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Die „Kaiserkrone“

Die „Kaiserkrone“

Wir blicken über den Inn auf die nördliche Front der Altstadt. Am linken Rand blickt noch der Kräuterturm über die benachbarten Gebäude. Das hilft uns bei einer ersten Datierung dieser Aufnahme, da der Turm 1890 abgebrochen wurde. Auch das westlich anschließende Haus schaut heute deutlich anders aus.

Das eigentliche Ziel dieses Beitrages ist aber die „Kaiserkrone“. Eine Chronik in Stichworten: Bereits im späten 15. Jahrhundert wird hier von einem öffentlichen Bad berichtet. Im Jahr 1600 gelangt es an die Stadt Innsbruck. 1831 wird es unter privater Führung als Weinstockbad eröffnet. Ab 1850 befindet sich hier das erste öffentliche Dampfbad. Dieses führt seit 1885 die Bezeichnung „Zur Kaiserkrone“. Aber auch diese Einrichtung und das Gebäude hielten sich nicht lange. Das Bad und Gasthaus zur „Kaiserkrone“ wurde abgebrochen und an dieser Stelle ein Volksbad errichtet. Davon gibt es leider kaum eine Innen-Aufnahme. Der Neubau wurde am 28. Oktober 1914 eröffnet. Diese Anstalt blieb bis Ende der 1950-er Jahre bestehen. Ich bin sicher, der ein oder die andere LeserIn kann vielleicht noch eine persönliche Erinnerung damit berichten…

Als Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg öffentliche Badeanstalten immer weniger benötigt wurden, wurde auch diese eingestellt und nach mehreren Jahren einem anderen Zweck zugeführt. Aber das ist eine andere Geschichte…

Beachtenswert ist auch die Verbauung des Inns. Diese ist bereits zu diesem Zeitpunkt recht beeindruckend, wenn auch die Höhe der Mauer nicht die letzte Sicherheit zu bieten scheint.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Signatur: Ph-25.564)

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. 1914 hatte das neugebaute Volksbad 30 Wannen- und 6 Brausebäder. Es herrschte strenge Geschlechtertrennung: Im Erdgeschoß badeten die Männer, im ersten Stock die Frauen. Im 2. und 3. Stock waren Wohnungen. Im Dachboden befand sich ein Wasser-Reservoir, mit dem die Bäder gespeist wurden.
    Es gab sogar schon einige Waschmaschinen und einen Wäschetrockner.
    Nähere Details zum Neubau der Badeanstalt inkl. Details zur damaligen Warmwasseraufbereitung finden sich in den Innsbrucker Nachrichten vom 28. Oktober 1914:
    https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ibn&datum=19141028&seite=4&zoom=33&query=%22volksbad%22&ref=anno-search

  2. Jetzt kenn ich mich nicht ganz aus. An der Stelle, an der sich die „Kaiserkrone befunden hat, gähnte nach dem 2. Weltkrieg die längste Zeit ein Loch mit der Attraktion eine der letzten Bombenruinen Innsbrucks zu beherbergen,

    Das Volksbad habe ich hingegen mit absoluter Gewissheit in jenem Gebäude in Erinnerung, in welchem heute – bingo! – das Stadtarchiv untergebracht ist. Oder gab es noch ein zweites Bad? Das „Archivbad“ habe ich als Wannenbad in Erinnerung, wo man – heute unvorstellbar (auch die zeitlichen Badeintervalle) – sich für eine halbe oder ganze Stunde ein Badezimmer mit Wanne mieten konnte. Ich war als Kind mit meiner Mutter öfter dort. In Erinnerung sind mir die weiß gekleideten Badefrauen, die immer alles blitzblank geputzt hielten, das Badewasser einließen, ein Trinkgld erhofften, aber auch unmißverständlich für Ordnung sorgten. Die Bedienungsvorrichtung des Ablaufstopfens war ein externes Standgerät welches mich an die Maschinentelegrafen der Achenseeschiffe gemahnten. Und das ganze Haus war eine einzige Klangwolke des Widerhalls und Wassergeplätschers…
    Das wasserspeiende Fischlein beim Eingang ist heute die einzige bestehende Erinnerung an die alte Einrichtung, Das klare eiskalte Wasser war ein krasser Gegensatz zur wohligen Badwassertemperatur.

      1. Genau dieses Haus hab ich gemeint! Hatte nicht in Erinnerung (da sieht mans wieder, wie vorsichtig man mit dem Gedächtnis sein muß), daß noch soviel erhalten war. Danke für den Link, der insgesamt sehr interessant ist!

    1. Was für die Stadtler Volksbad und Dampfbad war, war für uns Pradler das Hallenbad in der Amraserstraße. Wir hatten ja in unserem ganzen Haus kein Bad, im Sommer gab es wenigstens die danebenstehende Waschküche. Gegenüber unserer Umgebung hatten wir sogar den Vorteil, dass wir das heiße Wasser nicht erst aufheizen mussten, das lieferte uns der Backofen unserer Bäckerei so nebenbei.
      Aber im Winter? Da gingen wir einmal in der Woche hinauf ins Hallenbad, nicht etwa im großen Schwimmbad schwimmen, sondern nur in die Abteilung der städtischen Wannen- und Brausebäder in den unteren Stockwerken. Meistens eine halbe Stunde brausen, Wannenbäder waren schon ein Luxus, den wir uns nicht gönnten.
      Ich kann mich noch gut erinnern, wie die Kunden im Geschäft über die Südtiroler im Pradler Saggen und in Neupradl draußen schimpften. Die hatten ja alles neue Wohnungen mit Bad bekommen – und wir??

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