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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Archivding Der Woche

Archivding der Woche

Archivarinnen und Archivare sind tendenziell eigenbrötlerische Menschen. Es reicht ihnen völlig, sich vor einen Stapel alter Bilder oder Briefe zu setzen, die Archivdatenbank zu starten, dann vergeht ihnen die Zeit wie im Flug und schon ists wieder 5 Uhr und man kann den Bleistift aus der Hand fallen lassen, um am nächsten Morgen um 8 an der selben Stelle weiter zu werken.

Um diesen Trott ein wenig zu konterkarieren und die Kolleg:innenenschaft gelegentlich auch an einem Gemeinschaftserlebnis teilhaben zu lassen, wurden von einem Coach die sogenannten Aufräumtage ersonnen. Bei diesen trifft sich eine in der Zusammensetzung oft wechselnde kleine oder mittlere Schar unserer Belegschaft und löst Probleme, für die es Teamwork und Improvisationstalent braucht. Entweder in der Badgasse oder im fernen Feldstraßendepot wird dann ein gordischer Ordnungs-Knoten zerschlagen oder ein Paletten-Grießberg vertilgt. In internationalen Archivars-Selbstoptimierungs-Seminaren wird dieses Konzept ob seiner vielfältigen Nutzen angepriesen, bei uns ist der output stets erstaunlich und der Amtsdienende hat zudem das Gefühl, auch einmal was für seine körperliche Fitness geleistet zu haben.

Eine besondere Rolle bei den Aufräumtagen spielen neben kuriosen Depotfunden die Archiv-Findlinge. Das sind Objekte, die immer schon da waren, vermutlich bei der letzten Eiszeit an diese Stelle in jenem Raum gerutscht sind und von denen man sonst nichts weiß. Manchmal nimmt sich jemand aus dem Team ein Herz und stellt das Objekt an einen neuen Platz, wo es dann darauf wartet, an einem anderen Aufräumtag umgestellt zu werden. Mangels Wissen um Provenienz und Kontext bleiben diese Sachen unaufgenommen, sie haben keine Namen und ruhen für ewige Zeiten in sich selbst.

So auch der Adler auf unserem Titelbild. Ohne das Dienstgangs-Bein des Kollegen Egger ist es nicht leicht zu erraten wie groß er ist, er ist ca 120 cm hoch und etwa ebenso breit. Hammer und Sichel ohne gesprengte Ketten des Faschismus sowie die Einköpfigkeit des Federtiers verraten Auskennern:innen, dass er aus der Zeit 1918 bis 1934 stammen muss. Die zur Vollständigkeit benötigte bürgerliche Mauerkrone ist entweder an einem anderen Ort im Depot verblieben oder verloren gegangen. Er wiegt, da er hohl ist, relativ wenig und kann von zwei Mitarbeitern leicht an einen neuen Platz gestellt werden. Sicher ist er einmal an einem öffentlichen Gebäude gehangen, eher draußen als drinnen. Wenn Sie ein Bild kennen, wo genau, stünde einer Inventarisierung dieses dann von Findling zur Realie aufgewerteten Henngeiers (@ Norbert C. Kaser) nichts mehr im Wege.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Die Google Lens KI erkennt fachmännisch einen austrofaschistischen Doppeladler ohne Hammer und Sichel, der in einem Auditorium gehangen ist, nennt also alles, was es nicht ist. Lediglich als Auditoriumsdekor könnte er die Vermutung „eher außen als innen“ umkehren. Die hellen Rinnspuren sind für jahrelange Taubenrast eher zu schwach. Gerichtssaal? Da würden gesprengte Ketten als präjudizierend schlecht hinpassen.

    Und: Eisen oder Bronxe?

    Übrigens ein sonderbares Wappen. Rot mit weißem Faden in der oberen Hälfte. Ist da drauf ein „echtes“ Schild angebracht gewesen? Die Bürgerkrone ist ja auch eigene Wege gegangen (Gasthaus Krone googeln? 😉 )

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