skip to Main Content
#bilderschauen --- #geschichtenlesen --- #gernauchwiederimarchiv
Die Schmiedhütte …

Die Schmiedhütte …

… befand sich nicht etwa auf einem der Berghänge in der Innsbrucker Umgebung, sondern mitten in der Stadt, genauer gesagt in der Mariahilfstraße in unmittelbarer Nähe der Innbrücke. Um die Jahrhundertwende betrieb Felix Fankhauser (gest. 1910) dort seine Huf- und Wagenschmiede, weshalb die Hütte auch „Fankhauserhütte“ genannt wurde. Zu ihrer Geschichte lassen sich nur spärliche Informationen finden, sieht man einmal davon ab, dass die Hütte offenbar für viele Bürger ein Ärgernis darstellte. Bereits im Feber 1876 erschien in den Innsbrucker Nachrichten folgender Leserbrief:

„Grauenhaften Ekel erregenden Vorschub leistet in Mariahilf die sog. Fankhauserhütte. Hinter derselben ist ein offizieller Abort – nur um viele Percent schlechter wie ein gewöhnlicher – in welchem der Koth nicht wie bei einem Abort dem menschlichen Auge entzogen oder weggeräumt wird, sondern zur Verherrlichung und Illustration einer Landeshauptstadt liegen bleibt. Wer’s nicht glaubt, dem steht die Selbstüberzeugung offen.“

Im frühen 20. Jahrhundert wurde die Hütte dann zusehends als Verkehrshindernis angesehen. So berichtete etwa der Allgemeine Tiroler Anzeiger am 3. November 1911:

„Die Pflasterung der Mariahilfstraße schreitet rüstig vorwärts und es wird angenehm empfunden werden, wenn dort das Kotmeer und die fortwährende Einschotterung einmal wegfällt. Es wäre auch höchste Zeit, wenn bei dem großen Fuhrwerks- ­und Automobilverkehre eine Regulierung an der ungemein verkehrsstörenden Schmiedhütte vorgenommen würde, bevor einmal ein großes Unglück passiert, denn die Wägen werden nach der Pflasterung viel stärker von der Innbrücke hinausrollen als früher. Wenn sich das Straßenärar bereits mit dem Projekt einer Umlegung der kostspieligen Zirler Bergstraße besaßt, um sie für den Autoverkehr allgemein fahrbar zu machen was auch von Vorteil ist, könnte bei einigem guten Willen zwischen dem Aerar und der Stadt Innsbruck sowie dem Besitzer auch das oben erwähnte Hindernis endlich behoben werden. Es wäre für den Besitzer auch sehr angezeigt, wenn er seine Forderung etwas reduzierte, da durch einen Brand oder eine Fuhrwerkkarambolage die alte Hütte leicht einmal überrumpelt werden könnte und ein Wiederaufbauen Schwierigkeiten haben dürfte.“

Trotz dieses und anderer (Zeitungs-)Berichte stand die Hütte auch noch im Juli 1928 auf ihrem alten Platz, wie unser Titelfoto zeigt. Die Ostwand wurde als Werbefläche für verschiedene Unternehmen und Produkte verwendet. Nur wenige Tage später wurde die Schmiedhütte schließlich abgetragen: „Damit ist ein den starken Verkehr der heutigen Zeit hinderndes Objekt gefallen und auch das Straßenbild hat durch den Abbruch dieser alten Hütte nur gewonnen. Nun wird auch schon daran gearbeitet, um die Fahrbahn zu verbreitern,“ meldete der Tiroler Anzeiger am 24. Juli 1928.

Das Ende der Schmiedhütte. Aufnahme von den Abbrucharbeiten Ende Juli 1928.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-773 / Ph-849)

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Und heute wollen wir den Autoverkehr wieder weg haben – ich glaube, ich werde dafür sein, in der dort kommenden Begegnungszone eine Remineszenz an diese Hütte, von der ich bisher noch nie gehört hatte, aufzustellen 😀
    Interessant auch das „Kotmeer“ – vorstellen will ich mir nicht, wie das ausgesehen haben könnte, aber offensichtlich hatte die Koatlack’n in dieser Zeit ihren Namen noch zu Recht xD

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top
×Close search
Suche