Raritäten aus der Sammlung Kreutz – XXIX
Kurz lässt uns die Aufschrift auf dem Lastkraftwagen zögern: Auf zur Schlußoffensive nach Spanien. Aber klar, es geht um den Spanischen Bürgerkrieg (1936 bis 1939). Die Republikaner erhielten dabei von Unterstützung von etwa 60.000 linken Freiwilligen, die Nationalisten militärische Hilfe von Deutschland („Legion Condor“) und den Italienern. Der Gang der Geschichte war ein Tragischer.
Ausnahmsweise mache ich hier eine Werbeeinschaltung:
Friedrich Stepanek: „Ich bekämpfte jeden Faschismus” Lebenswege Tiroler Spanienkämpfer Studien zu Geschichte und Politik. Band 13; Innsbruck-Wien-Bozen 2010, Studienverlag, ISBN 978-3-7065-4833-5
Aber ich zeige dieses Foto weniger um auf den Spanischen Bürgerkrieg zu verweisen, sondern wegen des Lastkraftwagens. Das Führerhaus ist vermutlich einigermaßen zeittypisch, aber sicher eher bescheiden. Völlig unklar ist für mich der Aufbau auf der Ladefläche. Eine Art Tank mit mehreren Öffnungen. Rechts offenbar ein Baumstamm und links vielleicht einen dünnen Stamm oder eine Stange. Die drei Menschen auf dem LKW tragen seltsame Kopfbedeckungen. Es schaut fast aus, als wären es Kochtöpfe. Wer kann das erklären?
Die Zuschauer vom Straßenrand scheinen auch seltsam unbeteiligt zu sein.
Dass wir uns auf der Universitätsbrücke befinden, scheint klar zu sein.
Wie löst sich diese seltsame Situation?
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck; Kr/Ne-10.660)
Das Ungetüm auf der Ladefläche sieht aus wie ein Müllabfuhrmöbel in welches man – unpraktisch weit oben – die „Patent Ochsner“ Mülleimer einhängen und kippen konnte. Aber was sind das für Figuren auf dem Fahrzeug? Haben die Blechschüsseln auf? Rechts glaubt man überhaupt eine Attrappe zu sehen (??). Fasching? Die Aufschrift macht aber im Gegensatz zu den üblichen Aufschriften von Faschingswagen einen professionellen Eindruck.
Der Lastwagen (im Hintergrund ?) hat damals schon Altertumswert gehabt mit seinen Eisenrädern.
Dürfte ein politscher „Faschingsscherz“ aus der Nazizeit sein. Wie man an den Zuschauern diesseits und jenseits der Straße erkennt, scheint sichs um einen Umzug zu handeln, die Jahreszeit passt auch. Auf einem (vielleicht schon ausgedienten) Müllwagen verhöhnt Faschingspersonal mit aufgesetzten Nachttöpfen und ein, am Wagen angebrachtes Transparent die freiwilligen Spanienkämpfer. Womöglich zu einem Zeitpunkt an dem Franco und Co gerade gewonnen hatten.
Sollte ich Recht haben, wäre es ein, auch heute noch, bestürzendes Beispiel für die Verrohung der damaligen Zeit – in der nicht nur suggeriert wurde, daß bestimmte Menschengruppen Müll seien und entsorgt gehören, sondern später auch Taten folgten.
Der Herr oder wer auch immer beschütze uns vor solchen Zuständen….
….und Frakturschrift sah einfach “ D e u t s c h “ aus – halt kriegerisch – zackig…
wobei diese angenagelte Plane auch aus vor-39er Jahren stammen könnte und damals ernst gemeint war.
Richtig!
Da hatten wir doch diese Ehrenurkunde für den – wievielten? – Schi-Sieg aus den 30-er Jahren für Karl Höfner, oder?