Gratulieren, jubilieren & kondolieren
Unter den Akten des Magistrats-Präsidiums findet sich auch ein Umschlag mit der Bezeichnung „Beglückwünschungen, Einladungen u. Beileidsschreiben“ aus dem Jahr 1916. Neugierig, wie wir Archivare nun einmal sind, habe ich mich gefragt, wer da Mitten im Ersten Weltkrieg eingeladen hat, wem die Stadt gratuliert und wem sie kondoliert? Blättern wir also gemeinsam ein wenig in diesem Konvolut:
Ganz oben auf findet sich die Einladung des evangelischen Pfarramtes Innsbruck zum Trauergottesdienst für den am 21. November verstorbenen Kaiser. Die Einladung wurde von Bürgermeister Greil persönlich „zur Kenntnis genommen“ und sodann ad acta gelegt.
Selbstverständlich telegrafierte anlässlich des Thronwechsels seine Glückwünsche an den neuen Monarchen: „Der Gemeinderath der Landeshauptstadt Innsbruck begrüßte die Thronbesteigung Sr. k. u.k. Apostolischen Majestät Kaiser Karl mit Begeisterung u. bittet die ehrerbietigste Huldigung sowie die Versicherung unerschütterlicher Treue u. Ergebenheit Sr. Majestät ehrfurchstvoll zu unterbreiten“, so Bürgermeister Greil.
Am 23. November 1916 ernannte Kaiser Karl I. den Kommandanten der Südwestfront, Erzherzog Eugen, zum Feldmarschall. Während der Innsbrucker Gemeinderat per Telegramm gratulierte (siehe unten), richtete Bürgermeister Greil an den „hochwürdigsten und durchlauchtigsten Prinzen und Herrn“ ein Glückwunschschreiben. Der Entwurf hat sich im Akt ebenfalls erhalten.

Ende Oktober 1916 kondolierte die Stadt Innsbruck Bertha Köllensperger geb. Pötsch (1861-1942) zum Tod ihres Gatten, des „vieljährigen hochverdienten Stadtarztes“ Dr. Alfons Köllensperger (1856-1916): „Namentlich verliert die arme Bevölkerung an ihm unendlich viel – ihren ärztlichen Freund und Berater, der mit Herz und Gemüt sich der armen Leute annahm – nicht nur die Heilung der Krankheiten sich angelegen sein liess – sondern auch zur Besserung der materiellen Existenz nach Kräften beitrug“, heißt es im Kondolenzschreiben.
Am 21. November 1916 fiel der damalige österreichische Ministerpräsident einem Attentat zum Opfer. Der sozialdemokratische Politiker Friedrich Adler (Sohn von Viktor Adler) ermordete ihn im Speisesaal des Hotels Meissl & Schadn. Bürgermeister Greil beeilte sich im Namen der Stadt „die höchste Entrüsung über das schreckliche Attentat auf den verehrten Minister-Präsidenten zum Ausdruck“ zu bringen.“

Am 15. August 1916 lud das evangelischen Pfarramt Innsbruck die Stadtväter zum „Festgottesdienst anläßlich des Geburtsfestes Sr. Apostloschen Majestät“ am 18. August in die evangelische Pfarrkirche ein.
Am 8. Juli 1916 bedankte sich Oberst Rudolf von Kriegshaber (nomen est omen) bei der Stadt für die „herzliche[n] Glückwünsche, meine Person betreffend […] im Namen des Hausregiments, dem die Allerhöchste Auszeichnung allein gebührt.“ Kriegshaber, Kommandant des 1. Regiments der Tiroler Kaiserjäger, war im Juni 1916 mit dem Ritterkreuz des Leopolds-Orden ausgezeichnet worden …
Ende Mai 1916 richtete Bürgermeister Greil ein ausführliches Dank- und Anerkennungsschreiben an Josefine Stapf-Ruedl (1838-?). Anlass war ihr „40jähriges selbstloses und erfolgreiches Wirken“ in der städtischen Volksküche.
Ebenfalls im Mai 1916 gratulierte Bürgermeister Greil im Namen der Stadt Generaloberst Erzherzog Joseph Ferdinand zum 44. Geburtstag und Erzherzog Eugen zum 53. Geburtstag.
Am 31. März kondolierte Bürgermeister Greil im Namen der Stadr Innsbruck dem Gemeinderat der Landeshauptstadt Breünn anlässlich des Todes ihres „vieljährigen außerordentlich verdienten Bürgermeisters Dr. August Wieser Ritter v. Mährenheim“.

