skip to Main Content
Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Abolitionismus In Österreich (II.)

Abolitionismus in Österreich (II.)

Theresia Ledóchowska hielt am 24. November 1895 in Innsbruck einen Vortrag über die Arbeiten der von ihr ins Leben gerufenen Sodalität. Der Andrang war so groß, dass 100 Personen abgewiesen werden mussten, weil der Landhaussaal überfüllt war, auch der Landeshauptmann (Anton Graf Brandis) war mit seiner Gemahlin anwesend. Ledóchowska bemühte sich zu Beginn ihrer Rede, die am häufigsten vorgebrachte Einwände gegen ihre Arbeit zu entkräften: „Wir haben hier Arme genug“ / „Man weiß nicht, wo das Geld hinkommt“ / „Was geht uns das an?“ – Nichts neues unter der Sonne, möchte man sagen.

Die Arbeit der Sodalität bestand allerdings überwiegend nicht in der direkten Missions- und humanitären Arbeit in Afrika, sondern in Spendensammlungen und Öffentlichkeitsarbeit dafür – „die Mission für die afrikanische Mission“. Die Organisation veröffentlichte zwei Publikationsreihen: „Echo aus Afrika“ und die „Kleine Afrika Bibliothek“.

Einige Tage später, am 1. und 2. Dezember, fand im Landhaus anschließend der „Bazar für Heidenmission“ statt, bei dem Ledóchowska ebenfalls als Vortragende auftrat. Auch diese Veranstaltung konnte sich über rege Teilnahme von Seiten der Innsbrucker Bevölkerung freuen. Dass es sich bei dieser Veranstaltung um eine Sache des gut situierten Bürgertums handelte, verrät uns schon der stattliche Eintrittspreis von 15 Kronen (etwa 135 Euro). Der „Bazar“ zeigte zahlreiche kulturelle Objekte aus Afrika, mit Kommentaren und Beschreibungen, die man wohl vorsichtig als nicht ganz politisch korrekt umschreiben dürfte, wenn man diesen Euphemismus bis an seine äußersten Grenzen dehnen wollte.

Besonders auffallend war ein von der Westküste herrührendes Götzenbild, ähnlich wie ein Hausaltar zusammengestellt. Das aus elf verschiedenen abscheulichen, geschnitzten Figuren aufgebaute Schaustück bewies so lebhaft die Scheußlichkeit des Götzendienstes und des Heidentums, dass es wohl in manchem den Wunsch erweckte, auch etwas tun zu können, um das unermessliche Elend der Sklaverei und des Fetischismus, in dem der Neger schmachtet, zu lindern.

Mit dem europäischen Exonym „Fetischismus“ wurden die zahlreichen indigenen Religionen und Kulte Westafrikas bezeichnet, basierend auf der Bedeutung von religiös verehrten Objekten. Bestimmt war das Leid, welches die Verehrung von Objekten mit sich brachte, mindestens so groß wie das der Sklaverei.

(06.13.03.4a)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Back To Top
×Close search
Suche