Rätselhaftes von der Hungerburg
Kürzlich gelangte diese fesche Fotopostkarte zu uns ins Archiv. Wobei „fesch“ ja im Auge des Betrachters liegt. Der Kaiserjäger Johann Wirtenberger (1893-1983) war sich da nicht so sicher. Zwar schickte er die Karte im März 1917 an seine Freundin (und spätere Frau) Aloisia Kuen in Absam-Eichat, allerdings nicht ohne am Rand zu vermerken: „wirst schon entschuldigen, ich hatte keine andre Karte“. Wie dem auch sei, ich freue mich darüber, denn wer weiß, ob sich sonst diese Rarität erhalten hätte?

Der Ausflug führte Johann Wirtenberger offenbar gemeinsam mit drei Kollegen (Patrouilleführer Novotny, Oberjäger Pulacher und Zugführer Winkler) zu einer Jagdhütte auf der Hungerburg. Das Fundament ist massiv ausgeführt, der Holzaufbau liebevoll verziert. Die Inschrift am Zubau – „Wie oft habt ihr mich gekreuzigt!“ – gibt allerdings Rätsel auf. Genauso wie der genaue Standort dieser Hütte …
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-A-24847)
Dahinter eine Straße oder breiter Weg, hinten Rechts über der Straße sowas wie ein Maschendrahtzaun, Wildnis sieht anders aus.
Wenn ich schon die Lösung nicht weiß, dann wenigstens eine Frage: Erkennt jemand das handgeschmiedete Ding, welches da rechts an einer Stange wie ein Schild aufgehängt ist?
Und die überlieferten Namen der Soldaten stehen nirgends auf der Karte oder bin ich so blind?
Wir flunkern an dieser Stelle höchstens am 1. April 😉 . Die drei Soldaten lassen sich anhand des Nachlasses von Johann Wirtenberger identifizieren.
ANNO weiß, dass es auf der Hungerburg eine „Jagdhütte Knitel“ gab und dass ein Herr Johann Knitel ein begeisterter Jäger war: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ibn&datum=19531224&query=%22J%c3%a4ger+Knitel%22~15&ref=anno-search&seite=4
Das Adressbuch weiß, dass der aus dem Außerfern stammende Innsbrucker Lederwarenhändler Johann Knitel im Jahr 1917 in der Tschurtschenthalerstraße 2 ansässig war.
Ich weiß nicht, ob die „Jagdhütte Knitel“ dem Herrn Johann Knitel gehörte, aber es wäre naheliegend. Und weit hätte er es vom Saggen aus auf die Hungerburg auch nicht gehabt …
Auf der Hungeburg und der Nordkette gibt es reichlich Hütten, da fällt die Identifizierung schwer, noch dazu wird das abgebildete Gebäude heute wohl schon längst anders aussehen…
Auffällig ist jedenfalls das im Aufnahmezeitpunkt freie Gelände rund um die Jagdhütte, deshalb ist mir die heutige Adresse Hungerburgweg 25 in den Sinn gekommen, die Hütte auf der Postkarte könnte ein Vorläufer des heutigen Gebäudes gewesen sein.
Auf google maps ist die das Haus mit Hecke schwer einsehbar und google earth wird schon ziemlich unscharf – die Experten mögen verzeihen, dass ich keinen schönen verwertbaren link zusammenbringe.
Lieber Matthias, kennst du vielleicht eh die Lösung des Rätsels aufgrund anderer Hinweise rund um die Postkarte und den Nachlass?
Liebe Barbara, leider kenne ich die Lösung nicht. Ich vermute aber aufgrund der Topographie, dass diese Jagdhütte im Bereich der Höhenstraße (in der Gegend des Hauses Höhenstraße 101) gestanden sein könnte …
Es kann aber auch weiter oben gewesen sein, zumindest auf der Linie Seegrube – Höhenstraße 101.
Wie ich schon geschrieben habe, verläuft hinter der Hütte eine Straße oder Weg, nach links, also nach Westen, leicht ansteigend. Dahinter mit den Zaunpfählen angedeutet durchaus Anzeichen, dass wir uns im Bereich der Zivilisation befinden.
Lieber Matthias,
mit deiner Verortung hast du mich auf eine neue Idee gebracht – wie wäre es mit der Adresse Höhenstraße 89b (heute ein Nebengebäude zum Haus Gramartstraße 57)?
Das angesprochene Grundstück Höhenstraße 101 mit allen Unternummern war vor der heutigen Bebauung in der ganzen Länge bewaldet ohne eine Hütte.
Liebe Barbara,
das könnte eine heiße Spur sein. Muss ich mir bei nächster Gelegenheit anschauen 🙂
Wieso sitz ich bei d e m Wetter schon wieder beim Notebook? Morgen Termin beim Irrenarzt.
Mit GoogleMap kann man das Bild ja einwenig kippen und indiskret hinter die Hecke blicken, https://postimg.cc/xc6j84dz , aber mir kommt dieses Haus schon so gebaut vor, ist samt kleinem Becken, schon am 40er LB zu erkennen.
Aber die Geometrie der Seegrubenspitze (ist sie doch im Hintergrund?), derselbigen Scharte, dem namenlosen(?) Zapfen links davon und dann die Kaminspitzen paßt m.M. besser zum entfernteren westlichen Teil der Gramartstraße als zum Zentrum der Hungerburg. Dort hat die Flanke der Seegrubenspitze so einen Knick, der, wie weiter drüben, am Originalfoto fehlt.
Siehe Gramartstraße 72 https://tinyurl.com/4k7mzw5, eine Adresse, die ich mit dem asymmetrischen Dach beinah schon für die Lösung hielt. Es sollt halt nur am 1940er Luftbild zu sehen sein.
Könnte die Jagdhütte in diesem Gebäude drin stecken > Gramartsstraße 77? Auf Google Earth schaut es ein bisschen so aus. Das asymmetrische Dach ist ähnlich, aber der Bau wäre insgesamt etwas erweitert. Ziemlich bewaldet, aber vielleicht früher eine größere Lichtung? Am Luftbild 1940 existiert es zumindest schon. naja, wohl eher nicht..