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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Öffi-Fans Gefragt

Öffi-Fans gefragt

Diese Aufnahme zeigt die offizielle Eröffnung der neuen Buslinie OA in das Olympische Dorf. Eine Anzahl von Männern, in der Mitte eine Frau, sind bereit für die Erstlingsfahrt. Wenn man sich das Foto jedoch genauer anschaut, tauchen einige spannende Fragen auf.

Ist Ihnen die Haltestelle in der Herzog-Otto-Straße noch im Gedächtnis? Es blieben offensichtlich weitere Busse hier stehen, der K, A, N. Da ich diese Straße berufsbedingt täglich nutze, frage ich mich, wie dort damals eine Haltestelle Platz fand, ohne den Verkehrsfluss massiv zu beeinträchtigen. Oder war die Herzog-Otto-Straße in den 1970er-Jahren eine Einbahnstraße? Ist der O-Bus vom Olympischen Dorf bis in die Altstadt hineingefahren oder wurde die Haltestelle in der Herzog-Otto-Straße so benannt?

An die Buslinie OA kann ich mich noch erinnern. Zeitlich hätte ich sie jedoch erst in die 1980er-Jahre eingeordnet. Wurde der Betrieb der Linie OA zwischenzeitlich eingestellt und später mit der erneuten Einführung der Oberleitungsbusse reaktiviert? Welche Bedeutung hatte eigentlich die Abkürzung A bei OA?

Bei den Personen stellt sich die Frage: Wer sind die „Würdenträger“? Erkennbar ist der spätere Vizebürgermeister Artur Krasovic, der bei der Bustür steht. Wer ist jedoch die Dame in der illustren Männerrunde – die „Quotenfrau“ der Eröffnungsfahrt?

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-13795, 1979)

Dieser Beitrag hat 15 Kommentare
  1. Hohe,diese Qotenfrau hätte nur mit dem Finger auf den Boden zeigen müssen und ein Gutteil der Umstehenden sich auf den selbigen geworfen oder hätten sich zumindest einer angedeuteten Demutsstellung befleißigt.

  2. Danke, sehr interessantes Bild!

    Das Herzog-Otto-Ufer wurde 1974 durch einen dem Prinzip der „autogerechten Stadt“ folgenden „Generalverkehrsplan“ zum Nordring um die Altstadt als Einbahn in Richtung Westen mit drei Fahrspuren. Gleichzeitig wurde die Straßenbahn Richtung Westen aus der Museumstraße herausgenommen und die Achse Marktgraben – Burggraben – Museumstraße wurde zur Einbahn in die Gegenrichtung mit ebenfalls mindestens drei, stellenweise vier Fahrspuren. Man dachte damals, dass mehr Raum für den motorisierten Verkehr den Verkehrsfluss verbessert. Die gesamte Innenstadt wurde in mehrspurigen Einbahnstraßen organisiert. Öffentliche Verkehrsmittel und der Radverkehr wurden dem Auto untergeordnet, wo das Auto Platz brauchte, mussten sie verschwinden.
    Das Prinzip des „induzierten Verkehrs“ war damals in der Verkehrsplanung noch umstritten und die Autolobby war stark. Induzierter Verkehr heißt: wenn der Individualverkehr mehr Platz bekommt, entsteht auch mehr Individualverkehr. Viele Hauptstraßen in Innsbruck wurden in dieser Zeit mit zusätzlichen Fahrspuren versehen, bis heute ist das die Basis unseres Autoproblems, wie in anderen Städten auch. Hier auf innsbruck-erinnert wurden schon mehrmals Bilder von den resultierende Autolawinen in diesen sensiblen Innenstadtbereichen veröffentlicht. Daraus haben Politik und Verwaltung glücklicherweise recht schnell gelernt. 15 Jahre später wurden viele dieser Maßnahmen durch das zeitgemäße, bis heute aktuelle „Verkehrsberuhigungskonzept“ wieder zurückgenommen. Die Einbahnregelung am Herzog-Otto-Ufer (und in den meisten anderen Innenstadtstraßen) wurde wieder aufgehoben, aus den drei bis vier Fahrspuren des Altstadtrings wurden zwei Fahrspuren in Form einer Nordumfahrung und ein Zweirichtungsradweg. Die Achse Marktgraben – Burggraben – Museumstraße wurde für den motorisierten Individualverkehr gesperrt. Damit verschwand der Einbahnring um die Altstadt und mit ihm der meiste Autoverkehr und das Ufer bekam sein heutiges Gesicht. Heute geht es politisch darum, das damalige Werk zu vollenden und zumindest den privaten Autoverkehr zumindest aus der Inneren Stadt und den Stadttteilzentren ganz wegzubringen.

