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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Ein General Im Gemeinderat?

Ein General im Gemeinderat?

Dass Generäle in die Politik wechseln, kommt vor, nicht nur in (Militär)Diktaturen. Theodor Körner fällt einem da ein, Charles de Gaulle, der Herzog von Wellington oder auch die US-Präsidenten George Washington und William Henry Harrison …

Auch in der Innsbrucker Stadtpolitik gab es so einen Fall. Von 1923 bis 1927 saß Generalmajor i. R. Richard Schuster (1873-1960) für die Tiroler Volkspartei im Gemeinderat. Als Sohn eines Beamten in Wien geboren, hatte Richard Schuster die k. u. k. Artilleriekadettenschule in seiner Heimatstadt absolviert. Von dort wurde er am 18. August 1892 als Kadett-Offiziers-Stellvertreter zum Festungsartillerieregiment Nr. 1 ausgemustert. Es folgte eine erfolgreiche Karriere als Berufsoffizier, die ihn in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieges nach Przemysl, Pola, Wien und Trient führen sollte. „Mit Kriegsbeginn hatte er die Verteidigungsinstanzsetzung vom Hafen Pola zu leiten, der alsbald nach Italiens Kriegseintritt vom Luftschiff ‚Cità di Milano‘ bombardiert wurde.“ In weiterer Folge übernahm Schuster, der mit 1. Mai 1915 zum Oberstleutnant und mit 1. November 1917 zum Oberst befördert werden sollte, verschiedene Kommandos an der Südwestfront. „Als Oberst führte er dann an der Piave vor der heißumstrittenen Papadopoli-Inselgruppe die 9. und dann die 7. Artilleriebrigade und kontte schließlich den Rückzug aus Friaul decken.“ Schuster hatte Glück im Unglück. Er gehörte nicht zu den rund 360.000 österreichisch-ungarischen Soldaten und Offizieren, die am 3./4. November 1918 in italienische Gefangenschaft geraten sollten.

Nach dem Kriegsende ließ er sich mit seine Frau Stephanie, geb. Baronin Billek (1880-1949), und seiner Tochter Herta (1902-?) in Innsbruck nieder, wo er „die Landesabwicklungsstelle des bestandenen 14. Korps“ leiten sollte. Ab 1921 stand er der Ortsgruppe Innsbruck der Vereinigung österreichischer Artillerieoffiziere bzw. dem Klub der Österreichischen Artillerie- und Marineoffiziere Tirol vor. Auch beim Roten Kreuz und dem Ferdinandeum engagierte er sich ehrenamtlich.

Im Mai 1923 zog der mittlerweile zum Generalmajor ernannte Schuster schließlich für die christlich-soziale Tiroler Volkspartei in den Innsbrucker Gemeinderat ein, wo er u.a. im Wohnungsfürsorgeausschuß tätig war. Auch wenn er regelmäßig an den Sitzungen teilgenommen hat, scheint er sich an den Debatten nicht wirklich beteiligt zu haben. Allerdings veröffentlichte er im Feber 1927 im Tiroler Anzeiger unter dem Titel „Zirka 1000 Worte über Reklame“ einen Artikel über die Wirkung von Werbung auf Frauen und Männer, wobei er mit Stereotypen und Vorurteilen nicht sparte. So beschloss er seine Ausführungen mit der fragwürdigen Feststellung: „Der Mann läßt sich beim Kaufe durch Utilitätsgründe leiten, ist großzügiger und weniger von momentanen Impulsen beeinflußbar – das Weib ist kleinlicher, scheinbar schwerer zu befriedigen, kauft zwar nicht immer mit dem Gefühle, aber doch zum mindesten für das Gefühl berechnet.“

Nach nur vier Jahren war für Richard Schuster der Ausflug in die (Kommunal)Politik beendet. Unser Foto dürfte wohl um 1930 im Atelier von Richard Müller entstanden sein und zeigt ihn zwar in Zivil, aber doch mit allen Orden und Auszeichungen, darunter auch der Orden der Eisernen Krone (als Halsdekoration).

(StAI, Slg. Richard Müller)

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