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Am Krankenlager: Mit Den Augen Des (un)bekannten Fotografen XXXV

Am Krankenlager: Mit den Augen des (un)bekannten Fotografen XXXV

„An Rudi’s Krankenlager Innsbruck“, lautet die Beschriftung dieser Aufnahme, die wohl zu den Rührendsten des ganzen Bestandes zählt. In einem Zimmer, dessen Mobiliar sicher vielen von Ihnen aus persönlichem Gebrauch oder zumindest aus dem Verwandtschaftsumfeld vertraut ist, sehen wir Linda, wie sie ihrem Sohn aus einer Zeitschrift oder einem Buch vorliest. Oder wie sie selbst liest, während sie am Bett Wache hält.

Wenn man den am 24. Juli 1898 geborenen Rudolf jun. hier auf 15 bis 20 Jahre alt schätzt, dürfte die Aufnahme um 1913-1918 entstanden sein. Seinem erschöpft bis teilnahmslosen Gesichtsausdruck zu urteilen, geht es ihm gerade gar nicht gut. Es ist eines dieser Bilder, wo man sich unweigerlich fragt: Was ist da wohl passiert? Und wie ist es ihm wohl weiter ergangen?

Anhand der Beschriftung der Aufnahme und der Adressbücher wissen wir, dass Rudi zum Glück wieder gesund wurde. Er studierte, erwarb den Doktortitel und schlug wie sein Vater eine Beamtenlaufbahn ein. Ab den 1930er-Jahren vom Finanz-Assistent über den Steuerinspektor hin zum Amtsrat. Er heiratete, hatte zumindest einen Sohn und starb vor 40 Jahren, am 30. März 1981, im Alter von 82 Jahren.

Seinem Zwillingsbruder Bohuslav war hingegen leider ein viel kürzeres Leben beschieden: Er erkrankte wenige Monate vor seinem 20. Geburtstag an Tuberkulose und starb am 8. April 1918 in Hall.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck Ph-Pl-720)

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