„Strahlend“ schön
In den Beständen des Stadtarchivs Innsbruck befindet sich eine vom Kaufhaus Bauer & Schwarz herausgegebene Zeitschrift mit dem Titel „So wirst du schön: Ein Ratgeber für moderne Schönheitspflege“ aus dem Jahr 1931. Darin bin auf eine interessante Werbeanzeige für ein „radioaktives Verjüngungsmittel zur Schönheitspflege“ gestoßen. Bei dem beworbenen Produkt mit dem Namen „Mud-Radio“, handelte es sich um eine radiumhältige Schlammpackung, die laut Beschreibung wahre kosmetische „Wunder“ vollbringen könne: Die Haut sollte damit nicht nur porentief gereinigt, sondern auch das Gewebe gefestigt werden. Falten sollten dadurch verschwinden und eine blasse, fahle Gesichtsfarbe sollte sich durch die Strahlenwirkung in eine „unfehlbar zarte Röte“ verändern.
Dass ein solches Kosmetikprodukt frei verkäuflich war, klingt für die heutige Zeit ziemlich ungewöhnlich. Doch die Entdeckung des chemischen Elements Radium durch Marie und Pierre Curie im Jahr 1898, stieß schnell auf großes wissenschaftliches Interesse, Radiumverbindungen galten zunächst als harmlos und ihnen wurde sogar eine gesundheitsfördernde und „vitalisierende“ Wirkung zugeschrieben. Radiumverbindungen wurden sowohl für medizinische Produkte und Anwendungen, als auch – bis in die Mitte der 1930-er Jahre – für viele Alltagsprodukte wie zum Beispiel Kosmetika verwendet. Die Verarbeitung geschah ohne jegliche Schutzvorkehrungen.

(Stadtarchiv Innsbruck, Div-861-2; Div-861-1)