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Aus Dem Tagebuch Eines Kaiserschützenoffiziers V

Aus dem Tagebuch eines Kaiserschützenoffiziers V

Wir haben den Kommandanten des I. Bataillons des k. k. Landesschützenregiments „Trient“ Nr. 1, Rudolf Hermanny-Miksch, Ende April 1916 verlassen. Im Vorfeld der Südtirol-Offensive wurde sein Regiment der neu aufgestellten Landesschützen-Division unterstellt. Als der Angriff der österreichisch-ungarischen Truppen am 15. Mai 1916 begann, waren Hermanny-Miksch und sein Regiment zunächst in Reserve. Erst sechs Tage später begann auch für sie die Offensive im Raum Rovereto – allerdings kamen sie nur langsam voran, da die Italiener erbitterten Widerstand leisteten.
Waren die Voraussetzungen für die Offensive schon denkbar ungünstig, so kam der Vorstoß der österreichisch-ungarische Truppen schon bald zum Erliegen. Mitte Juni 1916 musste die von Franz Freiherr Conrad von Hötzendorf konzipierte Südtirol-Offensive schließlich auch offiziell eingestellt werden, zumal bereits am 5. Juni 1916 an der Ostfront die Brussilow-Offensive begonnen hatte, die die Habsburgermonarchie binnen weniger Wochen an den Rande des militärischen Zusammenbruchs führen sollte.

Die physischen Strapazen (nasskaltes Wettet, Nächte im Freien, unregelmäßige Verpflegung, etc.) und psychischen Belastungen, denen Soldaten und Offiziere während der Südtirol-Offensive ausgesetzt waren, gingen auch an Major Hermanny-Miksch nicht spurlos vorüber. Anfang Juni hatte er eine starke Erkältung und leichtes Fieber, sodass er sein Kommando an Rittmeister Platter übergeben musste, und sich zur Erholung ins Hinterland begab.

5/6 […] Nachmittags Krank gemeldet, abends zum Rgtskmdo nach Foxi abgegangen u. dann 10h mit Hptm. Jurasky nach Rovereto gefahren; am Wege stürzte der [unser] Wagen in einem Granatloch um – fast wäre ich in den Abgrund gefallen. Gott schütze uns.


6/6 3’30 vorm in Rovereto angekommen, dort bei Rgtstrain in offener Halle geschlafen bis 9h – um 10h in die Abschubstation bei St. Hilario gefahren. (Volano) Feldspital 10/3 – dort bis 4h nachm., dann mit Krankenzug in die Krankenabschubstation in Trient (westlich Bahnhof – zunächst Hotel Mayer); in einem Zimmer allein – sehr gut geschlafen, Isidor (Diener) in Volano verloren.

7/6 Vorm. 12h auf der Bahn – dann mit Sanitätszug nach Innsbruck. Isidor hat sich in Trient wieder gefunden.
In Innsbruck um 1/2 12 nachts angekommen u. in Reservespital 2. Abtlg. (Neues Gymnasium) geführt. Dort im großen Zeichensaal untergebracht mit noch 11 Herren.

8/6 Gut geschlafen, behandelnder Arzt Oberarzt Dr. Wunderer, den ich von früher her (Sulden) kannte. Bei Tag aufgestanden – starke Bronchitis.

9/6 (Freitag) Geht bedeutend besser – nachm. zum Milkmdo gegangen, im Spital gute Verpflegung – langweilig – abends im Garten gewesen.

[…]

11/6 (Pfingstsonntag) Vormittag Urlaubsgesuch eingebracht. Gottesdienst im Spital – dann Urlaubsgesuch zum Milkmdo (Hptm. Hasnusch) gebracht – Spaziergang Maria-Theresienstraße.
Nachmittag Besuch bei Familie Rittm. König.

12/6 (Pfingstmontag) 12h mittags abgegangen in Notreservespital in Igls (Hotel Iglerhof).

13/6 Vormittags Spaziergang zum Lanser-See – nachm. Spaziergang über Kurweg nach Dorf Lans.
Hotelfresserei – Geschmacklos.

14/6 Regen, kalt, unfreundlich!
Nachricht, daß es in Galizien nicht gut geht [Brussilow-Offensive]! Ewig schade!
Nachm. Spaziergang nach Lans. Im Hotel eckelhaft [sic] kalt – kann niemanden den Iglerhof anraten, hat große Veranda u. es kann daher Sonne nicht in die Zimmer – in der nacht sehr kalt in den Räumen – auch im Speisesaal ungemütlich.

15/6 Zeitweise Sonnenschein – vormittags in Lans, nachm. in Heiligwasser.
In der Nacht bis 1/2 5 Früh nicht eingeschlafen – sehr starke rheumatische Schmerzen in beiden Füßen.

(StAI, NL Rudolf Hermanny-Miksch, Foto: Ph-31355)

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
    1. Sehr geehrter Herr Auer, aus „dem Bauch heraus“ würde ich tippen, daß es sich bei diesem Raum um den Turnsaal der Müllerschule handelt. Das sind aber meine Erinnerungen aus der Kindheit, welche natürlich dem Alter geschuldet verschwommen sind, aber die Anordung ist sehr ident. Falls dem so ist steht der Fotograf im Bereich des Geräteraums.

  1. „Zu ebener Erde und im ersten Stock“, könnte man das Bild auch betiteln, denn ich würde ebenfalls vermuten, dass es sich um den Turnsaal der Müllerschule handelt (Parterre), man beachte die Anordnung der Fenster – identisch wie auf dem Bild, das Herr Auer in seinem Beitrag angesprochen hat (Zeichensaal 1. Stock).

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