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Parforcejagd In Igls

Parforcejagd in Igls

Dieses um 1900 von einem unbekannten Fotografen aufgenommene Bild zeigt eine große Gruppe von Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Parforcejagd in Igls samt ihren Pferden und Jagdhunden. Im Bildhintergrund sind zudem einige Kutschen zu sehen.

Die Parforcejagd ist eine seit Jahrhunderten bekannte, sehr kostspielige Form der Jagd, die sich vor allem im 17. und 18. Jahrhundert an den europäischen Fürstenhäusern größter Beliebtheit erfreute. Bei der Parforcejagd sucht und verfolgt eine Meute von extra ausgebildeten Jagdhunden die Fährte von Hirschen und Wildschweinen, manchmal auch von Wölfen und Füchsen. Die berittenen Jagdteilnehmer folgen den Hunden, die das Wild nach einer langen Verfolgungsjagd stellen. Die Tötung der völlig erschöpften Beute erfolgt dann durch den Jagdherrn oder durch eine von ihm bestimmte Person. Am Ende der Jagd wird ein Signal, das Halali, geblasen.

Im Grazer Tagblatt, vom 14. Oktober 1898 erschien ein Artikel, der diese Form der Jagd geradezu schwärmerisch beschrieb: „Die Parforcejagd, in deren Zeichen jetzt die Jagdwelt steht, ist ein Glanzpunkt im Leben des passionierten Jägers. Wie ein erfahrener Jagdkenner treffend bemerkt, verhält sich die Parforcejagd zu den anderen Jagdarten wie der rauschende Ball zum bescheidenen Haustanze nach dem Clavier. Zu einer richtigen Parforcejagd gehören sechs Dinge: erstens tüchtige, erfahrene Jäger, zweitens schnelle, ausdauernde Jagdpferde, drittens ein großer Edelwildstand, viertens ein ausgedehntes und ebenes Gebiet, fünftens ein gut geschultes Jagdpersonal und sechstens eine wohl abgerichtete Meute.“

Neben glühenden Anhängern und Befürwortern der Parforcejagd, gab es aber durchaus auch Kritiker, die dieser Form der Jagd nichts abgewinnen konnten. Das humoristisch-satirische Arbeiterblatt „Glühlichter“ veröffentlichte am 23. November 1894 folgendes Gedicht, in dem das Thema Parforcejagd und die je nach Bevölkerungsschicht unterschiedliche Bewertung was die Behandlung von Tieren betrifft, kritisch aufgegriffen wurde:

Gleiches Recht für Alle

Ein Greißler, ein armer,

Er geht eh‘ schon fast z’Grund,

Zieht sein Wagerl voll Kraut z’Haus‘,

Dabei hilft ihm sein Hund.

Weil die G’schicht halt zu schwer wird

Und es sieht’s die Polizei –

Wird der Greißler g’schwind abg’straft

Weg’n Thierquälerei.

Im Jagdfrack, im rothen,

Die Meute voraus,

Zieh’n die ad’ligen Herren

Zur Parforcejagd hinaus.

Sie hetzen den Hirsch, bis

Er ermattet z’sammbricht –

Die Thierquälerei aber

Straft kein‘ Gericht!

Der Verfasser des folgenden Artikels im Salzburger Volksblatt vom 18. August 1936 zeigte sich über die Abschaffung der Parforcejagd sehr zufrieden: „[…] Eine Meute von geübten scharfen Jagdhunden und eine große Schar von Reitern auf schnellen Pferden bringt jedes Stück Wild zur Strecke. Aber wie, das ist die Kernfrage. Das Wild wird buchstäblich zu Tode gehetzt, es wird von den Hunden gebissen und angegriffen, es ist schließlich wehrlos und erhält den Gnadenstoß. Die Parforcejagd war ein Überbleibsel der Feudalzeit. Wer sie betreiben und veranstalten wollte, mußte viel Geld haben und über großes Gelände verfügen. Einst ging diese Jagd durch die Ländereien der hörigen Bauern, die eben den Schaden tragen mußten. […] Daß sie jetzt allgemein verboten worden ist, bedeutet nur einen Abschluß, wie er nicht anders zu erwarten war. Die alte Parforcejagd war eine große Tierquälerei und rein jagdlich ohne Bedeutung. […]

Die Parforcejagd wird heute noch in einigen Ländern betrieben – zum Beispiel in Frankreich, den USA und Australien.

(Stadtarchiv Innsbruck, Ph-34640)

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Das Photo sieht aus, als hätte man Einzel- oder Kleingruppenaufnahmen zusammengesetzt – und er Hintergrund wirkt eher wie ein Studiohintergrund (Die Serles erkennt man wirklich nur, weil sie ungefähr dort sein sollte). Die Hunde scheinen gezeichnet zu sein.

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