Unter vorwurfsvollem Blick
Der Adolf-Pichler-Platz hat immer wieder Bäume verloren. Selten zur Freude der Bürgerschaft. Der Grad der Proteste war aber auch sehr unterschiedlich. Die Dichte der Bepflanzung übrigens auch.
Dieses Mal scheint das Missfallen nicht aus der Bevölkerung zu kommen, sondern vom Namensgeber des Platzes selbst. Von seinem damals noch dreiteiligen Denkmal scheint er voller Vorwurf auf die Magistratler vom Gartenamt zu schauen, die dem Baum final zu Stamme rücken. Da mag man froh sein, dass Pichler Geologe und Schriftsteller und nicht Botaniker war. Sonst wäre er mit seinem Geologenhammer vielleicht eingeschritten. Mir ist schon klar, dass ein Botaniker normalerweise keinen Hammer mit sich führt. Aber da die Meisten ohnehin glauben, dass es sich bei dem Werkzeug um einen Spazierstock handelt, ginge es sich dann schon wieder aus.
Die Leiter, die möglicherweise von der Berufsfeuerwehr ausgeliehen wurde, steht bei eisigem Untergrund etwas bedenklich auf den kleinen Füßen.
Im Hintergrund könnten wir vielleicht einen alten Postbus sehen. Ich kenne mich da aber nicht aus. Besser erkennt man das Schild das Gasthaus Breinössl.
Wir könnten noch darüber nachdenken, welchen Ex-Baum wir hier sehen: Eine Weide oder eine Platane wären meine Tipps.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck; Ph-2116)
Die Lage dieses kleinen Seitengebäudes verdeutlicht die Größe des Breinössl – dazwischen bis zur Gebäudezeile der MTS muss der ziemlich riesige Gastgarten mit Freiluftbühne etc. gewesen sein, oder? Ich habe das natürlich alles nicht mehr selber gesehen. Aber das Breinössl (mit allerdings problematischer Schlagseite während der NS-Zeit), das Colosseum, die ganzen verschwundenen Kinos u.v.m. sind schon stadtgeschichtlich bedeutsame und teils auch ziemlich große Kultureinrichtungen gewesen, um die es schade ist.
Der „Postbus“ ist ein Paketzustellwagen der Post, so viel kann ich sagen. Wahrscheinlich ein fossil betriebener wegen der Schnauze, die elektrischen Post-Paketwagen dieser Zeit hatten m.W. eine flache Front.
Als Teilnehmender an der Besetzung des Adolf-Pichler-Platzes 2001 und damals auch vor Ort Campierender gefällt mir die Vorstellung sehr, dass Adolf Pichler von seinem Sockel herabgestiegen wäre und mit einem Geologenhammer dem damaligen Bürgermeister Herwig van Staa ein wenig, natürlich ganz zivilisiert, auf den Kopf geklopft hätte, ich fürchte aber, dass dieser dann nach „Whack the Mole“-Manier gleich aus dem nächsten Kanalschacht wieder aufgetaucht wäre, er geistert ja bis heute als erzkonservative graue Eminenz herum.
Damals ging es gar nicht hauptsächlich gegen die Rathausgalerien und das neue Rathaus, sondern gegen die bis heute schwerst unnötige mehrstöckige Auto-Tiefgarage unter dem gesamten Platz, die 50 unersetzlichen großen alten Bäumen das Leben gekostet hat. Gefördert von ebenjenem weit draußen am Land ruhig im Grünen lebenden Auto-Bürgermeister van Staa, der täglich mit der Dienstlimousine von Mieming ins Rathaus pendelte und dafür u.a. seinen Chauffeur auch illegal eine Busspur am Innrain befahren ließ, wie Markus Wilhelm damals aufdeckte (siehe http://www.dietiwag.org/briefe/index.php?id=10, 22. Dezember 2007). Aber jetzt komm‘ ich echt vom Thema ab, das Foto zeigt ja die Rodung der Baumgeneration davor. xD
Das glaub i nit, dass der Adolf dem Herwig auf den Kopf ghaut hätt. Weil der Herwig hätt im Vorhinein sooo gschrian, daß der Adolf auf die Hälfte gschrumpft wär, so wie alle, wenn er damals, zu seiner besten Zeit, herumbrüllt hat…Gemeinderäte (auch von der eigenen Fraktion), Rathausbedienstete usw. Im Laufe der Zeit bin ich draufgekommen – alles nur Show, aber – sie hat gewirkt. Heute hat er nix mehr zum Schreien, wie Sie schon sagten, geistert er ja nur noch im Hintergrund herum. Und hört daheim seine Lieblingsscheibe „Vergangen-vergessen-vorüber, vergangen-vergessen-vorbei…“. I glaub, hie und da entfleucht ihm dabei ein kleines Tränchen…