Josef Schwammberger (II.)
Im letzten Artikel sahen wir, wie sich Josef Schwammberger nach Kriegsende selbst darstelle, kommen wir nun zu seiner tatsächlichen Biographie.
Er wurde 1912 in Brixen geboren, seine Familie zog kurz darauf nach Innsbruck. Der Vater war ein Beamter im Post- und Telegrafendienst der Monarchie, sein älterer Bruder fiel im Ersten Weltkrieg. Nach dem Ende seiner kaufmännischen Lehre arbeitete er in einem Betrieb in der Herzog-Friedrich-Straße. In Folge der Wirtschaftskrise verlor er seinen Posten und schlug sich in folgenden Jahren mit verschiedensten Arbeiten durch. 1933 trat er sowohl in die NSDAP als auch in die SS ein. Als die Partei kurz darauf in Österreich verboten wurde, floh er in das Deutsche Reich. Dort wurde er Teil einer SS-Verfügungstruppe, einer Sondereinheit unter dem direkten Kommando Himmlers. Die Angehörigen wurden militärisch und ideologisch ausgebildet, sie bildeten später einen Teil der Waffen-SS. Er war zuerst in einem Barackenlager bei Augsburg stationiert, im September 1933 wurde er in das KZ Dachau versetzt. Dachau war das erste Konzentrationslager des NS-Regimes, es wurde bereits im März 1933 eingerichtet und diente anfänglich der Internierung politischer Häftlinge. Theodor Eicke (1892–1943), Inspekteur der Konzentrationslager und zeitweise direkter Kommandant von Dachau nutzte das Lager als Ausbildungsstätte für die Wachmannschaften. Zahlreiche der Wächter, die später in den Vernichtungslagern stationiert waren, begannen ihre „Karriere“ in Dachau.
Aus gesundheitlichen Gründen wurde Schwammberger in den Verwaltungsdienst versetzt, im Dezember 1938 kehrte er nach Innsbruck zurück. Er wohnte zuerst bei seinen Eltern in der Pembaurstraße, anschließend in einer Wohnung in der Speckbacherstraße. Kurz nach Kriegsbeginn rückte er in die 8. SS-Totenkopf-Standarte ein. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er erneut in den Verwaltungsdienst versetzt, in die Dienststelle des SS-Oberführers Julian Scherner (1895–1945) in Krakau.
Im September 1942 übernahm Schwammberger das Kommando über das KZ Rozwadów mit 1.200 jüdischen Insassen nahe Stalowa Wola, einer Stadt in Südpolen, nordwestlich von Przemyśl, die als Zwangsarbeiter in den dortigen Stahlwerken eingesetzt wurden. Sechs Wochen nachdem Schwammberger das Kommando übernommen hatte, waren weniger als die Hälfte von ihnen noch am Leben.
(Ph-22452: NSDAP-Demonstration aus Anlaß des Verbotes vom 6. Mai 1933; Einsatz eines städtischen Spritzwagens gegen die Demonstraten in der Maria-Theresien-Straße – StAI NS-Registrierungsakten 239-883; Horst Schreiber: „Liebesverbrechen“, Zwangsarbeit und Massenmord. NS-Täter und Opfer in Tirol, Polen und der Sowjetunion, Innsbruck-Wien 2023, S. 97–129)