Anfang März lud Landeshauptmann Theodor Freiherr von Kathrein den Innsbrucker Bürgermeister und die Magistratsbeamten zu einem Hochamt in der Stadtpfarrkirche „am Feste unseres Landespatrons“ ein, „um in diesen bedrängten Zeiten vom Landespatron den Schutz des Heimatlandes und des Allerhöchsten Kaiserhauses unnd einen baldigen siegreichen Ausgang des Krieges zu erflehen.“
Ende Feber 1916 gratulierte Bürgermeister Greil dem Erzherzog Albrecht Franz zur Ernennung zum Leutnant im 1. Tiroler Kaiserjägerregiment, „welche uns mit Freude und Stolz erfüllt“. Artig bedankte sich der so beglückwünschte Habsburger per Telegramm (siehe unten).

Am 25. Jänner 1916 erging die Einladung des evangelischen Pfarramtes Innsbruck an die Stadtväter, sich beim Festgottesdiest anlässlich des Geburtstages des deutschen Kaisers am 27. Jänner in der evangelischen Pfarrkirche einzufinden. Parallel dazu lud auch das k. u. k. Stationskommando zu einer militärischen Feier inkl. Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche ein.
Nur einige Tage zuvor stand eine andere militärische Feier am Programm – die Jahrhundertfeier der Tiroler Kaiserjäger. Am 12. Jänner 1916 gab Oberst Weiskopf namens des Ersatzbataillons des 1. Kaiserjägerregiments dem Stadtmagistrat den Ablauf der Feierlichkeiten am 16. Jänner bekannt, wobei er ausdrücklich festhielt, dass das „eigentliche Fest der Jahrhundertfeier der Kaiserjäger […] einer siegreich-errungenen Friedenszeit vorbehalten“ sei.
Und am 10. Jänner 1916 bedankte sich Gottfried Freiherr von An der Lan im Namen des Stadtschützen-Baons Innsbruck I für die „Neujahrswünsche der Landeshauptstadt“. Weiters schrieb er: „Nehmen Herr Bürgermeister die Versicherung entgegen, daß das Innsbrucker Standschützenbataillon auch fürderhin dem Rufe Ehre machen wird, den es sich in den ersten sieben Monaten des italienischen Krieges erworben [hat], eingedenk der ehrwürdigen Traditionen des Vaterlandes und der Landeshauptstadt. Das Bataillon wünscht dem gesamt Magistrate ein glückliches 1916, mit der Hoffnung, daß uns in diesem Jahr eine siegreiche Heimkehr beschieden sein.“
Was bleibt nun, nach diesem Schlaglichtern auf Freud und Leid im Jahr 1916? Manche Schreiben, wie die Glückwünsche anlässlich des Thronwechsel oder die Beileidsbekundung nach dem Mord am Ministerpräsidenten stellen wohl keine große Überraschung dar. Und auch, dass wir in diesem Akt häufig über Habsburger stolpern, ist kaum verwunderlich. Interssant sind aber auch diese, gewissermaßen erwartbaren Schreiben, spiegeln sich doch in ihnen die „großen“ Ereignisse auf lokaler Ebene wider. Spannend finde ich aber auch die Verbindungen zu anderen Städten, insbesonder zu Sarajewo, das seit 1980 Partnerstadt ist.
(StAI, Akten des Magistrats-Präsidiums 1916, Zl 103)