skip to Main Content
Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Richard Steidle (XVI.)

Richard Steidle (XVI.)

Am 19. November folgte die gewissermaßen offizielle Stellungnahme der Heimwehren gegenüber dem Linzer Programm. Auf einer Tagung der Vorarlberger Heimwehr in Bregenz hielt Steidle eine Rede, die der Anzeiger zur Programmrede erklärte. Das Blatt fasste die zentrale Aussage Steidle zusammen:

Niemand wird sich in Hinkunft dieser unerbittlichen Logik entziehen können, dass die finsteren Pläne gegen den Bürgerfrieden nicht durch Reden und Verhandlungen, sondern nur durch bewaffnete Macht vereitelt werden können. Damit ist von selbst jener Zustand eingetreten, in dem eine friedliche Entspannung kaum noch möglich ist, sondern der dazu treibt, dass die eine oder die andere Machtgruppe die Oberhand erlangen muss. Eine Zwischenlösung gibt es nicht.

Das weitere seiner Rede folgte im Wesentlichen seinem bereits am 5. November abgedrucktem Artikel. Auf der Tagung in Bregenz sprach auch der Vorarlberger Landeshauptmann Otto Ender (1875–1960). Er „warf einen Rückblick auf die Geschichte der Demokratie“:

Seit es eine Weltgeschichte gebe, sind die Völker nach den verschiedensten Gesetzen regiert worden. Das vornehmste Gesetz aber ist das Gesetz der echten Demokratie, welche aber nur dann möglich ist, wenn das Volk sittlich und moralisch hochstehend ist.“

Er begründete dies mit einem Blick auf die Geschichte Roms – in ihrer Frühzeit von Königen regiert, anschließend wurde daraus eine Republik, und nach einer Zeit moralischen Verfalls wieder eine Monarchie. Ob dies den Tatsachen entspricht, sei dahingestellt, aber die Idee, dass Demokratie ein tugendhaftes Volk verlangt, wurde in der politischen Philosophie oft vertreten. Umgekehrt argumentierten viele liberale Philosophen (etwa J. S. Mill), dass autoritäre Systeme der Moral einer Bevölkerung schaden. Dies wirft also die Frage auf: Braucht eine Demokratie ein tugendhaftes Volk oder schafft die Demokratie das tugendhafte Volk? Henne oder Ei.

Auch wenn wir uns glücklich schätzen können, in einer gefestigteren Demokratie zu leben als unser Vorfahren der Ersten Republik, beschäftigen uns diese Fragen heute noch. Ist eine liberale Demokratie in der Lage, die Werte in ihrer Bevölkerung zu kultivieren, von denen sie lebt?

(Titelbild. Bregenz am Bodensee, KR-PL-1588)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Back To Top
×Close search
Suche