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In Aller Stille: Das Garnisonsspital

In aller Stille: Das Garnisonsspital

„Gestern vormittag ist … die offizielle Übergabe des neuen Militärspitals … erfolgt. Von einer größeren Eröffnungsfeier wurde abgesehen. Der denkwürdige Akt vollzog sich in aller Stille vor einem internen Kreise militärischer Persönlichkeiten,“ berichtete der Bote für Tirol und Vorarlberg am 28. September 1910.

Weil die bestehenden Räumlichkeiten in Dreiheiligen zu eng geworden waren, hatte die Heeresverwaltung ab Juni 1908 ein neues Militärspital errichtet, das 1910 in Betrieb ging, wenngleich sich einige Arbeiten noch bis ins Folgejahr hinauszögerten. Für die Bauarbeiten war ursprünglich ein Betrag vonetwas über eine Million Kronen veranschlagt worden, letztendlich beliefen sich die Kosten auf eineinhalb Millionen Kronen (umgerechnet ca. 9 Millionen Euro).

Blick in Richtung Südosten auf das neue Garnisonsspital mit seinen voneinander getrennten Gebäuden, wohl um 1910-1914

Der Ort – das heute als Conradkaserne und Militärspital 2 genutzte Geviert der Pacherstraße, Köldererstraße, Burgenlandstraße und Dr-Glatz-Straße – war bewusst gewählt worden: ein Grüngürtel trennte zunächst das neue k.u.k. Garnisonsspital Nr. 10 vom verbauten Ortsgebiet. In der obigen Karte wird dies durch die Bauern bei der Feldarbeit im Vordergrund deutlich.

Das ca. 180 mal 180 Meter große Areal gliederte sich in einzelne von einander getrennte Pavillons, etwa einer für „innerlich Kranke und einer für äußerlich Kranke, ein Pavillon für Geisteskranke und kranke Arrestanten, ein Pavillon für Infektionskranke und ein Leichenhaus“. Überall „soll für Luft, Licht und Reinlichkeit in jeder Beziehung gesorgt werden.“

Diese Perspektive verdeutlicht sowohl die ursprüngliche Randlage des Garnisonsspitals als auch die Nähe zum Militärfriedhof. Gleichzeitig sieht man, wie die Bebauung bereits bis ans Spital heranreicht. Die vielen Baracken dürften darauf hindeuten, dass die Postkarte aus der Zeit des Ersten Weltkriegs stammt.

Die obigen Zitate stammen aus einem Bericht aus dem Boten für Tirol und Vorarlberg, der das Vorhaben bereits vor Beginn der Bauarbeiten in höchsten Tönen lobte: Hier werde „ein neues, allen modernen Anforderungen entsprechendes Garnisonsspital gebaut“. Nur wenige Jahre später, im Spätsommer 1914, sollte sich herausstellen, dass auch alle modernen Militärspitäler zusammen bei weitem nicht den Anforderungen eines modernen Massenkrieges entsprechen konnten.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-G-25852-2, Ph-6774, Ph-16040)

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare
  1. Für die Krankentransporte zu dieser Einrichtung wurde 1916 eine Stichstrecke der Straßenbahn durch die Dr.-Glatz-Straße gebaut, ausgehend von der Endstation Lindengasse der Linie 3. Die Verwundetenzüge fuhren über diese Strecke ins Gelände der „Krankenverteilanstalt“ und wendeten dort in einem zweigleisigen Endbahnhof. 1920 wurden diese Gleisanlagen schon wieder abgebaut.
    Ich schreibe das deswegen, weil diese Straßenbahnstrecke zu jenen gehört, von denen bisher meines Wissens nach keine Fotos bekannt oder gar in der Literatur veröffentlicht sind. In der Sammlung Kreutz gibt es m.W. keines. Ob sich vielleicht irgendwo anders im Archiv etwas dazu findet?

  2. Danke, Herr Schneiderbauer – das ist für mich ganz etwas Neues! Die „Dreier“ durch die Dr. Glatz Straße zum Garnisonsspital – kriegsbedingt! Was werden sich hier alles für Schicksale abgespielt haben!! Diese armen Verwundeten und Kranken! Zuerst von der Dolomitenfront mit weiß Gott was zu einer Bahn, dann über den Brenner, „umladen“ am Hauptbahnhof in die Straßenbahn, dann endlich ins Spital, das ja durch eine Barrackenstadt vergrößert worden war!! Es gibt ein Foto von einer Zugsgarnitur am Bahnhofsplatz, einem Haller Triebwagen mit Frachtanhänger, teilweise seitlich offen zum Einschieben der Bahren!
    Im Stadtplan
    https://www.innsbruck.gv.at/data.cfm?vpath=redaktion/ma_v/kultur/dokumente33/stadtarchiv1/1923-schwaighofer-fuehrer
    ist die Linie sogar eingezeichnet!

    1. Hallo Herr Roilo,
      die 3er-Züge fuhren nur bis zur Endstation Lindengasse. Weiter durch die Dr.-Glatz-Straße fuhren nur eigene Krankentransportzüge, wie auf dem von Ihnen genannten Foto, das ich aus dem „Kreutz“ kenne, es ist aber auch online hier zu finden: https://www.eisenbahn.gerhard-obermayr.com/privatbahnen/lokalbahn-innsbruck-hall/lbihit-1915-bis-1921/
      Dieses Bild ist auch eine Rarität, denn es ist das einzige bekannte Bild eines solchen Zuges, der noch dazu auf einem eigenen Gleis steht, das für diese Züge vor dem Hauptbahnhof verlegt wurde. Diese „Verwundetenzüge“ wurden aus offenen Sommerbeiwagen und Güterwagen zusammengestellt, in die die Verwundeten mitsamt ihrer Liege hineingestapelt wurden. Viele kamen auch am Westbahnhof an, wo es ebenfalls ein eigenes Gleis dafür gab.
      Das alles steht im „Kreutz“.
      Ich stimme Ihnen zu – ich mag gar nicht daran denken, was für eine Qual diese Art des Transportes für die Verletzten gewesen sein muss, zumal weder Eisenbahn noch Straßebahn damals auch nur ansatzweise eine solche Laufruhe hatten wie heute.

