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Aller Anfang Ist Schwer

Aller Anfang ist schwer

Am Kirchweihsonntag des Jahres 1896 luden Franz Eichler, Josef Eichler und Norber Föger ins Gasthaus „Stern“, um die Freiwillige Feuerwehr Igls aus der Taufe zu heben. 13 Jahre waren seit dem großen Dorfbrand vergangen und in den umliegenden Dörfern hatten sich in den letzen Jahren zahlreiche Freiwillige Feuerwehren gebildet: Aldrans (1895), Lans (1894), Mutters (1895), Natters (1894), Patsch (1894), Rinn (1893) und Sistrans (1893).

Obwohl die Einladung auf große Resonanz stieß und gleich 34 Igler ihren Eintritt erklärten, gestaltete sich der Aufbau einer funktionierenden, schlagkräftigen Feuerwehr schwierig: „Trotz großer Opferwilligkeit vermag sich diese junge Feuerwehr nicht in Activität zu setzen, um zweckentsprechend wirken zu können, da ihr die Geldmittel zur Anschaffung der nothwendigsten Feuerlösch-Requisiten und Ausrüstungsgegenstände fehlen […]“, heißt es etwa in dem oben abgebildeten Unterstützungsaufruf aus dem Sommer 1897. Immerhin konnte im Jahr darauf um 700 Gulden eine Handfeuerspritze angeschafft und im Jahr 1900 eine Schubleiter in Dienst gestellt werden.

Zwischenzeitlich drohte „infolge verschiedener Zwistigkeiten“ jedoch sogar die Auflösung der eben erst gegründeten FF Igls. 1898 war der Mitgliederstand auf acht Mann zusammengeschmolzen. „Nur mit Mühe erklärten sich doch wieder 14 Männer bereit, dem Hauptmann Norbert Föger die Treue zu halten, der nicht nur Kommandant, sondern auch Schriftführer war“, vermerkte der Chronist dazu. In den folgenden Jahren gelang es Föger nicht nur Ruhe in die eigenen Reihen zu bringen, sondern auch konstant neue Mitglieder zu werben. Allerdings wäre seine engagierte Aufbauarbeit im Jahr 1906 beinahe zunichtegemacht worden:

„Der Gemeindevorsteher gab damals einen Erlaß heraus, wonach die Feuerwehr jeden Monat eine Uebung abzuhalten habe. Der Großteil der Mitglieder verlangte hiefür, daß pro Uebung und Mann 2 fl. (!) von der Gemeinde bezahlt werden. Hauptmann Föger berief eine Zusammenkunft beim Spritzenhaus ein, wo­ bei er daraus aufmerksam machte, daß es nicht an­gängig sei, für freiwillige Dienste eine Entlohnung zu fordern. Die Organisation schmolz nun wieder auf 14 Mann zusammen, da die meisten Mitglieder von der geforderten Entlohnung nicht Abstand nahmen. Bis 1908 war der Mitgliederstand wieder auf 41 Mann angewachfen, in welchem Jahre die Wehr neu konsti­tuiert wurde.“

Wenngleich wir heute über diese Kontroverse schmunzeln können, so zeigt sich am Beispiel der Gründungsphase der FF Igls doch recht anschaulich, wieviel Ausdauer und Einsatz die Gründerväter der Tiroler Feuerwehren brauchten, um flächendeckend ein funktionierendes Feuerwehrwesen auf die Beine zu stellen…

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Dazu passt auch dieser Bericht aus den Innsbrucker Nachrichten vom 5. Mai 1936:

