Richard Steidle (XXVI.)
Nach der Tagung in Baden bei Wien, auf welcher Steidle die im letzten Artikel besprochene Rede hielt, wurde eine Vorstandskonferenz der Heimwehren aus allen Bundesländern abgehalten. Darin wurden die Heimwehrverbände von Wien, Niederösterreich und dem Burgendland an den bisherigen alpenländischen Schutzverband angegliedert, der nunmehr zum gesamtösterreichischen Schutzverband umgetauft wurde. Bundesführer war weiterhin Richard Steidle, zum militärischen Führer wurde Generaloberst Alois Schönburg-Hartenstein (1858–1944) ernannt. Diese ereignisreichen Treffen der Heimwehr wurden von linker Seite kritisch beäugt. Der Abend berichtete über die Tagung in Baden und gab an, dass sich dort auch Vertreter „ungarischer Terrorgruppen“ und der „italienischen Faschisten“ eingefunden hätten. Dies wurde von Seiten der Heimwehr heftig dementiert. Die Glaubwürdigkeit des Abends wurde dabei dadurch etwas untergraben, dass auf der entsprechenden Titelseite ein Foto von zwei Herren abgedruckt war, von denen einer angeblich Steidle gewesen sei, der ihm jedoch nicht im Entferntesten ähnlichsah.

Der vermeintliche Richard Steidle des Abend
Indessen schritt die Zentralisierung der Heimwehren weiter voran. In Graz schlossen sich die verschiedenen Verbände der Steiermark zu einer einheitlichen Organisation zusammen. Steidle begrüßte den Schritt und nahm am begleitenden Festakt in der steirischen Landeshauptstadt teil.
Erstaunlich ist, dass Steidle trotz seiner rastlosen Tätigkeit in der Heimwehr auch noch in privater Funktion vor Gericht als Verteidiger auftrat. Im November 1927 fand einer seiner Fälle Eingang in die Innsbrucker Nachrichten, als zwei von ihm verteidigte Geschwister wegen Meineides in einem Wilderei-Prozess verurteilt wurden. Ihre Strafe hatten sie allerdings bereits durch ihre Untersuchungshaft abgesessen.
(Propagandapostkarte der Heimwehr um 1930, Signatur sommer 9_060)