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Mühlauer Villenpanorama II

Mühlauer Villenpanorama II

Der zweite Teil der Bilderserie des Much Heiss hilft bei der Datierung natürlich enorm. So kennt jede*r Flohmarktansichtskartenkartenstapelschnelldurchschauer*in der Stadt das Kriterium „Seegrube im Bild“ als „muss nach 1927 entstanden sein“. Natürlich darf weiter an den Details gefeilt werden auch wenn wir jetzt nur noch ein Zehn-Jahre-Zeitfenster haben. Den Autor dieser Zeilen würde interessieren ob die gut sichtbare zweite Gondelschneise (wohl die der Materialseilbahn) bei diesem Ansinnen hilft. Aus der Bergstation der Hungerburgbahn fährt die Garnitur gerade los.

Das Bild wird von den Villen des Richardswegs dominiert. Links die Nummer 7, etwas weiter rechts die Hausnummer 8. Die größere, um 1900 von Baumeister Retter erbaute Villa wird im Tiroler Kunstkataster mit dem dort eigenen Baubeschreibungskauderwelsch so beschrieben:

„Romantische spätgründerzeitliche Villa, […] optisch den Hang beherrschend. Der Ansitzcharakter durch einen kubischen Baukörper mit hoch übergiebelten assymetrisch und spiegelverkehrt korrespondierenden Risaliten und einen das Gebäude überragenden Turmanbau mit Walmdach über Fachwerkfries betont […] Unter den Dreiecksgiebeln sind die Dachgeschosse mit vorgeblendeten Krüppelwalmdächern und Fachwerkdekor geschmückt. Der Baukörper wird durch Erker, Terrassen und Balkons aufgelockert.“

Also ein von einer (für Innsbruck verdienstreichen) Baumeisterfirma entworfener Fantasie-Adelssitz für Witwe Therese Rainer, die diesen (noch als Mühlau Haus 79) dann bald an Anna Jachmann verkaufte. Die Mitbewohner waren zunächst Statthalterei-Beamte, Finanz-Oberaufseher und Nationalbank-Kontrollore, später (als dieses Bild entstand) unter anderem Rechtsanwalt Lassenau, Architekt Welzenbacher und Färbermeister Steflitsch. Wenn es so etwas wie einen Tiroler Stil der Jahrhundertwende gab, entsprechen die hier gezeigten und auf den nächsten Bildern folgenden Villen diesem wohl am ehesten. In der Leichtigkeit des Alpenbarocks trifft sich Deutsche Lebensfreude mit Italienischer Sanatorienästhetik.

Das große Mietshaus am rechten Bildrand trägt den schönen Beinamen „Villa Eldorado“, was für die Bewohner dort sicher immer ein Ansporn war, so wohlhabend zu werden wie ihre Nachbarn.

Von den Häusern am Inn (damals Mühlauer Andreas Hofer-Straße) steht heute keines mehr; mit ihnen haben wir schon so manches Rätsel auf dieser Plattform bebildert.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Das Ende 1930 abgebrannte Hotel Mariabrunn ist auf dieser Aufnahme bereits im wiederaufgebauten Zustand zu erkennen. Am 1. Juni 1931 berichtet der Tiroler Anzeiger:
    „Nun leuchtet in warmem Gelb das neue „Maria-
    brunn“-Hotel von der Hungerburg ins Tal herab und
    lockt nach Gästen. Im einfachen Stil neuer Bauformen
    steht es wieder da und es ist, wer das Bauwerk vor
    dem Brande in Erinnerung hat, kaum wieder zu er ­
    kennen. Gewiß, es gibt viele Leute, die sich vom kit- ­
    schigen Aeußeren der alten Bauform mit dem unmög- ­
    lichen Türmchen nicht trennen können und das ehe- ­
    malige „Mariabrunn“ schöner finden; doch diese Leute
    sind nicht zu bekehren….“
    Die Aufnahme wurde somit frühestens im Juni 1931 fotografiert.

  2. Und wir zerbrechen uns den Kopf wegen der Triumphgarage und dem Fahrdraht der Haller… 🙂

    Was mich interessiert: Mitten zwischen den Spuckschloß-Villen Pickfoin und Hochnase eine schlichte, heute noch erhaltene Zinskaserne. Daneben sieht man einen für damals hypermodernen niedrigen Anbau mit großer Fensterfläche, der jetzt etwas umgebaut – man möchte fast sagen rückgebaut – Fenster im Normalformat aufweist. Weiß wer etwas Genaueres über diesen architektonischen Ausreißer?

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