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Hoch Hinaus

Hoch hinaus

Ich wurde von einem Stammleser unserer Beiträge ersucht, den Verlauf des ehemaligen Westbahn-Viaduktes der Straßenbahn für seine Töchter zu erläutern. Das mache ich natürlich gerne. Trotzdem erlaube ich mir die Ergänzung, dass die Töchter in ihrer Kindheit das Bauwerk noch gesehen haben.

Der Duden kennt übrigens „das“ Viadukt ebenso wie „den“ Viadukt.

Die Straßenbahnlinie „1“ wurde 1905 bereits elektrifiziert eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt führte die Linie natürlich bereits über den stählernen Viadukt. Das änderte sich erst 1953 als die Konstruktion abgebaut wurde. Seit 1956 fährt die „1er“ über die Konzertbrücke.

Nach dem Westbahnhof begann Richtung Osten der langsame Anstieg der Straßenbahnlinie. Für die verhältnismäßig schwachen Motoren der Bahn war das eine schwere Herausforderung. Der Legende nach mussten immer wieder Passagiere aussteigen und neben der Bahn herlaufen, dass diese auch die Steigung schafft. Auf der Höhe der Neuhauserstraße machte die Strecke einen 90-Grad-Bogen Richtung Süden über die Eisenbahn um bei der Pastorstraße langsam wieder auf die ebene Erde zurückzukehren.

Dieser Viadukt war eine sehr große Konstruktion, die notwendig war, um die Arlbergbahn zu überqueren.

Das Ende des Viaduktes war bereits im Beitrag Berg- und Talfahrt zu sehen.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Signatur: Kr/Ne-2480; Ni-1478; Ph-13.544)

Dieser Beitrag hat 9 Kommentare
    1. Da haben Sie mich kalt erwischt, Herr Roilo 🙂 Denn ich wusste bisher nichts von einem Gleis in der abgebildeten Lage während der Betriebszeit des Westbahnhofviadukts.

      Zur Untermauerung der Analyse wäre es hilfreich, die beiden Bilder hier auf der Seite, die dieses Gleis zeigen, in hoher Auflösung zu sehen. Sie sind leider nur in relativ geringer Auflösung am Server, so dass ich das Zielschild am Beiwagen leider auch in voller Größe nicht entziffern kann. Am Triebwagen glaube ich jedoch die Liniennummer 1 zu erkennen (zeitenweise endeten auch die Linie 5 sowie eine nummernlose Anschlusslinie zur HBB am Westbahnhof). Was ich bei der vorliegenden Auflösung auch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit erkennen kann, ist, ob am Westbahnhofviadukt die Fahrleitung noch existiert oder nicht. Am Viadukt gab es aber zur Sicherstellung ausreichender Spannung einen doppelten Fahrdraht, der eigentlich, wenn er noch da wäre, sehr deutlich zu sehen sein sollte – ich vermute, dass er bereits weg ist (Kupfer war in der Nachkriegszeit wertvoll, der Fahrdraht wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit sofort an anderer Stelle wiederverwendet), was meine gleich folgende These ebenfalls stützen würde.

      Diese lautet so: auch bestärkt durch den auf beiden Bildern im Hintergrund sichtbaren Kran und der provisorischen Anmutung dieses Gleisstücks (Vignolschienen), das sich am rechten Bildrand auf zwei Gleise zusammenläuft aufteilt und links an einem improvisiert wirkenden Holzprellbock endet (und somit eine simple Wendeanlage ist), vermute ich, dass die Aufnahmen im Zeitraum von 26.1.1956 bis Winterende 1956 entstanden sein dürften, da die Linie 1 ab diesem Tag für eine Weile genau an der abgebildeten Stelle ihre provisorische Endstation hatte; Walter Kreutz schreibt dazu in seinem Buch: „26. Jänner (1956, Anm.): L 1 neue Endstation in der Egger-Lienz-Straße (Ecke Neuhauserstraße).“ Dort konnten die Fahrgäste nach Bergisel mit ein paar Metern Fußmarsch in Pendeltriebwagen der Linie 3 umsteigen, die zwischen Wiltener Platz und Bergisel via Leopoldstraße hin und her fuhren. Mit 15. August konnte dann die neue zweigleisige Strecke der Linie 1 über die Konzertbrücke in Betrieb genommen werden und das Provisorium war nicht mehr nötig.

      Ich danke dem Stadtarchiv wieder mal für die tollen Bilder und für mich wieder ein Stück bisher ungesehener Innsbrucker Tram-Geschichte!

