Panorama mit Rätsel
Heute gibt es von mir ein zugebenermaßen jahreszeitlich nicht wirklich passendes Bild mit Blick von der Hungerburg (?) auf den Saggen, Pradl, Amras und das östliche Mittelgebirge. Der Villensaggen ist schon weitgehend verbaut, im Blocksaggen geht noch was. Das Riesenrundgemälde steht schon, auch die Talstation der Hungerburgbahn schaut hinter den Bäumen hervor. Das Innufer ist hingegen noch unverbaut, bzw. scheint dort zum damaligen Zeitpunkt eher Gemüse angebaut zu werden; es fehlen noch der Hans-Psenner-Steg sowie die zahlreichen Baracken, die später diesen Bereich für eine Zeit lang prägen werden.
Hängen geblieben bin ich bei dem Bild aber aus einem anderen Grund, nämlich den beiden kreisrunden Vertiefungen auf dem Plateau am unter Bildrand. Hier im Forum weiß man bestimmt, worum es sich dabei handelt.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum RM-PL-2619)
Die beiden kreisrunden Vertiefungen könnten Flak Stellungen aus dem 1.WK sein und sind hier wohl erst im Bau. Dann wären wir zeitlich etwa 1917 ±.
Das sieht wirklich sehr ähnlich, wie am Lanserkopf aus. (vgl. https://innsbruck-erinnert.at/grubenforscher-gesucht/).
Es ist hier das Plateau am Judenbichl.
Das Bild wird übrigens auf 1918 datiert: https://www.ibkinfo.at/juli1918
Das Bild in Innsbruck informiert ist allerdings nicht das Gleiche wie in unserem Beitrag, es ist etwas weiter westlich aufgenommen.
…. und weiter drunten! Aber 1918 könnte passen, das Pradler Lager steht noch!
Auf jeden Fall 1917 +! Das Pradler Lager im Bereich Reichenauerstraße – Kravoglstraße gibt es nicht mehr! – siehe 2. Foto in https://innsbruck-erinnert.at/ohne-fleiss-kein-preis/ aus dem Jahre 1925
Auf einer kürzlich hier thematisierten Aufnahme
https://innsbruck-erinnert.at/ohne-fleiss-kein-preis/#comment-66327
sieht man einen kahlen hellen Mugl der zumindest örtlich mit der hier vermuteten Flak Stellung übereinstimmen könnte.
Judenbühel könnte schon mal passen. Zeitlich liegen wir wahrscheinlich auch nicht allzuweit auseinander.
Der kahle, helle Mugel könnte vom Abtragen des Judenbühels stammen. Die Innsbrucker Nachrichten vom 6.7.1909 berichten davon:
https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ibn&datum=19090706&seite=3&zoom=33&query=%22judenb%C3%BChel%22&ref=anno-search
Das Bild kann frühestens mit dem Jahr 1923 datiert werden, da das Haus Haydnplatz 9, früher Erzherzog-Eugen-Straße 13 im Jahr 1922/23 erbaut wurde.
Von wegen Hans-Psenner-Steg und den zahlreichen Baracken! Das alles wurde ja erst im Zuge der Luftschutzstollenbauten 1943 errichtet. Aber es fehlt zum Beispiel auch noch der Pembaurblock aus dem Jahre 1926 / 27!
Könnten die Kreise vielleicht zu den früheren Fischteichen bzw. Parkanlagen der Weiherburg gehören? Luftangriffe im 1. Weltkrieg auf Innsbruck waren – wenn überhaupt – nur sehr selten, zudem wären die ‚Flakstellungen‘ sehr eng nebeienander gebaut – würden sich im Ernstfall eher behindern als ergänzen. Leider lässt sich am linken Bildrand nicht erkennen, ob der erste Flughafen (1925) bereits in Betrieb war.
Flakstellungen Lanser Kopf siehe https://www.sagen.info/forum/media/flak-lanserkopf-paschberg-1-weltkrieg.61519/ – anscheinend auch zwei nebeneinander!
Ich überlege mir die strategischen Überlegungen dort Flak Stellung zu bauen. Direkt anfliegen konnte man sie nur von weitem, zu nahe gingen wohl nicht weil im Gegensatz zur Anlage am Lanser Kopf gleich dahinter der Hang droht. Feindlicher Anflug war andererseits von der Nordkettenseite auch kaum zu erwarten. Also zwar gut geschützt aber sonst eher ungünstig positioniert. Möglicherweise als Ergänzung zum Lanser Kopf gedacht um Feinde in die Zange zu nehmen, ganz in der Manier der kuk Militärs und der Kavallerie. Stop. Bevor jetzt die Pferde mit mir durchgehen werd ich mir für heute weitere Überlegungen verkneifen.
Möglicherweise schreibe ich jetzt den größten Blödsinn meines Lebens hin, aber –
Ich glaube sogar, dies einmal erwähnt zu haben! – soweit mir bekannt ist, habe hier der Pensionsinhaber W. ein Hotel hier erbauen wollen. Zu diesem Zweck sei der „Judenbichl“ planiert worden. Vor Baubeginn sei leider der erste Weltkrieg ausgebrochen. Und die schlechten Zeiten danach???
Mein Gedankengang: Wasser kann man überall hinleiten – oder? Aber welche Kanalisationsmöglichkeiten hätte man an dieser Stelle gehabt? Alles in den Inn hinunterleiten?
O d e r 2 „Sickergruben“ mit Ableitung des flüssigen Anteils – und einem in regelmäßigen Abständen mit seinem Sur-Wagen vorbeikommendem Bauern, der die beiden Gruben wieder freimachte und den Inhalt Richtung Ecke Amthorstraße – Langer Weg abführte?
Ich hoffe, die Sternsinger haben heute genügend Weihrauchduft verbreitet, daß mein Kommentar keinen allzu üblen Geruch hinterläßt.
(Wie heißts in der Archäologie? „NICHTS IST DAUERHAFTER ALS EIN LOCH!“)
Trotz der Ähnlichkeit mit der frühen Fliegerabwehrstellung am Lanser Köpfl bin ich etwas skeptisch. Was sollen dort zwei Kanonen, die nahe Bahn und den Viaduktvor Bombenangriffen schützen? Mit den damaligen aviatischen Mitteln war man froh, wenigstens eine große Fläche wie den Bahnhof zu treffen. Naja, Franzensfeste war auch niemals in Gebrauch. Im „Fischnaler“ steht jedenfalls nichts.
Man sieht außerdem andeutungsweise eine dritten Ring am Rand des Bichls und rechts neben dem hellen Rechteck am unteren Bildrand eine weitere Baustelle.
Was ist rund und wird eingegraben? Kläranlage wäre eine Antwort, aber grade im sensiblen Bereich jüdischer Grabstätte hätte man das irgendwo lesen müssen (diente als Kläranlage, mit gedachtem Pfui-Finger).