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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Aus Dem Leben Einer Britisch-tirolerischen Familie

Aus dem Leben einer britisch-tirolerischen Familie

Im April 1947 fand Elizabeth, eine britische Pastorentochter, ihren Traumjob als Kindergärtnerin in Hastings an der Südküste Englands. Sie liebte den Umgang mit kleinen Kindern und hatte die Begabung, deren Aufmerksamkeit zu fesseln. Nach ihrem Schulabschluss im Jahre 1942 war ihr aber ein weiterer Traum durch den Zweiten Weltkrieg verwehrt geblieben, nämlich nach Frankreich zu reisen. Der Krieg hatte vieles verändert, und so trat sie dem Wanderverein „British Ramblers Association“ bei, mit dem sie im Sommer 1947 und 1948 endlich Frankreich besuchte.

Für 1949 kündigte der Verein eine Bergtour durch die Ötztaler Alpen an. Obwohl es sie eher ans Meer zog, überredete eine Freundin Elizabeth, daran teilzunehmen. So kam sie eines Tages nach Innsbruck. Es regnete, und das Wetter sollte sich während der zehn Tage währenden Tour nicht verbessern. Doch das tolle Bergerlebnis fesselte sie und machte das schlechte Wetter wett.

Kurt, ein mittelloser Innsbrucker Architekturstudent, verdiente sich ein Zubrot als Bergführer. Er kümmerte sich verantwortungsvoll und hilfreich um die englische Reisegruppe, die mit Freude und Draufgängertum alle Strapazen auf sich nahm. Nur Tage, nachdem er sich von der Gruppe an der Schweizer Grenze verabschiedet hatte, schrieb er einen Brief an Elizabeth. Die Beziehung der beiden vertiefte sich. Ihre keimende Liebe fiel in die karge Nachkriegszeit, die von der Zensur ihrer häufigen Korrespondenz, von Lebensmittelmarken und Geldbewirtschaftung geprägt war.

1951 verlobten sie sich und heirateten 1953. Sie kauften ein Grundstück auf der Hungerburg, schlugen eine Lichtung in den Wald und bauten sich mit bescheidenen Geldmitteln ein Haus. Monatelang schufteten sie auf der Baustelle. Kurt rührte Mörtel in einem Trog an und zog die Ziegelwände hoch. Endlich zierte eine kleine Tanne den Dachfirst. Bald waren sie eine Familie mit drei Söhnen. Die Jahrzehnte verstrichen, in denen ihr Wohlstand wuchs. Kurt und Elizabeth erfreuten sich eines langen, gemeinsamen Lebens. Viele Hungerburgler erinnern sich noch heute an dieses bis ins hohe Alter aktive britisch-tirolerische Paar.

Ihnen ist das in englischer Sprache abgefasste Buch mit dem Titel „Tenacity“ (Zähigkeit oder Durchhaltewillen) gewidmet, das am 2. März 2026 um 19:00 Uhr im Bildungshaus „Seehof“, Gramartstrasse 10, auf der Hungerburg vorgestellt wird. Der gebürtige Innsbrucker Andreas Herdina beschreibt darin die Erfahrungen seiner britisch-tirolerischen Familie im Laufe der bewegten Geschichte des 20. Jahrhunderts. Das Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck freut sich, Sie zu dieser Buchpräsentation recht herzlich einladen zu dürfen.

Zum Foto: Kurt mit den Damen der britischen Bergwandergruppe in den Ötztaler Alpen; Elizabeth im Vordergrund rechts.

Verfasser: Andreas Herdina / Foto: Privatbesitz

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