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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Richard Steidle (XXII.)

Richard Steidle (XXII.)

Der Schattendorfer Prozess und die anschließenden Unruhen im Juli 1927 weckten natürlich auch das Interesse der Presse im Deutschen Nachbarland. Ende des Monats veröffentliche die Vossische Zeitung, ein bürgerlich-liberales Blatt aus Berlin (und älteste Zeitung der Deutschen Hauptstadt, bis zu ihrem Ende nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten), einen ausführlichen und kritischen Artikel über die Heimwehren und ihren Führer, Richard Steidle.

Für die Berliner Leserschaft war natürlich v.a. Steidles Verbindung zu Waldemar Pabst von Interesse. Der bereits erwähnte Pabst war Steidles Stabschef und war an dem gescheiterten Kapp-Putsch beteiligt gewesen, bei dem Paramilitärs die Hauptstadt besetzt hatten (und auch bereits vor diesem Versuch hatte er selbst einen Umsturz geplant – dieser wurde aber früh vereitelt und anfänglich vertuscht). Die Innsbrucker Nachrichten dementierten in ihrer Antwort auf den Artikel der Vossischen Zeitung jeglichen Vorwurf, dass Pabst noch Kontakt zu Extremisten und Paramilitärs in der Deutschen Republik pflegte. Wenn man allerdings bedenkt, dass der zweimalige Putschist nicht nur vor der Justiz geflohen war, sondern nun der Stabschef bei einem anderen paramilitärischen Verband war, dessen Führer seinem Kanzler mit „Maßnahmen folgenschwerster Art“ drohte, darf wohl bezweifelt werden, inwieweit er seiner gewaltbereiten Vergangenheit abgeschworen hatte.

Der Artikel behauptete auch, dass sich die Heimwehr nur in Tirol bewährt habe, während sie in den anderen Bundesländern nicht in der Lage gewesen sei, gegen die Streiks einzuschreiten. Die Antwort der Innsbrucker Nachrichten illustrierte die Spannungen, die zwischen Teilen der christlich-sozialen Partei und der Heimwehr existierten. Sie beschuldigen den Reporter der Vossischen Zeitung nur unkritisch die missgünstigen Äußerungen von Gegnern der Heimwehr in der steirischen Landesregierung zu wiederholen. Das Problem in der Steiermark sei nicht die mangelnde Einsatzbereitschaft der Heimwehr gewesen, sondern die Unentschlossenheit der besagten Landesregierung.

In Anbetracht der Spannungen mit den östlichen Bundesländern intensivierten die Heimwehren in Tirol und Vorarlberg ihre bereits bestehende enge Zusammenarbeit – „der Tiroler Aar grüßt die Fahne von Montfort, ein Zeichen des Zusammenhaltens für Ordnung, Freiheit und Recht“, wie es Steidle poetischer formulierte.

(Titelbild – Werbepostkarte der Heimwehr, 1928 – Signatur Ph-35832)

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