    Die Linie OA hat als Linie 2A mit 1 Kurs pro Tag bis heute überlebt, sie ist eigentlich eine direkte Schnellverbindung für Berufspendler:innen und Schüler:innen und hat nur deswegen im Gegensatz zu den zahlreichen anderen Früh- und Mittagsdirektverbindungen, die die IVB in Form von Einschubbussen mit abweichender Streckenführung auf verschiedenen Relationen anbieten, eine eigene Liniennummer, weil sie damals als eigene Linie konzessioniert wurde und die Konzession nicht verloren gehen soll; das ist etwas sehr österreichspezifisch Rechtliches. Deshalb ist sie im Gegensatz zu den anderen Verstärkerlinien auch hier mit eigenem Fahrplan gelistet: https://www.ivb.at/fahrgast/linien/linienuebersicht/

    Das „A“ in 2A steht heute für gar nichts, es ist einfach ein Indikator für abweichende Strecke; damals dürfte die Intention gewesen sein, dass man es mit „Altstadt“ assoziiert.

    Die abgebildete Haltestelle war vor meiner Zeit, deshalb kann ich dazu wenig sagen, außer dass das hinsichtlich Haltestellen ein Ort mit großer (Öffi-)Geschichte ist, weil sich hier an der ursprünglichen Stammstrecke der Dampftramway der „Altstadtbahnhof“ der Linien 2 und 4 befand, von dem hier schon dieses fantastische Foto zu sehen war: https://innsbruck-erinnert.at/schaetze-aus-dem-monopol-archiv-13/

    Eine letzte Anmerkung noch: sogenannte Fahrbahnhaltestellen sollen sogar den Fluss des motorisierten Individualverkehrs beeinträchtigen, damit der Autoverkehr nicht nur an den Ampeln länger warten muss als die Öffis und im eigenen Stau steht wärend die Öffis auf der Sonderfahrspur vorbeiziehen, sondern auch dort immer wieder mal stoppen muss, wo Haltestellen sind. Das ist heute eines der vielen guten Instrumente in der Verkehrsplanung zur Einbremsung des Autoverkehrs. Für die „autogerechte Stadt“ hat man allerdings noch Busbuchten gebaut, ich bin mir ziemlich sicher dass auch dort eine war.

    1. Als Autofahrer fühlt sich das manchmal schon etwas wie „Erziehung durch Infrastruktur“ an. Früher hat man Busbuchten gebaut, damit der Verkehr weiterfließen kann – heute scheint es eher zum Konzept zu gehören, Autos bewusst auszubremsen. Dass man das dann als großes modernes Verkehrskonzept verkauft und frühere Lösungen belächelt, wirkt aus der Perspektive hinterm Lenkrad halt ein bisschen frech.

      1. Es ist eher sowas wie Notwehr – da Autoverkehr keine Naturkatastrophe wie Hochwasser ist, auch wenn seine Auswirkungen sich für jene außerhalb der Autos oft so anfühlen, kann und muss man solche Instrumente nutzen, um ihn einzudämmen. Retention (kontrollierter Stau) und Geschwindigkeitsreduktion mittels verschiedener Maßnmahmen, auch Fahrbahnhaltestellen, gehören da dazu. Von jenen hinter dem Lenkrad erwarte ich mir nach Jahrzehnten der automobilen Dominanz mit all ihren Auswirkungen auf Gesundheit, Umwelt und städtischen Lebensraum vor allem eins: angemessene Bescheidenheit…

        1. Offensichtlich traut man den Personen hinter dem Lenkrad aber pauschale Unbescheidenheit, wenn nicht gar Maßlosigkeit zu – sonst würde man wohl kaum zu derart vergraulenden erzieherische Maßnahmen greifen.