      Ich habe eine Zeitlang in Zweifel gezogen, dass diese Strecke wirklich existierte, da das einzige, was konkret darauf hindeutete, ein einziger Chronikeintrag im „Kreutz“ war. Weitere Chronikeinträge dort könnten auch vermuten lassen, dass die Militärverwaltung, die die Strecke bauen ließ, diese durch die Amraser Straße verlegte, wo ja später die Linie 3 verlängert wurde, und sie auf der Ostseite an das Militärspital herangeführt wurde. Foto der Strecke gab/gibt es bis jetzt keines. In den „historischen Kartenwerken“ von tiris war die Strecke auch nirgends eingezeichnet. Deshalb ist die Karte, die Sie oben verlinkt haben und in der die Strecke eingezeichnet ist, für mich ein weiteres Stück wertvolle Information, vielen Dank dafür! Bisher habe ich die Strecke nur im Plan in „Tramways, Trolleys and Scenic Light Rail“ von Ray Deacon eingezeichnet gesehen und ging davon aus, dass die dort verwendete Quelle der Chronikeintrag bei Kreutz war. Jetzt sehe ich sie tatsächlich in einem Stadtplan von 1923. Das räumt für mich die letzten Zweifel aus.
      Für ein Foto müsste man vielleicht, falls im Stadtarchiv nicht noch etwas auftaucht, die Archive des Militärs öffnen, falls es so etwas überhaupt gibt – diesbezüglich habe ich mich noch nicht schlau gemacht.

      1. Danke Herr Schneiderbauer für diese ausführliche Antwort! Danke für den Link, über den man zu einer digitalen Darstellung von Teilen des Standardwerkes über die die Innsbrucker Bahnen und Busse kommt (Walter Kreutz: „Straßenbahnen, Busse und Seilbahnen von Innsbruck“ – ISBN 3-85423-008-7. Herrn Kreutz bewundere ich immer wieder!!!)
        Bei diesem oben erwähnten Foto ist neben diesem Verwundetenzug am Bahnhofplatz auch der ehemalige Prachtbau des Hotel Tyrol an der Ecke Brixner Straße – Brunecker Straße zu bestaunen! Viele werden sich daran nicht mehr erinnern können!
        Auch folgender Einträge sind für unsere Straßenbahnzufahrt zum Garnisonsspital interessant:
        21. August: (2016) Zufahrtsgleis Lindengasse-Krankenverteilanstalt (KVA) in Betrieb. Die Verwundetenzüge fahren vor den Zügen der L3, andernfalls ist in der Ausweiche Lindengasse zu kreuzen. In der Krankenverteilanstalt Einfahrt auf das vordere Gleis neben der Einsteighalle, sodann setzt der Tw um. Krankenzüge, die von der Verteilanstalt kommen, haben vor der Ausweiche Lindengasse anzuhalten. Die Stadt schlägt vor, von der KVA eine Abzweigung nach Osten bis zur Amraser Str. und zum neuen Pradler Friedhof zu bauen. Die LB ist von dem Vorschlag nicht begeistert, denn sie will die Linie durch die Amraser Str. führen, weil dort eine dichtere Besiedlung zu erwarten ist.
        21. November (2016): Für liegende Verwundete sind ab sofort nicht mehr die Gw, sondern die offenen Sommerbw 127, 128, 131 und 133 zu verwenden. Auf Bahren mit einschiebbaren Holmen können 12 Liegende (4 quer über die Sitze, 2 längs am Boden, 6 auf den oberhalb der Sitzbretter angebrachten Querbalken) befördert werden.
        14. Februar (1920): Verlängerung der L3 von der Lindengasse bis zum Ostportal des Kriegsbeschädigtenspitals unter Verwendung der von der k. k. Armee hinterlassenen Gleisanlagen in der Krankenverteilanstalt. Die Hst Lindengasse wird Bedarfs-Hst, neu errichtet werden die Hst Kriegsbeschädigtenspital und die Ecke Amraserstr./Burgenlandstr. gelegene Endstation Amras. Innerhalb des Barackenlagers ist das Anhalten sowie Ein- und Aussteigen verboten. Bei Anhängerbetrieb muß in der Lindengasse umgesetzt und zur Endstation geschoben werden. Feste Kreuzung in der Ausweiche Lindengasse.
        5. März (1920): Lindengasse-Amras 15-Min.-Verkehr. Jeder zweite Zug fährt bis Amras (3 Tw und 3 Bw), 2 Tw nur bis Lindengasse.
        25. November (1920): Das BM für Verkehr verlangt ein Detailprojekt für die Strecke Lindengasse-Amras. Die Gleisanlage ist noch nicht abgetragen, da die Entscheidung der Gemeinde aussteht.
        Wahrscheinlich gibt es noch mehr darüber.
        Übrigens: Auch bezüglich des Gleises vor dem Westbahnhof ist etwas zu lesen – dazu (später) in http://innsbruck-erinnert.at/hoch-hinaus-3/

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