Per Dreirad durchs Dritte Reich
Wie so of kann man aus heutiger Sicht nicht erraten, was genau die Motivation der Mayers war, dieses Motiv zuerst vor Ort auf Zelluloid zu bannen, dann daheim zu entwickeln und auszuprinten, geschweige denn es dann in ihr Innsbruck-Album zu kleben. Dort ist es aber nun und zeigt einen Herrn, der vor einer Hauswand im Innenhof des Innsbrucker Rathauses steht und ungeordnete Gegenstände auf dem Boden begutachtet. Für junge Leser:innen: die Fotografin steht ungefähr in der heutigen Parfümerie-Abteilung des Rathaus-Müller, der Blick geht gegen den Ausgang Fallmerayerstraße.
Die Fähnchen- und Wimpelwelt links datiert das Bild auf nach März 1938, der intakte Ausgang auf vor Ende 1944. Weil ich vor längerer Zeit einmal einen Dreiradler ganz in der Nähe gespottet habe, dachte ich zunächst ohne konkrete Marken- und Bauweisenerinnerung, vielleicht sei das der selbe – weit gefehlt. Der hier, mit „TV“ Nummernschild für „Gau Tirol-Vorarlberg“, hat das eine Rad vorne und ist als Lieferwagen ausgebaut. Nach einiger Suche dachte ich es sei ein mit 15 PS Zweitakter ausgerüsteter Tempo A 400 aus Hamburg – da passte die Stromlinienform allerdings nicht. Dann erst fand ich das richtige Modell, es war ein Borgward F 400 aus Bremen. Auf Wikipedia liest man dazu:
Die Höchstgeschwindigkeit des F 400 lag bei 50 km/h. Sie wurde mit einem luftgekühlten Zweizylinder-Zweitaktmotor mit 12 bis 13,6 PS aus 396 cm³ Hubraum erreicht (Bohrung 60 mm, Hub 70 mm). Das Eigengewicht des Fahrzeugs betrug laut Typenschild 640 kg, die Nutzlast laut anderen Quellen 500 kg oder 750 kg. Carl F. W. Borgward hatte 1936 die Aufhängung des Vorderrades zum Patent angemeldet.
Die Ladung scheint eine kunstvoll montierte Installation aus Stühlen zu sein, die entweder gerade gekommen ist oder schon wieder abreist. Auf einem Youtube-Video kann man den Dreiradler auch in Aktion sehen.