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An Der Schönen Grünen Melach

An der schönen grünen Melach

Auf diesem tollen Bild der Sammlung Kreutz waschen die St. Nikolauser Hausfrauen ihre Wäsche am Inn auf zwei „Waschflößen“, die mit schweren Ketten am betonierten Ufer nahe des Innstegs montiert zu sein scheinen. Es könnten allerdings auch Profis dabei sein. Im Innsbrucker Adressbuch stehen unter den (Überraschung: weiblich dominierten) Wäschereiberufen der Jahrhundertwende zum Beispiel Rosa Außerhofer aus der St. Nikolausgasse, Anna Bader und Maria Brunetti aus der Fallbachgasse, Marie Barth und Eva Brenner aus der Bäckerbühelgasse, Rosa und Franziska Coll sowie Anna Dablander aus der Innstraße… die Liste kann man fast beliebig fortsetzen, ich war erst beim Anfangsbuchstaben „D“. Es gibt auch ein verwandtes Bild aus den Beständen des Stadtarchivs, hier mit reichlich Kinderschar an Bord:

Zur Geschichte der Innsbrucker Wäsche bzw der Sellrainer Kolleginnen ist 2008 im Amtsblatt eine schöne Geschichte erschienen.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Bei aller Idylle vom grünen Inn war das ein sehr gefährlicher Arbeitsplatz. Das Arbeitsinspektorat würde so ein Waschfloß heute wohl nicht mehr genehmigen. Immer wieder sind nämlich Wäscherinnen oder Kinder in den Fluss gefallen und ertrunken!
    So zum Beispiel 1880 wie die Innsbrucker Nachrichten berichten:
    „Ertrunken. Gestern Nachmittags gegen 5 Uhr glitt ein 18jähriges
    Mädchen auf dem Waschfloß ober dem Eisensteg, als sie nach Beendigung
    ihrer Wascharbeit mit einem Schaffe auf dem Kopfe auf das Uebergangbrett
    treten wollte, am Rande des Flosses aus und stürzte kopfüber in den Inn-
    strom, der gestern wieder bedeutend höher ging, als die vorhergehenden Tage. Zwei
    andere Wäscherinnen schrieen vom Floß aus um Hilfe, doch das Mädchen,
    das zwar noch mehrmals auftauchte, wurde schließlich von den Wellen ganz
    verschlungen, da auch vom Eisenstege aus keine Rettungsstange etc. der Unglück­
    lichen, zugereicht wurde. Ihre Leiche ist noch nicht aufgefunden.“

    Auch war der Inn anno dazumal im Vergleich zu heute mehr eine fließende Müllkippe. Die Abwässer der Häuser und zahlreichen Gewerbebetriebe sind damals ohne Kläranlagen in den Fluss gelangt. Auch der Müll wurde einfach in den Inn geworfen. Im Sellrain war die Wasserqualität sicher besser!

  2. Als Wilten-Westler lagen wir im direkten Einzugsgebiet der Sellrainer Wäscherinnen. Mir kommt vor, daß sie manchmal mit dem Postauto gekommen sind und gleich ab der Haltestelle bei unserem Haus zu liefern begonnen haben, trotz der Fahrtkosten. Vielleicht ist der Transporter vorausgefahren und ein paar Frauen fuhren aus Platzgründen mit dem Postauto hinterher, oder es war logistisch besser, diesen Stadtteil von außen Richtung Innenstadt zu bedienen. Jedenfalls löste das hörbare Nahen des Postautos am Montag(?)morgen regelmäßig einen Wäscheerwartungsreflex aus.
    In sicherer Erinnerung ist mir die erste Begegnung mit dem Sellrainer Dialekt, als eine Wäscherin mit den Worten „Heint hats aber an Raaach!“ bei uns eintrat, und erst meine Mutter meine Feuersbrunstängste mit der Übersetzung Raach = Nebel besänftigen konnte. Ich glaubte, in unserem Wohnhaus brennt es.

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