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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Neue Glocken Für Den Dom – Teil 2

Neue Glocken für den Dom – Teil 2

Anfangs habe ich auf den Fotos von Richard Frischauf nicht erkennen können, um wie viele Glocken es sich 1961 bei der Einweihung genau gehandelt hat. Doch mit ein bisschen Recherche auf der Webseite der Diözese Innsbruck und in der Tiroler Tageszeitung vom 30. September und 1. Oktober 1961 ließ sich auch das beantworten. Sechs Stück wurden damals von der Glockengießerei Grassmayr für den Dom gegossen und alle im Südturm aufgehängt. Finanziert wurden sie sowohl von Spendengeldern von Privatpersonen, Investitionen von Land und Stadt, als auch von größeren Spenden durch die Sparkasse und die Tiroler Handelskammer. Alle Spenderinnen und Spender wurden in einem Buch verewigt. Es handelt sich hierbei nicht um irgendein Buch. Die Redaktion der Zeitung fand es künstlerisch so erwähnenswert, dass sie am 30. September 1961 gleich einen ganzen Absatz seiner Entstehung widmete:

Auf vielen Handgeschöpften Büttenpapierbogen wurden vom Graphiker Franz Stummvoll in Lans in seiner oft bewährten sauberen Schriftform die Namen aller Spender verewigt. So ist ein ebenso dicker wie großformatiger Band zustande gekommen, der von der Universitätsbuchbinderei August Kahrer einen meisterhaften Einband mit hellem olivfarbenem Oasenziegenleder erhalten hat. Die Buchstaben des Titels auf diesem Einband sind nach einem Entwurf August Kahrers in zarten handvergoldeten Doppellinien eingeprägt worden, und eine ebenfalls doppellinige Golddruckeinrahmung schließt das künstlerische Bild diese Einbandes zu einer harmonischen Form zusammen.

Soweit ist die Beschreibung recht bildlich. Jedoch kann ich mir beim besten Willen nichts unter Oasenziegenleder vorstellen. Vielleicht kennt sich eine*r der Leser*innen in dieser Thematik besser aus?

Abb.: Drei der Glocken hängen auf einem Holzgestell vor der Pfarrkirche. Können Sie erkennen, um welche es sich handelt?

Doch nun endlich zurück zu den frisch gegossenen Glocken. Sechs Stück wurden hergestellt, auf dem Pfarrplatz aufgehängt und am 1. Oktober geweiht. Hier eine kleine Übersicht (entnommen aus den Innsbrucker Nachrichten vom 30. September 1961 und der Webseite der Diözese Innsbruck):

Die Glocke des seligen Heinrich von Bozen (202 kg, 70cm Durchmesser, Tonfolge d2) war die Kleinste von ihnen. Sie wurde als Totenglocke genutzt. Heinrich von Bozen wird darauf als Tagelöhner mit einer Weinhacke dargestellt. Ihr Glockenspruch lautet: Misericordiam mendicabo (Ich flehe um Barmherzigkeit).

Die Christophorus- und Homobonus-Glocke (356 kg, 85 cm Durchmesser, Tonfolge h1) ist die zweitkleinste Glocke und wurde mit der Glocke des seligen Heinrich von Bozen gemeinsam auf einer Kutsche zum Pfarrplatz gezogen. Sie wurde von der Handelskammer für Tirol gespendet. Der hl. Christophorus wurde als Patron der Autofahrer*innen ausgewählt, der hl. Homobonus war ein heiliger Kaufmann aus Cremona.

Danach folgte die Matthäus-Glocke (475kg, 94cm Durchmesser, Tonfolge a1), die von der Sparkasse gespendet wurde. Darauf sind zwei Engel mit einer Sparbüchse zu sehen.

Im Anschluss kam die Paulus-Glocke (1221 kg, 128 cm Durchmesser, Tonfolge e1). Auf ihr ist das Wappen der Apostolischen Administratur Innsbruck zu sehen, da sie von den Spenden des Bischofs und der Gläubigen bezahlt wurde.

Die Josefs- und Georgs-Glocke (1674 kg, 141 cm Durchmesser, Tonfolge d1) wurde dahinter transportiert und vom Land Tirol gestiftet. Darauf sind die Landespatrone zu sehen, St. Josef trägt ein Christkind und Georg ist als Drachentöter abgebildet. Bei der Glocke auf unserem Titelbild auf der Kutsche, handelt es sich vermutlich um die Josefs- und Georgs-Glocke.

Zum Schluss wurde die größte und schwerste Glocke zum Dom gebracht. Es war die Pirminus-Glocke (3123 kg, 172 cm Durchmesser, Tonfolge h0), die von der Stadt gespendet und deshalb nach dem Stadtpatron benannt wurde. Darauf ist der hl. Pirminus zu sehen, der den Sargdeckel sprengt. Der Glockenspruch lautet: Portas mortis Salvator disrumpit (Der Erlöser sprengt die Pforten des Todes).

Jahrzehnte später, als am 19. September 2018 die neue Anna- und Petrus Canisius-Glocke eingeweiht wurde, weil die alte Glocke ersetzt werden musste, wurde „ein spezieller Autokran“ benötigt, um sie in den Südturm zu heben. Mich würde interessieren, wie man in den Sechziger Jahren mit dieser Herausforderung umgegangen ist. Die Glocken machen sich zwar sehr hübsch auf dem Foto, wo sie in dem Holzgestell hängen, allerdings müssen auch sie irgendwie in den Turm gekommen sein. Und ich vermute stark, dass die Pferdekutschen dazu nicht in der Lage waren. Doch davon hat uns Richard Frischauf leider keine Fotos hinterlassen.

(Stadtarchiv/ Stadtmuseum Innsbruck, Frischauf-Foto, FR-NE-0041-1, FR-NE-0041-2)

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare
  1. Ach dieses Bramborium mit Kutschern im Seppllook und gaffenden Gaffern, dazu ein geschneutzter und gebügelter Bürgermeister, den das Ganze eigentlich nichts, aber auch rein gar nichts angegangen wäre, welch ein Fest.

    Man hätt sie nur hängenlassen brauchen. Aber dann hätten wir vielleicht die Weltkriesche nicht gewonnen.

    (Jetzt nimm Dich aber zurück, lieber Hirsch. Lächle lieber, wenn die Touristen immer reflexartig die Kamera (auch schon in der Analogzeit) zücken, um den Schall zu fotografieren, wenn das festliche Geläute einsetzt.)

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