Was das Archivarsherz erfreut
Dieses Foto aus dem Bestand der städtischen Presseabteilung zeigt etwas, das erstaunlich selten fotografisch festgehalten wurde, den ganz normalen Verwaltungsalltag. Zu sehen ist eine Mitarbeiterin der Registratur beim sorgfältigen Ablegen von Tuberkuloseakten.
Im Juli 1970 bekam die städtische Tuberkulosefürsorge für ihre Akten eine eigene Registratur samt neuem Archivraum, was damals offenkundig ereignisreich genug für eine kleine Berichterstattung war. Besonders hervorgehoben wurde dabei die platzsparende Unterbringung der Akten auf kleinstem Raum. Offenbar war also schon seinerzeit, wie heute, der Platz eine der härtesten Währungen im Archiv.
Umso mehr freut es mich, dass mit diesem Foto auch einmal ein Blick ins Innerste der Verwaltungstätigkeit festgehalten wurde. Ich befürchte zwar, dass die meisten unserer Leser*innen den Anblick ordentlich abgelegter Akten nicht ganz so aufregend finden werden wie ich, aber – und das müssen Sie mir jetzt einfach glauben – für einen Archivar ist so etwas wahrlich faszinierend.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-PR-1233)
Tuberkulose- Fürsorge sagen Sie? Wurden da nicht auch Tuberkulose-Impfungen durchgeführt – Stadtmagistrat – Eingang Fallmerayerstraße Nordflügel?
Sie ahnen es – schon wieder taucht eine Erinnerung auf….
Nämlich: Der Mittlere unserer 3 Buben „fehlte“ gerade, als – war das in der Schule oder im Kindergarten? – diese Impfung erteilt wurde. Also blieb mir nichts anderes übrig. Wir marschierten ins Stadtmagistrat. Eingang Fallmerayerstraße.
Und als unser Sohn die Spritze sah…
Ich erspare Ihnen und mir die Schilderung.
Aber nach einem wilden Kampf, der einer Raubtierbändigung ähnelte, ist es den beiden Fürsorgerinnen schließlich doch gelungen, die Impfung zu erteilen – und mein Sohn entspannte sich sofort wieder…
Die größere der beiden Fürsorgerinnen war Frau Irmgard Plankensteiner – und die kleinere, Frau Maria(?) Schumacher, (es könnte die Frau auf der Leiter sein – ich hab sie nur dieses eine Mal gesehen. Sie sagte zum Abschied:
„Und s’nächste Mal schickens Ihren Mann mit dem Buabn! Sollen lei die Mannder aa amal sechn, wia dees isch!“
Gell. Man würde der Frau auf der Leiter diesen Satz ohne weiteres zutrauen. Oder?
Sie war übrigens eine Tochter des unvergessenen Haller Langzeit -Bürgermeisters und Arztes Dr Viktor Schumacher – und Schwester der Tante Hildegard, die den Pradler Pfarrkindergarten leitete. Diese hatte jedes unserer 4 Kinder unter ihren elementarpädagogischen Fittichen gehabt…