Ein Rathaus-Ersatz für den Saggen?
Vor 120 Jahren, im Jänner 1906, wurde die neue Handelsakademie im Saggen bezogen (zuvor befand sich die Schule am Margarethenplatz). Im März 1904 hatten die Bauarbeiten begonnen, im Dezember 1905 war das imposante Schulgebäude, dessen Errichtung mit rund 600.000 Kronen (rund 5 Millionen Euro) zu Buche schlug, fertiggestellt.
Der Plan des Gebäudes wurde vom städtischen Baurat und behördl. aut. Architekten Eduard Klingler nach dem vom Direktor der Handelsakademie, Karl Haberer, aufgestellten Programme entworfen. Das städtische Bauämt arbeitete die Detailpläne aus, wobei der junge Architekt Arthur Ringler den Projektanten unterstützte. Die Bauarbeit wurde von Baumeister Josef Retter zur vollständigen Zufriedenheit ausgeführt, die Aussicht über den Bau hatte der städtische Bäuassistent und geprüfte Maurermeister Johann Hrdlicka inne. Der Entwurf für die dekorativen Malereien stammt von dem akademischen Maler Alfons Siber.
Am 31. Jänner 1906 erhielten rund 40 ausgewählte Persönlichkeiten, darunter Bürgermeister Greil, der Handelskammerpräsident, der Obmann der Sparkasse der Stadt Innsbruck und Statthaltereirat Graf Vetter von der Lilie, eine exklusive Führung durch den Neubau. Vom Keller bis hinauf ins Turmzimmer führte die Besichtigung, die den illustren Besuchern „Gelegenheit [gab], mit vollster Befriedigung die Mäßigkeit und Schönheit des Gebäudes, den Reichtum seiner Ausstattung mit allen Lehrbehefen zu würdigen. Im Schulkeller, in welchem der Gastwirt des ‚Schwarzen Adlers‘, Herr Innerhofer, seine Weine eingelagert hat, der auch seine reichen Erfahrungen in der Kellerwirtschaft dem Kellereikurse zur Verfügung stellt, wurden den Besuchern am Schlüsse des Rundganges auserlesene Kostproben geboten.“ Das traf sich gut, denn im Neubau war auch eine „Gastwirteschule“ (ein Vorläufer der heutigen Tourismusschulen) untergebracht.
Nach Ansicht der Innsbrucker Nachrichten war „das neue Gebäude der Handelsschule […] schon von außen eines der interessantesten neuen Gebäude der Stadt. Seine lediglich dem Bedürfnisse angepaßte, scheinbar ganz unregelmäßige Grundrißform gab nach außen hin dem Bauwerke das Gepräge etwa eines Schlosses, an welchem nach den wachsenden und wechselnden Bedürfnissen von Generationen an-, zu- und umgebaut wurde. Die Durchführung der Fassade verhalf dieser Idee, statt etwa darnach zu streben, da zu verdecket, dort zu verkleiden, zu vollem Ausdrucke und krönte außerdem das Gebäude mit einem kräftigen Turme. Neben den rein architektonischen Gründen für die Errichtung des Turmes ist auch ein praktischer Grund maßgebend gewesen. Das Villenviertel am Saggen erhielt mit der Handelsakademie einen Konzentrationspunkt. Wie in kleinen Städten das Rathaus so bildet nun in jenem Stadtbezirke dieses Gebäude mit seinem Turme ein beherrschendes Objekt; die Anbringung einer großen Uhr lag infolge dessen nahe und hat tatsächlich einem Bedürfnisse abgeholfen. Die Fassade ist mit freier Verwendung der Formen der Tiroler Gothik ausgeführt; die großen Fenster und verschiedene andere Einzelheiten der Architektur tragen dazu bei, daß das Gebäude sich dem Charakter deutscher Frührenaissance nähert,“ so die Innsbrucker Nachrichten am 1. Februar 1906 (der ausführliche Bericht ist hier im Original nachzulesen).
(StAi, Slg. Kreutz, ohne Signatur)
Seit ich irgendwo gelesen habe, dass die Turmspitze der deutschen Pickelhaube nachempfunden wurde, ist mir dieses Gebäude noch unsympathischer.
(Nein, ich war kein HAK/HASCH Schüler)