Was ist denn da passiert?
Wir befinden uns in Innsbruck. Logisch, ist ja auch die Nordkette im Bild. Also sind wir in der Höttinger Au. Was zur Frage führt, wie groß der Fotograf wohl ist. Auch wenn er auf der höchsten Leiter der Innsbrucker Feuerwehr steht, geht sich das nicht aus. Muss wohl woanders sein.
Auch muss man sich fragen, was die Steinhäufen am orographisch linken Ufer uns sagen wollen. Die aktuell so beliebten Sperren von gebührenfreien Parkmöglichkeiten für die Autos von deutschen Studierenden mit Blocksteinen werden es ja noch nicht sein. Aber man muss zugeben, dass man dort nicht parken kann. Vielleicht wird etwas flussabwärts gerade ein Sandstrand angelegt? Hawaii in Stadtnähe?
Wenn wir den Vordergrund genauer anschauen erkennen wir zahlreiche mehrstöckige Gebäude, die eigentlich recht eng beisammen stehen. Verkehrsmäßig scheint die Gegend nicht so gut erschlossen zu sein. Anders als heute.
Beeindruckend im Hintergrund ist die schottrige Abbruchkante im Hintergrund. Gibt es Mutige, die sich zutrauen, das ein oder andere Auto zu identifizieren? Vor allem der (Post)-LKW mit dem langen Rüssel ist charakteristisch.
Da ist noch viel, viel mehr, das man besprechen sollte. Aber das überlasse ich gerne Ihnen.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-14.553)
Die Petrus Canisius Kirche steht bereits, also sind wir hier frühestens im Jahr 1972.
Der Fotograf könnte am Fernheizwerk Innrain an der heutigen Freiburgerbrücke gestanden sein. Es ging 1977 in Betrieb.
Ein Foto aus der Zeit der hübschen Innuferverbauung die von der Stadt her schon bis zur Gabelung Fischnalerstraße / Uferstraße fortgeschrietten ist. Die diversen Steinhaufen werden schon das Material für den weiteren Verlauf der Arbeiten darstellen.
Der Fotograf wird das Bild Mitte der Siebzigerjahre vom Turm des Fernheizwerkes oder vom nächsten der Huterhochhäuser aus aufgenommen haben, das Winkelmessen spar ich mir.
Die Szenerie dokumentiert die zu Ende gehende Zeit der Verkehrswege meiner Jugend, Noch gibt es keine Holzhammerbrücke, der Mitterweg ist noch unbedeutende Fortsetzung der Fischnalerstraße, die den geringen Verkehr aus der Uferstraße und der Dr. Stumpff Straße aufnahm. Etwa zehn Jahre später ist da alles anders, die Freiburger Brücke bildet den Zubringer für eine Verlängerung des Südrings bis zur Höttinger Au und adelt den Mitterweg zur neuen dritten Ost-West Achse anstelle der verschlafenen Dr, Stumpff Straße, die dann, an ihrem Ende zum Rad und Fußweg degradiert, keine Fortsetzung mehr in die Stadt findet.
Die noch übriggebliebenen Holzbauten stellen den letzten Rest des ehemaligen Stadtbildes dieser Gegend dar. Aber da war ich ja schon längst erwachsen und nicht einmal mehr in Innsbruck, Der Verlust der Abenteuerspielplätze war nicht mehr zu spüren. Auch der charakteristische altmodische und überall in der Stadt zu sehende Packlwagen der Post war für mich unwichtig geworden. Daneben übrigens ein Ford FK 1000, oder?
Die Hänge der Höttinger Gegend sehen noch ungefähr so aus wie vom Fenster unserer früheren Wohnung am Innrain. Dort wohnende werden sicher mehr entdecken.