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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Neue Leiter(n), Neue Tore

Neue Leiter(n), neue Tore

In den sogenannten Communal-Akten schlummert so mancher Schatz. Auch der hier gezeigte Plan stammt aus diesem Bestand. Er zeigt das Hauptspritzen-Magazin der Innsbrucker Feuerwehr, das sich 1896 noch am Marktgraben 12 befand. In der Mitte das Magazins ist eine Leiter eingezeichnet. Aber nicht irgendeine, sondern ein ganz besonderes Exemplar. Es handelt sich um jene Magirus-Schubleiter, die der I. Zug der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck im Juni 1890 bekommen hat. Über die erste Übung mit dieser bemerkenswerten Leiter hatten die Innsbrucker Nachrichten ausführlich berichtet:

Vorgestern wurde dieselbe von der Kommandantschaft der Feuerwehr in Gegenwart mehrerer Gemeinderäthe der ersten Probe unter­ zogen, die durchaus zufriedenstellend ausfiel. Die Leiter ruht auf 4 Rädern und ist für Pferdebespannung eingerichtet, kann aber auch von 6-8 Mann an Ort und Stelle gebracht werden. Sie wiegt 1900 kg. und hat ganz aufgezogen eine Normalhöhe von 24 Metern; es können daher mittelst dieser Leiter alle Gebäude der Stadt mit Ausnahme der hohen Thürme bestiegen werden. Die Handhabung der Leiter basirt auf verhältnißmäßig wenigen und dazu einfachen Handgriffen, so daß die Steiger-Mannschaft des I. Zuges, der die Leiter zur Bedienung übergeben wird, bei der ersten Uebung, die beim alten Spitale stattfand, schon ziemlich gut mit derselben exerzirte. Die Leiter ist 4theilig und sehr solid und schön gebaut. An derselben be­findet sich oben eine Signalglocke, die jedesmal anzeigt, wenn die Leiter vollständig aufgetrieben ist. Freistehend macht sie einen imposanten Eindruck und selbst bei einer Belastung von drei Mann auf dem obersten Leitertheile rührt sie sich nicht. Die Leiter kann mittelst einer zwischen den beiden hinteren Wagenrädern angebrachten Vorrichtung nach links und rechts bis zu 60 cm. über die Wagenachse geneigt werden, was ein nicht zu unter­ schätzender Vortheil ist für den Fall, als bei einem Hause schnelle Hilfe dringend nöthig ist; sie kann auch nach vorwärts geneigt werden, so daß man am Burg- und Marktgraben über die Vorbaue hinweg die Häuser der Schlosser- und Stiftgasse erreicht. Bei allen diesen Vorzügen ist die Leiter so konstruirt, daß die Kurbeln zum Auftriebe derselben leicht zugänglich und leicht zu handhaben sind; im Nothfalle kann die Leiter, wenn sie an Ort und Stelle steht, von 2 Mann aufgestellt werden. Nur die Beförderung der Leiter ist etwas schwierig, wegen des Gewichtes derselben. Im Lösch­wesen anerkannte Fachmänner haben sich nach eingehender Besichtigung und durchgemachter Uebung nur lobend über diese Leiter, welche aus der Fabrik der weltbekannten Firma C. D. Magirus in Ulm hervorgegangen ist, ausgesprochen und erklärt, sie können der Stadtgemeinde Innsbruck und der freiw. Feuerwehr nur gratuliren zur Erwerbung dieses sehr praktischen, gediegenen und schön gearbeiteten Requisites. (IN v. 27. Juni 1890)

Allerdings lässt der vom Leiter des städtischen Baumamtes, Ing. Franz Tochtermann (1859-1904) gezeichnete Plan schon erahnen, dass die Leiter gerade so eben im Hauptspritzen-Magazin untergebracht werden konnte. Nachdem sich 1896 der Ankauf „eine[r] ähnlich große[n] Leiter […] für den II. Zug“ abzeichnete, beschloss die Löschdirektion am 21. Juli 1896 im Gemeinderat eine Adaptierung des Magazins zu beantragen. Konkret sollten „die zwei mittleren Thore […] in dem Umfange seitlich und nach Oben [sic] erweitert werden“, sodass künftig zwei große Magirus-Leitern „untergebracht werden, beziehungsweise ein- und ausfahren können.“

Die Kosten hierfür wurden seitens des Stadtbaumtes mit moderaten 415 Gulden (das entspricht rund 7.800 Euro) veranschlagt. Tatsächlich stiegen die Kosten schließlich auf 600 Gulden an, da der Gemeinderrat Anfang September 1896 beschlossen hatte, gleich auch noch das dritte Tor zu adaptieren.

Nicht einmal zwei Monate nachdem die Löschdirektion den Antrag gestellt hatte, lud Bürgermeister Wilhelm Greil bereits „zur Prüfung des Projektes an Ort und Stelle“ ein. Am 16. September 1896 fanden sich neben dem Stadtoberhaupt um 8:30 Uhr morgens drei Gemeinderäte, der Oberkommandant der FF Innsbruck, Viktor Freiherr von Graff sen., und Bauamtsleiter Franz Tochtermann am Marktgraben ein. Offenbar befanden die Herren die Umbaupläne für gut. Zumindest sind keine Einsprüche oder Änderungswünsche überliefert. Und da auch der Orden der Barmherzigen Schwestern als unmittelbarer Nachbar sein Placet gab, konnten die Arbeiten schon wenig später beginnen.

PS: 1897 wurden dann gleich zwei neuen Leitern bei der FF Innsbruck in Dienst gestellt. Der mittlerweile in die 2. Kompanie umgewandelte II. Zug erhielt eine 20m-Schubleiter „aus der Fabrik Braun in Nürnberg“ und die IV. Kompanie (Dreiheiligen) eine von Georg Lang (Wilten) gefertigte Schubleiter (System Pegger).

(StAI, COML 1896/2 Zl. 17321 ex 1896)

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