Von ukrainische Traktoren und anderem
Auch wenn es angesichts des traurigen Jahrestags diese Woche und der fehlenden Perspektive auf Frieden schwer fällt, sich daran zu erinnern: Es gab da einmal eine Zeit, als das erste Wort, das einem bei „Ukraine“ einfiel, nicht „Krieg“ war.
Eines der Lieblingsbücher meines Sohnes ist „Was ist Was – Fußball“, erschienen 2012, inklusive vier Doppelseiten zur damals bevorstehenden EM in Polen und der Ukraine. „Es ist das erste Turnier dieser Größenordnung, das in Osteuropa ausgetragen wird“, heißt es da (S. 103). Seither ist da einiges passiert.
Mein Buchtipp führt noch ein wenig weiter zurück, ins Jahr 2005. Die Zeit, als ich in der Folge meines Erasmus-Jahrs in London regelmäßig in unregelmäßigen Abständen über den Ärmelkanal hüpfte, für meine Diplomarbeit recherchierte, Freunde besuchte und in den Buchhandlungen ausgiebig Gebrauch der Mengenrabatte machte (Buy 2, Get 1 Free. 3 for xy £).
Nadezhda und Vera, beide jenseits der 40, haben seit dem Tod ihrer Mutter kein Wort mehr miteinander gesprochen (Erbstreitigkeiten natürlich). Die beiden gegensätzlichen Charaktere waren als Töchter ukrainischer Emigranten in England aufgewachsen. Nun treten sie wieder in Kontakt miteinander. Warum? Ihr 84-jähriger Vater glaubt, eine 36-jährige geschiedene Ukrainerin und deren Sohn vor der bösen Welt retten zu müssen. Durch Heirat natürlich. Freut sich auf den Sohn, den er nie hatte – und hey, vielleicht sollte er überhaupt mit seiner Valentina auch noch einmal Kinder bekommen? Es verwundert wenig, dass seine Töchter eher wenig begeistert von dieser Vorstellung sind und nun ihrerseits versuchen, den Vater (und ihr Elternhaus) zu retten…
Was das alles mit Traktoren zu tun hat? Das kann ich Ihnen auch nicht mehr sagen, dazu ist es zu lange her. Aber ich kann mich erinnern, dass ich das Buch gerne und mit einem Schmunzeln gelesen habe. Und ich finde die Umschlaggestaltung sehr gelungen. Ich würde mich sehr freuen, wenn dieses nette Buch ein neues Zuhause fände. Es ist ab heute zu erwerben. Und beeilen Sie sich – morgen ist schon wieder der letzte Tag unseres Bücherabverkaufs!