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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
La Vita è Bella

La vita è bella

Vor wenigen Tagen bekamen wir dieses schöne Bild aus dem Ötztal zugesendet. Es stammt aus einem Gästealbum und ist mit April 1953 datiert. Der Bildkommentar „Radieschen 1+7“ ist nur für Eigeweihte ganz verständlich, vielleicht hat der wollbehaubte Bub um ein Radieschen gefragt und einen Bund mitgenommen. Oder sein Spitzname in der Familie war Radieschen (man beachte die möglicherweise rote Mütze) und die BU kam so zustande.

Die Szene kann, wie das im alpinen Raum gelegentlich geht, bestens geolokalisiert werden, Markt, Fleischbankruine und Nordkette lassen da keine Fragen offen. Aber wer ist die freundliche Marktlerin mittleren Alters?

Hier folgt nun ein kleiner Rundgang durch externe und unsere eigenen bereits zum Teil online befindlichen Quellen, wie man im Stadtarchiv biographische Forschung betreiben kann. Zunächst gilt es den nur halb lesbaren Familiennamen herauszufinden. Mit dem Adressbuch 1953 und einer Volltextsuche nach „Stefanie“ bekommt man 153 Adresszeilen. Allerdings war nur eine von ihnen Obsthändlerin. Die Nachkriegsbücher druckten zudem auch die Geburtsnamen der Frauen mit ,somit erhält man hier die Info, dass es sich um Stefanie Daringer geb. Benigni handeln muss, was die gerade noch lesbaren Buchstaben auf dem Foto oben bestätigen. In Hötting und Innsbruck gab es zwei größere Benigni Familien. Eine Eisenbahnerfamilie und die große Nachkommenschaft des Josef Benigni, geboren zufällig heute vor 169 Jahren, am 13.9.1857, Obsthändler und Hausbesitzer aus Trient, und seiner sieben Jahre jüngeren Innsbrucker Gattin Elisabeth Penz, die sich 1886 in der Pfarre Mariahilf das Ja-Wort gegeben haben.

Diese Informationen samt einer vollständigen Familienaufstellung ruhen in den Heimatrechtskarten, die wir noch diesen Herbst online stellen wollen. Man stelle sich den breiten Grinser eines Rechercheur vor, der noch nichts über die Benignis in Innsbruck weiß, der dann die beidseitig ausgefüllte Karte des Josef vor sich hat:


Hier zeigt sich die unglaubliche Informationsdichte der Heimatrechtskarten. Kinder, teilweise auch Enkel wenn nachfolgend, sind hier verzeichnet, mit allen (und das sind viele) Merkmalen die für das Heimatrecht interessant sind. Für Innsbruck ein Luxus: Die Pfarre wird auch immer mitgenannt, in der die dazugehörigen Matriken schlummern, das verkürzt die Suche dort leicht um den Faktor 1:10. Hier auf der Karte steht auch eine Ausbürgerung des Alois 1934, die meistens im Zusammenhang mit illegaler Nazi-Aktivität steht. Ganz unten Daten, die erst 1933 ins Internet gestellt werden dürfen. Das ist ein wenig die Krux mit der Veröffentlichung dieser Quelle, weil hier mitunter sehr persönliche Daten zu lesen sind, die einfach 100 Jahre geschützt bleiben sollen.

Nun haben wir also unsere Stefanie Benigni, die am 1. April 1893 in Hötting getauft worden ist. Sie hat selbst eine ihrer Töchter ebenfalls Stefanie genannt, die könnte auf dem Foto oben hinter ihr stehen. Offenbar hat sie 1918 einen Franz Gruber geheiratet und wurde ihm nachfolgend in Gmunden heimatzuständig. Ihre drei bereits vorher in Innsbruck zur Welt gekommenen Kinder waren weiter hier auf der großväterlichen Karte und somit in Innsbruck „zuständig“. Ihren zweiten Mann, den 1881 in Braunau am Inn geborenen aber seit 1922 in Innsbruck zuständigen Bahneler Franz Daringer hat sie 1940 geheiratet. Er starb 1948 in Innsbruck, das bedeutet auf dem Foto oben war sie bereits Witwe.


Stefanie Benigni/Gruber/Daringer schaffte es vermutlich nur einmal in die Zeitung. Sie wurde 1955 bei einem idiotischen Auffahrunfall am Innrain als Unbeteiligte schwer verletzt, was nur noch von der idiotischen Überschrift (es sind ca. 28 Unfälle mit Männern und einer mit einer Frau im Artikel) überstrahlt wird.
Wie lange Stefanie gelebt hat, war für mich nicht herauszubringen, da sie auf keinem Innsbrucker Friedhof bestattet wurde. Wenn Sie es wisen, lassen Sie es mich bitte wissen!

(Sammlung Markus Wilhelm)

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