Raising the Busstop-Sign at Peerhofsiedlung
An einem prächtigen Sommertag des Jahres 1988 werden wir im Westen unserer Stadt Zeuge eines historischen Augenblicks. Unter dem wachsamen Blick von Vizebürgermeister Rudolf Krebs stellen zwei Herren eine neue Bushaltestelle auf (und schauen dabei fast so aus, wie die Marines auf Iwo Jima). Zweifellos sind auch sie sich des historischen Moments bewusst, sind sie doch an der Geburtsstunde einer neuen IVB-Buslinie beteiligt. Die Rede ist von der – mittlerweile längst wieder verschwundenen – Linie „P“, deren „Jungfernfahrt“ am 26. Juli 1988 stattfand. Mit der Eröffnung dieser Busverbindung war die neue Siedlung nun auch mit den Öffis zu erreichen, wobei die Peerhofsiedlung zunächst „noch von der Linie ‚L‘ angefahren [wurde], wobei jeder zweite L-Bus in die Siedlung einfährt. Ab Schulbeginn [September 1988] nimmt die Linie ‚P‘ ihren regelmäßigen Verkehr auf“, wusste das Amtsblatt zu berichten.
(StAI, Archiv der NTZ, Foto: Richard Frischauf)
Interessantes Foto, danke!
Der repräsentative Schein trügt allerdings. Um das in tatsächlichen mobilitätspolitischen Kontext zu setzen: der damalige Stellenwert der Öffis ist auch darin zu erkennen, dass diese Verbindung erst eingerichtet wurde, als die Peerhofsiedlung schon ein halbes Jahr lang bewohnt war und wahrscheinlich die meisten schon ein Auto gekauft hatten, denn die grotesk überdimensionierten unterirdischen Auto-Parkhäuser mit direkter Gebäudeanbindung waren von Anfang an in Betrieb.
So gelungen und für damals architektonisch richtungsweisend die Peerhofsiedlung selbst als „premium social housing“ und Ersatz für ressourcenfressende Einfamilien- und Reihenhäuser in der Vorstadt auch ist, die verfehlte Mobilitätsstrategie der damaligen ÖVP/SPÖ-Stadtregierung wirkt bis heute äußerst negativ nach, weil, im Gegensatz etwa zu Alt-Erlaa in Wien, der Autobesitz in der Peerhofsiedlung von der Stadt Innsbruck nicht sanktioniert, sondern durch einen viel zu hohen Stellplatzschlüssel und fehlende Anbindung ans hochrangige ÖV-Netz sogar noch gefördert wurde. Bis dann endlich die hochrangigen Öffis in Form der Tram die Peerhofsiedlung, immerhin größtes zusammenhängendes Neubauquartier im Westen der Stadt, erreichten, mussten noch weitere 26 Jahre vergehen und die Bewohner:innen das Experiment O-Bus als Versuch eines billigen Schienenverkehrsersatzes erdulden. Die direkte Radweganbindung kam überhaupt erst satte 30 Jahre später.