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Wolkenkratzer? Nein Danke!

Wolkenkratzer? Nein Danke!

Im Dezember 1921 legte der bekannte Architekt Clemens Holzmeister (1886–1983) seinen – im Auftrag des Universitätsverlag Wagner ausgearbeiteten – Vorschlag zur Verbauung der sog. Zelgergründe südlich der Kaiser-Wilhelm-Straße (heute: Salurner Straße) vor. Auf dem Areal sollten ein Verlagsgebäude, ein Miethaus und ein Hotel mit 400 Zimmern und „herrlichen Terassen für Cafe u. Restaurant“ entstehen, wobei der Komplex „gegen den Kern zu eine 7 stöckige u. im Haupttrakt, der 50 m lang u. 18 m breit gedacht ist, eine 10-11 stöckige Verbauung aufweisen“ sollte.

Trotz der Versicherung Holzmeisters, dass sich sein Entwurf nahtlos in das Stadtbild einfügen und auch die Triumphpforte nicht in den Schatten stellen würde, stieß sein „Wolkenkratzerprojekt“ nicht nur in der Lokalpresse auf heftige Kritik, sondern entfesselte auch einen Proteststurm der Anrainer. Im März 1922 richteten letztere eine Protestnote an den Innsbrucker Gemeinderat. In geharnischtem Ton kritisierten sie das Projekt:

„Mit- und Nachwelt, Einheimische und Fremde, die unbeeinflusst von der derzeitigen bolschewistischen Kunstverwirrung sich dem gesunden Sinn für wahre Ästhetik erhielten, würden dieses babylonische Bauwerk belächeln, da es nicht nur die Bauumgebung brutal erdrückt, sondern überhaupt nie und nimmer in eine Tiroler Stadt hineinpasst.“

Auch befürchtenden die Anrainer – kein Scherz – den Verlust der „Riviera von Innsbruck“. Wörtlich heißt es in ihrer Eingabe:

„Wir laden die Gemeindeväter und die gewählten Kunstbeiräte an einem sonnigen Wintertage zum Besuche an Ort und Stelle ein. Da fällt die Unmenge von Passanten u. Kinderwägen auf, die sich auf diesem windgeschützten, den ganzen Wintertag über sonnendurchfluteten Strassenteil vor dem Zelgergrund Erholung suchend auf und ab bewegen. Tausende von Innsbruckern und insbesondere Innsbrucker Babies [sic] suchen diesen leicht zu erreichende Erholungsstätte auf. Daher wird diese Passage mit Recht die ‚Riviera von Innsbruck‘ genannt“, so die entrüsteten Anrainer.

Ob und wenn ja, inwieweit der massive Protest der Anrainer die Realisierung dieses interessanten Projektes verhinderte, ist bislang nicht geklärt.

Gesamtansicht des von Clemens Holzmeister entworfenen Projektes. Die gelb markierten Gebäude hätten bei einer Realisierung weichen müssen.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Bau 2086 ex 1922)

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Kurios: fast 50 Jahre später wurde an genau der selben Stelle das Holliday Inn mit seinen 15 Stockwerken hingebaut. Das wäre uns mit dem Holzmeisterplan wohl erspart geblieben.

  2. Schade – da hätte sich schon damals der Grundstein für einen schönen Hochhauscluster in der Innenstadt legen lassen, qualitäts- und eindrucksvolle Urbanität noch bevor Innsbruck zur Großstadt wurde; dieses Gebäude wäre heute sicher ein architektonisches Juwel, vorausgesetzt, es hätte den WW2 überstanden.
    Lustig auch die Einwände der Nimbys; die sind bis heute gleich geblieben und ertönen bei jedem größeren Bauprojekt; egal wie groß der Nutzen für die Allgemeinheit auch sein mag, der Sonneneinfall ins eigene Wohnzimmer ist wichtiger.

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