      1. Ich danke ebenso dem Stadtarchiv für diese Bilder, aber auch Ihnen, Herr Schneiderbauer, für den so interessanten Beitrag. Ich wusste ja, dass man sich auf unsere Experten verlassen kann!

        Vielleicht noch etwas zur Fahrleitung (ob sie auf diesen Bildern noch existiert oder nicht mehr): Wenn man das, zugegeben viel ältere, Foto auf http://innsbruck-erinnert.at/berg-und-talfahrt/ anschaut, würde ich schon glauben, dass man die Aufhängungen auf den Portalstützen sehen müsste, wenn sie noch montiert wären. Die seitlich angehängte Leitung sieht man ja auch noch.

      2. Herr Schneiderbauer – Sie erwähnen in http://innsbruck-erinnert.at/in-aller-stille-das-garnisonsspital/ das Gleis vor dem Westbahnhof zur Übernahme der Verwundetentransporte. Vielleicht geht es dabei um den Gleisabschnitt in den beiden unteren Bildern dieses Beitrages mit dem Prellbock? Während das Anschlussgleis zum Garnisonsspital und das Übernahmegleis auf dem Bahnhofsplatz (dem heutigen Südtirolerplatz) nach dem 1. Weltkrieg abgebaut wurden, blieb dieser Strang anscheinend bis nach dem 2. Weltkrieg bestehen (??)

        Dazu aus dem Buch von Walter Kreutz:
        2. Februar (2016): ……. Auch die Ausweiche Westbhf soll verlängert werden, die Züge könnten direkt vor dem Aufnahmegebäude halten.
        23. Juni (1916): ………Güter für die Krankenverteilanstalt und das Garnisonsspital sind am Westbhf umzuladen und mit der Straßenbahn zuzuführen.
        1. Mai (1916): Verlängerte Ausweiche Westbhf in Betrieb. Haltestelle Ecke Andreas-Hofer-Str./ Staatsbahnstr. stadteinwärts hinter der Weiche

        1. Herr Roilo, das ist eine interessante These und eine gute Frage.

          Spontan gefragt, glaube ich nicht, dass ein offensichtliches Provisorium wie das abgebildete, mit Holzprellbock, 40 Jahre lang betriebsfähig bestehen hätte können, ohne genutzt zu werden. Als Station, mit Haltestellenschild wie abgebildet, jedenfalls sicher nicht. Bei Kreutz wird mehrmals eine Ausweiche erwähnt, keine Wende – diese Gleisanlage war aber keine Ausweiche. Die provisorische Strecke war, ich habe es am Stadtplan gerade nachgemessen, rund 180 m lang. Dem unteren Bild zufolge dürften ca. 150 m davon zweigleisig gewesen sein. Das ist alles in allem dann doch mehr als ein kurzer Gleisstumpf. Letztes Gegenargument: wozu hätte man 1916 ein Gleis dieser Länge und in dieser Lage gebraucht? Die Verwundeten und die Güter waren vor dem Westbahnhof zu verladen.

          Ich glaube, dass das Ladegleis aus dem WW1 weiter südlich lag, direkt vor dem Aufnahmegebäude begann und nicht länger als vielleicht 50 Meter war.
          Die Gleisanlage, von der hier, 40 Jahre später, die Rede ist, war eher im zweigleisigen Teil bereits eine kurz vor Betriebseinstellung des Westbahnhofviadukts erbaute Vorleistung auf die spätere zweigleisige Strecke in Mittellage des Südrings mit einer provisorischen Wendestelle am Ende – ganz ähnlich wie die heute existierende provisorische Wendestelle der Linie 5 in der Schützenstraße.

          Trotzdem kann ich im Moment nicht ausschließen, dass Ihre These zutrifft. Nachweisbar oder falsifizierbar wäre das mit Fotos des Bereichs vor dem Westbagnhof aus 1916 bis 1956. Ich behalte das im Hinterkopf, das will geklärt werden. 🙂

          Herr Roilo, ich muss Sie als Pradl-Kenner noch etwas anderes fragen: die Linie 3 hatte ab oder nach 1921 offenbar in der Pradler Straße ein Schleppgleis zum Sägewerk der Firma Alois Wörle. Das war m.W. die einzige Zweigstrecke der 3er neben jener zur KVA. Wissen Sie etwas darüber, wissen Sie vielleicht wo dieses Sägewerk genau war? Im „Kreutz“ gibt es nur eine Erwähnung.

