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Geplante Obsoleszenz

Geplante Obsoleszenz

scheint nicht das Konzept der Tirolia Gasherde gewesen zu sein. Sie taten 50 oder auch einmal 70 Jahre das, was man von ihnen erwartete: Sie erwärmten über ihre gußeisernen Kochplatten Töpfe und Pfannen so lange, bis das darin cuisinierte Gemenge weich und wohlschmeckend war. Deshalb konnte man noch 2015 einen angeschlossenen Tirolia Gasherd in einer – zugegeben originell gealterten – Innsbrucker Wohnung finden.

Wohnungsauflösung in der Schöpfstraße 2015; genau dieser Herd steht mittlerweile von Werner Hörtnagl liebevoll geputzt und poliert im Innsbrucker Stadtarchiv.

Dieser Herd dürfte in den 1930er Jahren angeschlossen worden sein; aus dieser Zeit stammt auch die Ansichtskarte mit der reizenden Egger-Lienz-Straße und ihrer schattenspendenden Baumreihe, auf der sich eine zeitgenössische Werbetafel für das patriotisch benannte Herd-Produkt findet. Zu dieser Zeit warben die Innsbrucker Installateure in ihren Kleinanzeigen dafür, sofort so einen Herd in eine moderne Wohnung einbauen zu können. Der zum Westfriedhof führende Teil der Schöpfstraße ist mangels touristischer Attraktionen nicht sehr oft auf Ansichtskarten verewigt worden, dabei ist es eine wunderbare gründerzeitliche Fassadenreihe nach Wiltener Art.

Das städtische Gaswerk lud ab 1930 zu Werbeveranstaltungen mit buntem Filmprogramm ins moderne Hochhaus, um die Hausfrauen von den Qualitäten der neuen Herde zu überzeugen:

Noch drei Zeilen zu Überschrift:

Der erste bekannte Fall, bei dem sich eine ganze Industrie weltweit verabredete, um ihr eigenes Produkt absichtlich schlechter zu machen, damit es zwar eine Zeit aber auch nicht allzu lang funktionierte, hat schon in den 1920er Jahren stattgefunden; wenn Sie heute 1000h auf einer neuen LED Glühbirne als ideale Lebensdauer lesen und sich ärgern – alles ein alter Hut. Das Phoebuskartell feiert bald seinen hundertsten Geburtstag.

(Collezione G. Prada)

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Die erste Ansichtskarte hatten wir schon am 29. November, nur mit einer kürzeren Beschriftung und deutlich mehr Kontrast.
    Bei der Schöpfstraße ist mir gerade aufgefallen, wie breit eine bekannte Straße ohne geparkte Autos wirkt – schon ganz ungewohnt.

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