    „40 Jahre Freiwillige Feuerwehr Igls!
    Am Sonntag beging die Freiwillige Feuerwehr Igls, in
    Verbindung mit der üblichen Florianifeier, ihr vierzigstes
    Gründungsfest. Der Pfarrherr des Kurortes, D. Pius Fort-
    m a n n, O. Praem. las in der Dorfkirche die Festmesse, während
    welcher vor dem dichtgefüllten Gotteshaus die Bundes-Musik-
    kapelle Igls-Vill unter bewährter Leitung des Kapellmeisters
    Heinrich Weber Haydns „Deutsche Singmesse“ spielte. Nach
    der kirchlichen Feier marschierte die Igler Feuerwehr erstmals
    in neuer Adjustierung, um deren Beschaffung sich besonders
    Hauptmann Pittl, sein Stellvertreter Erich Diechtl sowie
    Oberpostverwalter Kaserer und Franz Wolf bemüht hat­-
    ten, mit den auswärtigen Vertretungen, unter Vorantritt der
    Musikkapelle Igls-Vill, durch den festlich geschmückten Ort zum
    Kriegerdenkmal zur Heldenehrung. Der Amtsverwalter von
    Igls, Oberstlt. Smekal, hielt die Gedenkrede, worin er ein­-
    gangs darauf hinwies, daß heute zum ersten Male der Be­-
    zirkshauptmann v. Attlmayr ein Fest in der Gemeinde mit-
    feiert. Er sprach dann den Gründern und Mitgliedern den
    Dank für ihr verdienstvolles Wirken aus. Nach der Ehrung
    legte der Amtsverwalter vor dem Denkmal einen Eichenkranz
    nieder. Anschließend fand vor dem Rathaus der Vorbeimarsch
    der von Hauptmann Pittl kommandierten Feuerwehren,
    darunter starke Vertretungen von Lans und Vill mit Fahnen,
    dann Abordnungen von Sistrans, Patsch, Ellbögen und Inns­-
    bruck (1. und 4. Kompagnie) vor den Ehrengästen statt. Nach­
    her fand im Saale des Hotels „Stern“ die F e st v e r s a m m-
    lung statt, verbunden mit einem Konzert der Musikkapelle
    Igls-Vill. Der Igler Feuerwehrhauptmann Ludwig Pittl
    begrüßte die Ehrengäste, die Fahnenpatin Frau Maria Witwe
    Diechtl und die Patin der Motorspritze Frau Dr. Edith
    Steinbrecher. Mit ehrenden Worten gedachte der Vor­-
    sitzende dann der beiden im Vorjahre verstorbenen Mitglieder
    Joses Wopfner und David Lentsch.
    Nach dem Tätigkeitsbericht des Schriftführers Hilber und
    dem Bericht des Rechnungsprüfers Franz Wolf gab Haupt­-
    mannstellvertreter Erich Diechtl einen Rückblick über die Ge­-
    schichte der Igler Feuerwehr. Sodann hielt Bezirkshauptmann
    v. Attlmayr eine Ansprache, worin er u. a. erklärte, der
    Zusammenschluß der wehrhaften Männer, fern von jeder Poli­-
    tik, sei das schönste Zeichen von Gemeinsinn und Hilfsbereit­-
    schaft. Dann heftete der Leiter der politischen Behörde den
    fünf heute noch tätigen Gründungsmitgliedern der Igler Wehr
    mit ehrenden Worten die Medaille für 40-jährige Mitglied­-
    schaft an die Brust; es sind dies: Norbert Föger, Johann
    S ch i n d l h o l z e r, Hans Wieser, Josef Wild und Lam­-
    bert Wopfner; und dem Feuerwehrmitglied Karl Hatzl
    die Medaille für 25jährige Mitgliedschaft. Namens der Aus-­
    gezeichneten sprach Hans Wieser der Behörde und dem Ver­-
    bande den Dank aus. Anschließend legten fünf Jungmänner,
    die das Probejahr bestanden hatten, in die Hand des Haupt­-
    mannes Pittl das Gelöbnis ab. Den Reigen der Glückwunsch-­
    reden eröffnete Oberrechnungsrat v. Schmuck in Vertretung
    des Direktors der Tiroler Landesbrandversicherung, Regie­-
    rungsrat Dobin, Amtsverwalter Smekal für die Kurgemeinde
    Igls, Sunkovsky für den Landesverband und Oberlehrer
    Meixner aus Ellbögen in Vertretung des Bezirksverbandes.
    Es folgte hernach noch eine rege Wechselrede über die Sterbe­-
    fondsangelegenheit, wobei Hauptmann Pittl bemerkte, daß
    die Feuerwehr Igls die einzige Wehr in Tirol ist, die geschlos­-
    sen dem Kameradschaftsverband „Sterbefonds“ beigetreten ist.
    Die Geschichte der Feuerwehr Igls hat wieder den Beweis
    erbracht, daß für jede Siedlungsgemeinschaft die beste und be­-
    währteste Selbsthilfe eine gutgeschulte und tüchtige Feuerwehr
    ist. Darum soll und muß die Tätigkeit der Freiwilligen Feuer­-
    wehr als E h r e n d i e n st für das öffentliche Wohl gebucht und
    gewertet werden.“

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