Wo die grünen Papageien wohnen
Es mag sich zwar um einen „gewöhnlichen“ Trompetenbaum, also eine Catalpa bignonioides, handeln, doch der Trompetenbaum im Hofgarten ist weit außergewöhnlicher, als seine biologische Bezeichnung vermuten lässt. Denn er liegt, zumindest teilweise, am Boden.
Als der Baum vor rund hundert Jahren im zarten Alter von etwa zwanzig Jahren durch einen Sturm umgeworfen wurde, entfernte man ihn nicht. Stattdessen schlug er in seiner neuen Lage erneut Wurzeln. Aus dem liegenden Hauptstamm wuchsen später zwei neue, senkrecht aufragende Stämme. So entstand die bis heute beeindruckende und ungewöhnliche Form des Baumes.
Um den Trompetenbaum ranken sich aber auch einige „Urban Legends“. In meiner inzwischen schon weit zurückliegenden Kindheit hörte ich mehrfach die Geschichte, dass in seiner weit ausladenden Krone grüne Papageien wohnen würden. Man könne sie nur nicht sehen, hieß es, weil sie selbst grün seien und sich perfekt im Blätterdach versteckten.
Nun musste ich allerdings feststellen, dass Halsbandsittiche, also tatsächlich grüne Papageien, die Samen des Trompetenbaums als Nahrung nutzen. Vielleicht war an den alten Geschichten also doch etwas dran. Ich glaube, ich bin da einem Geheimnis auf der Spur …
(Stadtarchiv/Stadtmuseum, Ph-27626)
Es gab eine recht große Sittich- oder Papageienpopulation im Hofgarten in meiner Kindheit und Jugend, ich erinnere mich daran, das waren sogar ziemlich viele und sie schwärmten auch im Englischen Garten herum. Ich bilde mir aber ein, dass die mehrfarbig waren, nicht nur grün. Ich glaube, die lebten mehrere Jahre dort.
Tasächlich findet sich was drüber in der Wikipedia: es waren Halsbandsittiche, und sie bevölkerten den Hofgarten sogar ziemlich lange, von 1978 bis 2006. Es gibt sogar eine Arbeit darüber: https://www.landesmuseum.at/pdf_frei_remote/Mont_9_0366-0371.pdf
Im Winter saßen die Vögel bei der Abluft am Dach vom Kongresshaus um sich zu wärmen.
Wo sind die Vögel eigentlich hinverschwunden? Waren eine Bereicherung des Hofgartens.
Leider ausgestorben. Siehe das PDF, das ich oben verlinkt habe. Zitat: „Zusammenfassend vermuten wir als Ursache für den Bestandszusammenbruch des Halsbandsittichs in Innsbruck zwischen 1999 und 2000 eine Kombination folgender Faktoren: Verlust thermisch begünstigter Schlafplätze im Winterhalbjahr, Einstellung der intensiven qualitativ hochwertigen Winterfütterung und möglicherweise Auftreten einer fulminanten Infektionserkrankung. Mit den dramatischen Rückgängen in Innsbruck und Wien (TEUFELBAUER in Vorbereitung) dürfte der Halsbandsittich damit vorläufig als regelmäßiger Brutvogel in Österreich ausgestorben sein (vgl. RANNER 2005).“
Viele Menschen, auch ich, erfreuten sich an den zutraulichen grünen Hofgarten-Papageien – angeblich Nachkommen eines in Innsbruck entwischten Pärchens. Besucher wurden lautstark und fröhlich begrüßt. Dass sie im Winter gerne auf dem Dach des Kongresshauses saßen, um sich aufzuwärmen, war allgemein bekannt. Traurig, dass es sie nicht mehr gibt.
Ein frecher Kerl würde sagen:
Z’was brauchn mir dee? Melken kannsch sie nit, s’Fleisch isch aa nix – und die Eier sein aa viel z’kloan…, dee kannt ma ja nit verkaffn…. für was brauchn mir dee Vögel??? Und s’Kongreßhaus müaßma besser isoliern. Der Strom koscht‘ viel z’viel…
Aber wahrscheinlich waren eh die Seeg’frörne-Winter Schuld daran – oder kann jemand den Zeitpunkt ihres Verschwindens einigermaßen genauer eingrenzen?
Mit viel gutem Willen erkennt man die Sittiche auf diesem Kurzfilm, den mein Vater gedreht hat:
https://www.youtube.com/watch?v=ZhiS8seJ6fs