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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Richard Steidle (XXXI.)

Richard Steidle (XXXI.)

Im August 1928 gab Steidle der Berglandpresse ein Interview, welches rasch in allen Blättern Schlagzeilen machte. Dort erklärte der Bundesführer der Heimwehren zwar zum einen, dass er eine Abrüstung nicht ausschließe, Voraussetzung dafür wäre aber die vollständige Abrüstung des Schutzbundes und die Auflösung der Wiener Gemeindewehr. Nicht wirklich eine überraschende Antwort, allerdings schloss sie eine Abrüstung der Heimwehr de facto aus, denn der Schutzbund würde offensichtlich nicht vor der Heimwehr abrüsten.

Brisanter war die Antwort Steidles auf eine andere Frage des Reporters:

Liegt es in der Absicht der Heimatwehren, für den Fall, dass durch die Sozialdemokratie die Arbeit des Nationalrates derart gehindert werde, dass das öffentliche Leben leidet, einzugreifen? In welcher Form würde das geschehen und was wären die innenpolitischen Folgen eines solchen Einschreitens?

Die Heimatwehren werden, wenn unsere Volksvertretung weiterhin unter Zwang gehalten und dadurch das öffentliche Leben in Mitleidenschaft gezogen wird, dem unerträglichen Terror den schärfsten Widerstand entgegensetzen. Sie werden hierbei die Form wählen, die sich aus dem Gebot der Stunde ergibt. […]

Diese Antwort wurde in vielen Zeitungen als Androhung eines Putsches gesehen – etwas, das Steidle nicht fremd war. Nicht weniger alarmiert wirkte seine Aussage durch die Tatsache, dass der aus Deutschland geflüchtete Putschist Waldemar Pabst nach wie vor Steidles Stabschef war. Nicht nur die Sozialdemokraten waren aufgebracht, sondern auch der Landbund, der an der Regierung Seipels beteiligt war (wenn auch nur mit neun Mandaten). Die Partei betonte, dass allein Gendarmerie und Bundesheer für Ordnung zu sorgen hatten, und dass sich die Heimwehr nicht in die Politik einmischen solle.

Eine Randnotiz – man sieht zu dieser Zeit schön, wie das Wort „Interview“ sich allmählich verbreitete. In manchen Zeitungen war noch von einer „Unterredung“ oder einem „Gespräch“ Steidles mit der Berglandpresse die Rede, aber oft war schon das englische Pendant zu lesen.

(Parade der Heimwehr 1929, Signatur Ph-A-15782)

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