Die Fresken in der alten Bahnhofshalle
Vor hundert Jahren wurde der Innsbrucker Hauptbahnhof neu gebaut. Er sollte damit in die modernen Zeiten überführt werden und die nunmehr erforderlichen „Verkehrs- und betriebstechnische Notwendigkeiten“ erfüllen als auch „den heutigen kulturellen und Bequemlichkeits-Anforderungen der Reisenden im vollen Maße Rechnung“ tragen, wie es im Tiroler Anzeiger im Juli 1926 hieß. Damals wurde etwa auch die Unterführung der Gleise errichtet.

Heute ist von diesem Umbau – nach Bombardierungen und zweimaligem Neubau – lediglich ein kleiner Rest, das Gebäude mit dem Uhrturm im Norden des Geländes, erhalten. Auch die imposanten Fresken des Künstlers Rudolf Stolz (1874-1960), mit denen die große Halle geschmückt waren, sind verloren gegangen. Hier sehen Sie einige Fotos von den Arbeiten an den Fresken aus dem Sommer 1931.

Der Wettbewerb zur Ausmalung der Halle hatte bereits 1928 stattgefunden, der Auftrag ging allerdings erst drei Jahre später an Stolz, der sich gegen mehr als zwanzig Mitbewerber (darunter Alfons Walde) – durchsetzte. Dass die Bundesbahnen und die Stadt Innsbruck Rudolf Stolz gewählt hatten, hatte wohl auch mit seiner Südtiroler Herkunft zu tun. Nach der Teilung Tirols war der Bahnhof – als alter Südbahnhof und Verbindung nach Südtirol – gewissermaßen ein symbolischer Ort für historische Einheit Tirols.

Die Fresken zeigen 20 monumentale Figuren, die Tiroler Volkstypen darstellen sollen. Vor allem Handwerk und Bauerntum sind dabei stark vertreten, somit ist er ganz Kind seiner Zeit. In ihrer Darstellung erinnern die Personen stark an Figuren von Albin Egger-Lienz.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-G-22865)