Die Bürgermeister von Inspruck (X.)
Der Amtsnachfolger Peers, Franz Xaver Maria Josef Rapp (1823-1889), war wie er Jurist. Ebenso zogen sie beide während des Revolutionsjahres 1848 an die italienische Grenze, Peer als Teil einer Studenten-, Rapp bei einer Scharfschützenkompanie. Wie Peer gehörte auch er der konservativen Partei an (wobei in manche Quellen als „gemäßigt konservativ“, andere als „erzkonservativ“ beschreiben“), darüber hinaus war er auch für die ersten zwei Jahre von Peers Amtszeit dessen Vizebürgermeister.
Als der Kaiser im Juni 1867 die Wahl Rapps bestätigte, verlieh er Peer gleichzeitig den Orden der Eisernen Krone. Seine Amtszeit wurde jedoch durch seinen frühen Rücktritt am 27. Februar 1869 beendet. Anlass dafür war die Umsetzung des Schulgesetzes vom 25. Mai 1868. Dieses Gesetz war eines der sog. Maigesetze, welche eine stärkere Trennung zwischen Kirche und Staat herstellten. Es wurde erstmals eine Zivilehe für interkonfessionelle Ehepaare eingeführt, ebenso duften Kinder ab dem 14. Lebensjahr ihr Bekenntnis frei wählen und v.a. war es nun auch möglich ohne Bekenntnis zu sein. Das erwähnte Schulgesetz etablierte den Staat anstatt der Kirche als oberste Autorität im Bildungswesen: „§1. Die oberste Leitung und Aufsicht über das gesamte Unterrichts- und Erziehungswesen steht dem Staate zu und wird durch die hierzu gesetzlich berufenen Organe ausgeübt.“ Entsprechend diesem Gesetz übertrug im Februar 1869 die k.k. Statthalterei den Bürgermeister und Stadtmagistrat von Innsbruck das Aufsichtsrecht über die Volksschulen der Stadt. Aufgrund dieser Anordnung sah sich Rapp gezwungen, zurückzutreten, da er sie nicht mit seinen politischen und religiösen Überzeugungen vereinbaren konnte: „erstens sehe er sie in politischer Beziehung als verfassungswidrig an, als einen Eingriff in die Landesgesetzgebung, und zweitens widerstrebe sie seiner inneren, religiösen Überzeugung, da er sich nicht damit einverstanden erklären kann, dass die Oberaufsicht über die Schulen der Kirche abgenommen werde.“
Es war jedoch nicht das Ende seiner politischen Karriere. Bereits seit 1864 saß er auch im Tiroler Landtag und 1871 wurde er zum Landeshauptmann ernannt. Ebenso wurde ihm der Orden der Eisernen Krone verliehen und er damit in den Ritterstand erhoben; 1883 wurde er zum Freiherrn.
(Ph-A-995-40 – Grab von Franz Rapp Freiherr von Heidenburg am Westfriedhof)