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Noblesse Oblige

Noblesse oblige

Als im Sommer 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, ersuchte Emanuel von Orléans, Herzog von Vendôme seinen Onkel, Kaiser Franz Joseph, um die Entlassung aus der österreichisch-ungarischen Armee und verließ mit seiner Familie die Habsburgermonarchie in Richtung Frankreich. Gleichzeitig stellte der Herzog jedoch Schloss Mentlberg dem Landes- und Frauenhilfsverein vom Roten Kreuz für Tirol zur Verfügung. (Prinz Emanuel selbst engagierte sich während des Krieges beim französischen Roten Kreuz.)

Bereits im Herbst 1914 richtete das Rote Kreuz im Schloss ein Spital ein. Es bot Platz für rund 150 verwundete und/oder kranke Soldaten und Offiziere und wurde als Abteilung 1 dem Notreservespital Nr. 2 angegliedert. Die ersten Patienten trafen am 23. November 1914 im Schloss ein. Kurz darauf inspizierte Erzherzog Franz Salvator (1866-1939) in seiner Eigenschaft als General-Inspektor der freiwilligen Sanitätspflege erstmals die neue Spitalsabteilung.

In weiterer Folge wurde Schloss Mentlberg „durch Errichtung eines Sonnenbades, Anschaffung einer künstlichen Höhensonne, Errichtung eines Laboratoriums und aller sonstigen Behelfe zu einer Lungenheilstätte ausgestaltet […].“ Im Herbst 1916 erhielt die Einrichtung schließlich auch die offizielle Bezeichnung „Lungenheilstätte des Roten Kreuzes“. Allein zwischen 1914 und 1917 wurden nach offiziellen Angaben rund 2.320 verwundete und/oder kranke Offiziere und Soldaten auf Schloss Mentlberg behandelt.

In unseren Beständen hat sich ein Fotoalbum erhalten, das einen – freilich für die Kamera in Szene gesetzen – Einblick in das Spitalsleben vermittelt. Einige Aufnahmen daraus möchten wir Ihnen hier vorstellen:

Das Sonnenbad befand sich östlich der Schlosskapelle.
Blick in eines der Krankenzimmer. Im Schloss war Platz für bis zu 200 Betten.
Der Spitalskommandant Oberleutnant August Norer (Bildmitte) mit zwei Spitalsärzten (stehend sehen wir vermutlich den Chefarzt, Hermann von Hayek) und Spitalskaplan Ewald Keßler.
Patienten, Schwestern, Ärzte und der Spitalskommandant stellen sich dem Fotografen.
Die Schwestern beim Croquet-Spiel. Allzu viel Freizeit dürften sie allerdings nicht gehabt haben …
Das Leiden und Sterben der Patienten zeigen die Fotos nicht, daher sei hier stellvertretend an Rudolf Dagostin erinnert. Als Zögling an der k. u. k. Infanterie-Kadettenschule Innsbruck erkrankte er 1916 an der Tuberkulose und wurde in Schloss Mentlberg behandelt. Die Ärzte konnten ihn jedoch nicht retten. Er starb, erst 16 Jahre alt, im Dezember 1916.

(StAI, Ph-A-24708)

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