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Sein Letzter Großbrand

Sein letzter Großbrand

Vom Kohlekumpel zum Brandrat – so ließe sich der Berufsweg von Herbert Moser (1930-2020) in aller Kürze zusammenfassen. Als 24jähriger bewarb sich der gerlernte KFZ-Mechaniker, nachdem er zuvor in der Steinkohlezeche Westfalen in Ahlen (Nordrhein-Westfahlen) als Bergmann gearbeitet hatte, bei der Innsbrucker Berufsfeuerwehr und wurde mit 1. April 1954 eingestellt. Mit Blick auf die Anfangsjahre sagte er rückblickend:

„Kein Vergleich zu heute [1986], unsere rund 10 Fahrzeuge waren durchwegs Nachkriegsautos und in äußerst desolatem Zustand. Es gab noch keinen Funk, und über eine Glocke wurde [in der Hauptfeuerwache im Rathaus] Alarm gegeben. Oft gab es Schwierigkeiten beim Starten, aber viel langsamer waren wir auch damals nicht an der Einsatzstelle.“

In den 32 Dienstjahren bei der Berufsfeuerwehr erwarb sich Moser nicht nur um den Fuhrpark große Verdienste, sondern bewährte sich auch als energischer und schneidiger Feuerwehrmann. „Noch im Jahre 1958, als junger, draufgängerischer Feuerwehrmann verhinderte er beim Brand des Umspannwerkes am Langen Weg unter Einsatz seines Lebens die Explosion von Gas- und Sauerstoffflaschen, die er unter höchster Gefahr vom Brandherd entfernte. Der Lohn für diesen wagemutigen Einsatz war eine Belobigung des Bürgermeisters und eine Woche Sonderurlaub.“

Nachdem Moser die Offiziersausbildung bei der Grazer Berufsfeuerwehr erfolgreich abgeschlossen hatte, wurde er mit 1. Juli 1970 zum Brandkommissär ernannt. Nur zweineinhalb Jahre später erfolgte seine Beförderung zum Brandoberkommissär. Im Laufe der folgenden Jahre leitete er unzählige Einsätze der Berufsfeuerwehr. Zu seinem letzten Großbrand sollte er am 8. Mai 1986 ausrücken.

An diesem Tag – Florianisonntag – wurde die Innsbrucker Berufsfeuerwehr um 13:57 zu einem Dachbrand an der Ecke Museumstraße – Sillgasse gerufen. Nur eine Minute später rückte Brandrat Moser mit dem Einsatzleitfahrzeug, der 1. Gruppe und der Drehleiter (DL 30) von der Hauptfeuerwache aus. Beim Eintreffen drang bereits dichter Rauch aus dem Dach. Umgehend wurden weitere Kräfte nachalarmiert.

Die Bekämpfung des Dachbrandes erfolgte unter schwierigsten Bedingungen.

Das Feuer hatte sich, ausgehend von einem Küchebrand, unter die Dachhaut gefressen und über 70 Meter hinweg ausgebreitet. Für die Einsatzkräfte begann ein schwieriger Einsatz. Unter schwierigsten Bedingungen (giftiger Rauch ausgehend von der verbrannten Dachisolierung, ein steiles, glattes Blechdach, das durch den Brand derart heiß geworden war, dass die Gummisohlen der Feuerwehrstiefel mitunter festklebten, etc.) musste unter Atemschutz das Dach geöffnet werden, um das Feuer zu bekämpfen. Brandrat Moser leitete den Einsatz gemeinsam mit Branddirektor Angermair (unser Titelfoto zeigt die beiden während des Einsatzes), der ebenfalls zur Brandstelle geeilt war, und verschaffte sich auch am Dach einen Überblick. Insgesamt standen rund 100 Mann der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehren über mehrere Stunden hinweg im Einsatz. Zwischenzeitlich musste auch der Straßenbahnverkehr eingestellt, Strom- und Gas abgedreht, und der Individualverkehr großräuming umgeleitet werden.

Die besondere Dachkonstruktion erschwerte die Löscharbeiten massiv.

Mit 1. Juli 1986 trat BR Herbert Moser schließlich in den Ruhestand. Standesgemäß wurde er an seinem letzten Arbeitstag „mit dem Einsatzleitfahrzeug, in dem er jahrzehntelang zu Hause war und wichtige Entscheidungen zu treffen hatte, nach Hause gebracht.“

(Quelle: Zeitungsbericht „Brandrat Moser rettete im Dienst rund 100 Menschen“ / Fotos: StAI, Archiv der Feuerwehr Innsbruck, Fotoarchiv der Berufsfeuerwehr Innsbruck)

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