          1. Lieber Herr Schneiderbauer – ganz kurz zu Ihrem letzten Absatz: Das Sägewerk Alois Wörle lag an der Amraserstraße zwischen Einmündung der Gumppstraße und der Pradlerstraße. Ich weiß, dass entlang der Südseite des Sägewerkes, also in der Amraserstraße noch in den Fünfzigerjahren Oberleitungsmasten standen!
            Vor Jahren hat es eine Pradler Stadtteilzeitung, in der laufend Bilder aus der Sammlung Walter Kreutz abgedruckt waren. Ich bilde mir ein, da gab es auch welche, auf denen das Sägewerk zu sehen war. Ich werde im Keller danach suchen, bitte geben Sie mir noch etwas Zeit!

          2. Ich habe die zwei Bilder mit dem Sägewerk Alois Wörle gefunden!
            Bild 1: Blickrichtung Süd gegen Nord (Schrebergärten südlich der Amraserstraße – Amraserstraße – Sägewerk Alois Wörle – Rückseite der Häuser Amraserstraße 23 / Gumppstraße 6 – 14/ Pradlerstraße 68 – 76). Man sieht auch gut die Oberleitungsmasten! Als Text steht: „Die Amraser Straße um 1957. Noch steht das Sägewerk Wörle. Wo sich heute die Sonnpark-Häuser erheben waren nur Gärten. Auf der Amraser Straße stehen noch die Oberleitungsmasten, die jedoch nie in Betrieb genommen wurden“
            Bild 2: Blickrichtung Nord – Süd (Drei Rundholzstapel, rechts das Haus Amraser Straße 23 gerade im Bau – Amraser Straße – Schrebergärten – im Hintergrund die Häuser der Knollerstraße / Tivoli Stadion – Berg Isel). Auch hier sieht man die Oberleitungsmasten! Text dazu: „Der Blick in die entgegengesetzte Richtung. Von der Gumppstraße konnte man ungehindert das Tivolistadion und die Wiltener Basilika sehen. Es gab weder das Tivoli Bad noch den Sonnpark“.
            Beide Bilder sind aus der Sammlung Walter Kreutz, die ja im Stadtarchiv ihre Heimat gefunden hat. Es dürfte also nicht schwierig sein, diese herauszusuchen. Man könnte sogar einen eigenen Beitrag gestalten – liebes Stadtarchiv Team!
            Nochmals: Diese und viele andere Kreutz-Bilder von Pradl waren jeweils auf einer Doppelseite unter „Pradl…nostalgisch“ in der Zeitschrift der „Interessensgemeinschaft Pradl IP“ abgedruckt. Ich habe sieben Doppelblätter davon aufbewahrt, auf der Rückseite befinden sich Inserate von Pradler Firmen, allerdings keinerlei Datumsangabe! Da ich aber anfangs der 80er Herrn Kreutz einige Foto von mir gab und zwei davon auf diesen Blättern zu sehen sind, dürften diese Zeitungen aus der Mitte der 80er stammen.

  1. Grüß euch
    Hier mein Kommentar zu den zwei fragen:
    1. Stumpfgleis – Während den Umbauarbeiten der Gleisverlegung in die Konzertkurve wurde nicht nur das ÖBB Gleis verlegt, sondern auch die Pastorstrasse und Konzertstrasse neu errichtet. In diesem Zeitraum fuhr die Strassenbahn Linie 1 nur bis bzw. vom Westbahnhof weg. Linie 3 fuhr damals vom Wiltener Platz bis Bergisel. Züge der Linie 1 fuhren morgens und abends über den Wiltener Platz/Leopoldstrasse in die Remise.
    2. Krankentransporte – in erster Linie wurden Verwundete, welche mit der Bahn nach Innsbruck kamen, am Hauptbahnhof umgeladen. Eine zweite Verlademöglichkeit errichtete man vor dem Westbahnhof, wo von der Egger Lienz Strasse/Andreas Hofer Strasse gegen Westen ein kurzes Stück gerade weiterführte. Dies war nur von kurzer Dauer dort, um 1918 herum.
    Werner

    1. Werner, danke!
      Zu 2.: das Stichgleis für die KVA vor dem Westbahnhof ging also nach Westen? Vermutlich am südlichen Straßenrand? Gibt es dir bekanntes Bildmaterial davon?
      Und dieses Gleis wurde dann gleich wieder abgebaut? Ist das irgendwo belegt, etwa durch spätere Bilder ohne Gleis?

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