          1. Es wurde zuvor ja lange mit Appellen an die Vernunft versucht, leider recht fruchtlos – die menschliche Natur ist tendeziell halt bequem, egoistisch und wenig weitblickend (da schließe ich mich selber natürlich auch nicht aus – aber Führerschein habe ich halt keinen 🙂 )

      2. Sie sprechen mir aus der Seele, Autohassern die die Abgase durch verschiedene Maßnahmen nicht „unter dem Strich“ zusammenzählen nicht.

  3. Die „Quotenfrau“ ist Renate (Optik) Hopfer, 2. v.r. ist Stadtrat Hermann Knoll, daneben glaube ich Pepi Plank, Gastwirt, dann Stadtrat Franz Gastl und ganz links außen der Kaufmann Otto Pallua.

  4. Ein Wettlauf zweier Aktivismen: Einerseits das Streben nach der autofreien Stadt (alles Schanigärten) und andererseits die Bemühungen, ein leises abgasfreies Auto zu bauen. Ja was jetzt?
    Vielleicht sollte man auch einmal überlegen, ob es sooo gscheit ist, immer wieder Anfrass zu erzeugen ohne die Welt jetzt in realo schöner gemacht zu haben? Vielleicht könnte man auch einmal mit der Autofahrerwelt Frieden schließen, und einmal so verbalrauflustige Vokabeln wie den etwas einfältigen Paradekontrast „autogerecht-menschengerecht“ einer Revision unterziehen. Dabei käme man vielleicht dahinter, das auch Autos der Besitz von Menschen sind, und somit auch von solchen, denen man huldvollst von Gottesgnaden „die Straße zurückgibt“ die man ihnen grade weggenommen hat.

    1. Es geht nicht um Schanigärten, das ist nur ein angenehmer Nebeneffekt, sondern einfach um gscheite und menschenfreundliche Nutzung von wenig Platz, aber auch um ein gesundes Leben mit weniger Hitze und mehr Grün – all das kann die Stadt, wenn man die Autos weitgehend rauswirft. Wer der Droge Auto verfallen ist und vielleicht deren Jahrzehnte lange Toleranz durch weite Teile der Gesellschaft vollständig verinnerlicht hat, tut sich schwer mit objektivem Blick. Die anderen, vor allem die jetzt nachkommenden Menschen der Gen Alpha und Gen Z, haben diese Vorbelastung halt nicht mehr. Wenn Vernunft und Rücksicht auf das Leben bedeutet, Autohasser zu sein, dann bin ich gern Autohasser. Ich werde es auch bleiben 🙂 Disclaimer: das betrifft Privatautos, niemand bestreitet die Sinnhaftigkeit von Dienst-, Einsatz- oder Behinderten- bzw. Krankenfahrzeugen. Die müssen nur alle rasch dekarbonisiert werden.
      Auch wenn das durchaus eine politische Diskussion ist, hoffe ich, dass sie, wenn respektvoll geführt, hier stattfinden darf. Am Ende ist alles Politik.

  5. Bei der Ottoburg neben dem Kiosk befand sich jedenfalls bis 1992 eine Busbucht. Habe auch ein Foto davon. Ich vermute, dass der OA noch vor dem Neubau der Innbrücke eingeweiht wurde – müsste im Kreutz nachlesen – und die Haltestelle damals in der Fahrbahn lag.

    1. Klingt schlüssig, kurz danach wurde ja die Uferstraße umgebaut. Ich glaube da war ein Parkstreifen nordseitig und nur deswegen keine bauliche Busbucht.

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