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Die Wechselvolle Geschichte Eines Rüstwagens

Die wechselvolle Geschichte eines Rüstwagens

Um 1919/1921 – die Quellen geben hierüber keinen eindeutigen Aufschluss – erhielt die Innsbrucker Berufsfeuerwehr ihren ersten automobilen Rüstwagen (Fiat) mit Vollgummi-Bereifung und Kettenantrieb. Dieses Fahrzeug, das vermutlich aus Armeebeständen der untergegangenen Habsburgermonarchie stammte, war bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr taufrisch. Sein Fahrgestell stammte aus dem Jahr 1908 (!) und mit zunehmendem Alter häuften sich die Defekte, mitunter traten sie auch auf der Anfahrt zu Einsätzen auf.

Dennoch musste die Berufsfeuerwehr über 15 Jahre mit diesem Fahrzeug auskommen. Zwar bemühte sich die Branddirektion bereits 1935 um einen zeitgemäßen Ersatz; die angespannte finanzielle Lage der Stadt stand einer schnellen Lösung jedoch im Wege. Erst im Jahr 1937 konnte ein gebrauchtes, aber immerhin generalüberholtes Schnelllastwagenchassis (Gräf & Stift) mit einem V8-Motor (65 PS, Höchstgeschwindigkeit 60 km/h) um 12.000 Schilling (rund 45.000 Euro) angekauft werden. Mit dem Aufbau wurde die Innsbrucker Firma Alois Meisinger betraut, die die Arbeiten im Sommer 1938 abschloss.

Unser Titelfoto zeigt den Wagen – mit der notorischen Hakenkreuz-Beflaggung – unmittelbar nach seiner Indienststellung im Hof des Rathauses. Obwohl ursprünglich auf eine Dienstzeit von 20 Jahren ausgelegt, wurde der Rüstwagen nur zwei Jahre später durch ein neues Löschfahrzeug LF 15 (Klöckner-Humboldt-Deutz) ersetzt und „in Reserve gestellt“.

Der Rüstwagen auf einer Aufnahme, nachdem er in die Reserve überstellt worden war. Statt des Schriftzuges der Berufsfeuerwehr trug er nun jenen der „Feuerschutzpolizei Innsbruck“.

Bis 1945 stand es bei diversen Luftschutzeinheiten im Dienst, zuletzt war der Rüstwagen beim Schloss Mentelberg stationiert. In den Wirren des Kriegsendes verschwand der Wagen von dort und wurde später „ziemlich demoliert im Graben östlich der Villa Blanka aufgefunden und geborgen“.

Nun stellte sich die Frage: Was tun mit dem Rüstwagen? Einerseits sprach seine nicht genormte Bauweise gegen eine Wiederverwendung im Feuerwehrdienst. Andererseits war eine Verschrottung angesichts des Mangels an Fahrzeugen auch keine wirkliche Option. Die Idee, den Wagen in einen LKW zu verwandeln wurde rasch wieder verworfen. Schließlich entschloss sich die Berufsfeuerwehr dazu, den Wagen in Eigenregie in ein Mannschaftstransportfahrzeug für Großeinsätze umzubauen. Gleichzeitig sollte der Wagen auch anderen Magistratsabteilungen für Betriebsausflüge zur Verfügung stehen. Wann das Fahrzeug schließlich endgültig außer Dienst gestellt wurde, konnte bislang nicht rekonstruiert werden.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-12788 & Ph-12855)

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