplarisch für eine ganze Generation von gleichaltrigen Pradlerinnen und Pradlern von damals.

      1. Würde mich das freuen, wenn sich einmal jemand aus dieser gleichaltrigen Generation von Altpradl hier melden würde!!
        Eigentlich wäre ich schon froh, wenn sich überhaupt jemand, der jetzt in Pradl, besonders Altpradl wohnt, sich die Zeit dazu nehmen würde! In den letzten Jahren hat ja gerade dieses „Grätzl“ – wenn wir schon bei dieser Bezeichnung aus anderen Beiträgen bleiben – einen riesigen Aufschwung erlebt. Wenn ich nur an die vielen neuen Häuser in der Schmidgasse, am Furterzaunweg oder im Zwickel zwischen Egerdachstraße und Schmuckgasse denke, auch an die vielen Menschen, welche auf den heutigen Radwegverbindungen entlang der Sill bzw. von der Egerdachstraße – Brunnenplatzl in der Pradlerstraße – Furterzaunweg – Stadtpark in die Stadt fahren. Wo sind sie alle??

  2. Hallo Herr Roilo,
    in einem früheren Beitrag, den ich in der Fülle der Beiträge jetzt nicht mehr finde, war von einem Thaler Luis aus der Pradler Straße die Rede.
    Diesen Herrn Thaler habe ich jetzt möglicherweise gefunden:
    Am 23.3.2011 starb in Innsbruck ein Herr Alois Heinrich Raphael Thaler mit 75 Jahren, somit Jahrgang 1936. Bald 10. Jahrtag!

    1. Grüß Gott, Herr Auer,
      bald hätte ich diese Einträge übersehen – es ist ja nicht leicht, bei diesem Programm die Übersicht zu behalten! Wenn man einige Stunden nicht hineinschaut, dann ….! Aber das brauch ich Ihnen ja nicht erzählen! Gerade ihr seinerzeitiger Vorschlag, Platz für mehr Einträge in „Neueste Kommentare“ zu schaffen, wäre sehr hilfreich. Vielleicht wird doch einmal alles überarbeitet – es gäbe ja noch genug andere Mängel! Hoffen darf man ja!
      Ich danke jedenfalls, dass Sie weitergesucht haben. Ja – das ist sicher „mein“ Thaler Luisl. Wir waren also sogar der gleiche Jahrgang! Möglicherweise waren wir sogar mitsammen in der Amraser Volksschule???

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