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Das Klavier Blieb Sieger

Das Klavier blieb Sieger

Eine Szene aus den Anfängen des letzten Jahrhunderts zeigt dieses Bild, man erkennt es gleich, es handelt sich um die Kreuzung Landhaus-(heute Meraner-) Straße mit der Theresienstraße. In diesem Eckhaus, das auf vielen Bildern erhalten geblieben ist, befand sich im 1.Stock und prominent beworben die Klavierniederlage des Johann Groß, dessen Inhaber um 1910 ein gewisser Oskar Reiß war. Dahinter erkennt man die Schilder der Firmen Witting und auch einen Teil des Warenhauses Bauer und Schwarz.

In Zeiten, in denen viel mehr von militärischen Siegen und Niederlagen die Rede ist als es einem friedliebenden Menschen recht sein kann, erinnert manchen Musikschüler die altmodische Bezeichnung für ein Klavierlager trotzdem noch unangenehm an die eigene Niederlage gegen das schwarze Tasteninstrument und die daran abverlangte asynchrone rhythmische Koordination von linker und rechter Hand nach Vorgabe eines Herrn Czerny.

Im Adressbuch des Jahres 1910 werden eine ganze Reihe von Niederlagen beworben, es gibt
Gipsniederlagen, Tintenniederlagen, Ofenniederlagen, Weinniederlagen, Teigwarenniederlagen, Instrumentenniederlagen, Möbelniederlagen, Schuhwarenniederlagen, Tierfuttermittelniederlagen, Tafelglasniederlagen und natürlich Mehlniederlagen. Eine hiervon besteht heute noch an der selben Stelle in der Altstadt und es ist sogar diese schöne Bezeichnung im Firmenschild zu sehen. Gibt es außer dieser noch eine zweite aktive Geschäfts-Niederlage in der Stadt?

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. 1909 wurde das abgebildete Haus abgerissen. Der nachfolgende Neubau des Konsuls und Buchhändlers Heinrich Pohlschröder wurde vom Tiroler Anzeiger teilweise kritisch betrachtet. Auf Grund dessen sah sich der Bauherr Heinrich Pohlschröder sogar veranlasst einen Leserbrief an den Redakteur des Tiroler Anzeigers zu schicken.
    Publiziert am 21. September 1910 heißt es darin u.a.:
    „Ja, gehört denn nur ein Bauernstil in die Stadt Innsbruck? Die Um- ­
    gebung meines Neubaues zieren ja so viele schöne
    Barockbauten, was ist denn das Neugeschaffene
    anderes als modernisierter Barock? Hören Sie
    doch einmal im Publikum nach, wie dieses sich
    darüber freut, daß endlich die faden Häuser- ­
    reihen durch Neubauten unterbrochen werden,
    welche eine großstädtische, schöne, reiche Fassade
    bringen. (…) Es heißt ja: Wer
    baut an der Straßen, muß die Leute reden
    lassen. Aber mit Bezug auf die großstädtische
    Entwicklung unserer Landeshauptstadt möchte
    ich auch das Dichterwort zitieren: „Das Alte
    stürzt und neues Leben blüht aus den Ruinen.“
    (…) Seien Sie dankbar begrüßt von Ihrem sehr er- ­
    gebenen Konsul Pohlschröder.“

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